Ver­lust­be­rück­sich­ti­gung und Mehr­müt­ter­or­gan­schaft

Die durch das Unt­StFG geschaf­fe­nen gesetz­li­chen Rege­lun­gen zur sog. Mehr­müt­ter­or­gan­schaft sind nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­fas­sungs­ge­mäß. Sie ver­sto­ßen nicht gegen das aus dem Rechts­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 3 GG) abge­lei­te­te Rück­wir­kungs­ver­bot.

Ver­lust­be­rück­sich­ti­gung und Mehr­müt­ter­or­gan­schaft

Die ver­fah­rens­recht­li­chen Bestim­mun­gen über das Ruhen von Ver­fah­ren kraft Geset­zes in § 363 Abs. 2 Satz 2 AO 1977 begrün­den kei­nen ein­fach­ge­setz­li­chen Ver­trau­ens­schutz, der einer rück­wir­ken­den Anwen­dung des § 2 Abs. 2 Satz 3, § 36 Abs. 2 Satz 2 GewStG 1999 i.V.m. § 14 Abs. 2 KStG 1999 (jeweils i.d.F. des Unt­StFG) ent­ge­gen­stün­de.

Auch im Fal­le der Been­di­gung einer sog. Mehr­müt­ter­or­gan­schaft gilt, dass Ver­lus­te der Organ­ge­sell­schaft, die wäh­rend der Dau­er der Organ­schaft ent­stan­den sind, nur von dem maß­ge­ben­den Gewer­be­er­trag der Organ­trä­ger-GbR abge­setzt wer­den kön­nen. Eine antei­li­ge Berück­sich­ti­gung bei einem an der GbR –vor­mals– betei­lig­ten Unter­neh­men kommt man­gels Unter­neh­mens­iden­ti­tät (§ 10a GewStG) selbst dann nicht in Betracht, wenn die­ses Unter­neh­men den Betrieb der Organ­ge­sell­schaft fort­führt (Bestä­ti­gung des BMF-Schrei­bens vom 26. August 2003, BSt­Bl I 2003, 437 Tz. 20).

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. März 2006 – I R 1/​04