Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne, lau­fen­de Gewin­ne – und die Gewinn­fest­stel­lung

In die geson­der­te und ein­heit­li­che Fest­stel­lung der Ein­künf­te nach § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO sind auch die Gewin­ne ein­zu­be­zie­hen, die ein Gesell­schaf­ter aus der Ver­äu­ße­rung sei­nes Mit­un­ter­neh­mer­an­teils nach § 16 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG erzielt 1.

Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne, lau­fen­de Gewin­ne – und die Gewinn­fest­stel­lung

Die­se Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne der Mit­un­ter­neh­mer sind eine "ande­re Besteue­rungs­grund­la­ge" i.S. des § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO. Von die­ser Fest­stel­lung zu unter­schei­den ist die Qua­li­fi­ka­ti­on des Ver­äu­ße­rungs­ge­winns als Bestand­teil der außer­or­dent­li­chen Ein­künf­te, wel­cher der Tarif­be­güns­ti­gung gemäß § 34 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Abs. 1 EStG unter­liegt. Hier­bei han­delt es sich eben­falls um eine selb­stän­di­ge "ande­re Besteue­rungs­grund­la­ge" i.S. des § 180 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a AO 2.

Das Begeh­ren der kla­gen­den Mit­un­ter­neh­mer rich­te­te sich im hier ent­schie­de­nen Streit­fall mit­hin sowohl gegen die ver­sag­te Fest­stel­lung von Gewin­nen aus der Ver­äu­ße­rung ihrer gesam­ten Mit­un­ter­neh­mer­an­tei­le (Kom­man­dit­an­tei­le) und deren Tarif­be­güns­ti­gung gemäß § 34 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Abs. 1 EStG als auch gegen die Höhe der (ihnen zuge­rech­ne­ten) lau­fen­den Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat­te im vor­lie­gen­den Streit­fall hin­ge­gen nicht dar­über zu ent­schei­den, ob dane­ben auch die Vor­aus­set­zun­gen der Tarif­be­güns­ti­gung gemäß § 34 Abs. 3 EStG vor­lie­gen. Ob die hier­für erfor­der­li­chen per­sön­li­chen Merk­ma­le der Mit­un­ter­neh­mer gege­ben sind, ist nicht im Fest­stel­lungs­ver­fah­ren, son­dern erst bei der Ver­an­la­gung zur Ein­kom­men­steu­er zu ent­schei­den 3.

Das auf Fest­stel­lung tarif­be­güns­tig­ter Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne nach § 34 Abs. 2 Nr. 1 i.V.m. Abs. 1 EStG gerich­te­te Anfech­tungs­be­geh­ren betrifft zugleich auch die Höhe der (den Mit­un­ter­neh­mern zuge­rech­ne­ten) lau­fen­den Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb. Denn mit der Fest­stel­lung sol­cher Ver­äu­ße­rungs­ge­win­ne gin­ge zwangs­läu­fig eine ent­spre­chen­de Redu­zie­rung der (ihnen bis­her zuge­rech­ne­ten) lau­fen­den Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb ein­her 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Juni 2017 – IV R 6/​14

  1. BFH, Urteil vom 17.12 2014 – IV R 57/​11, BFHE 248, 66, BSt­Bl II 2015, 536, Rz 12, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 09.12 2014 – IV R 36/​13, BFHE 248, 75, BSt­Bl II 2015, 529, Rz 15, m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le in BFHE 248, 75, BSt­Bl II 2015, 529, Rz 15; in BFHE 248, 66, BSt­Bl II 2015, 536, Rz 13, m.w.N.[]
  4. vgl. BFH, Urteil vom 08.06.2000 – IV R 65/​99, BFHE 192, 207, BSt­Bl II 2001, 89, unter 2.b[]