Ver­pach­tung land­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke – und die (Teil-)Betriebsaufgabe

Durch die (par­zel­len­wei­se) Ver­pach­tung der land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen erfolgt noch kei­ne (Teil-)Betriebsaufgabe.

Ver­pach­tung land­wirt­schaft­li­cher Grund­stü­cke – und die (Teil-)Betriebsaufgabe

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs hat der Steu­er­pflich­ti­ge im Fall der Ver­pach­tung sei­nes Betriebs ein Wahl­recht, ob er den Vor­gang als Betriebs­auf­ga­be i.S. des § 16 Abs. 3 EStG behan­deln und damit die Wirt­schafts­gü­ter sei­nes Betriebs unter Auf­lö­sung der stil­len Reser­ven in sein Pri­vat­ver­mö­gen über­füh­ren oder (ob und wie lan­ge er) das Betriebs­ver­mö­gen wäh­rend der Ver­pach­tung fort­füh­ren und dar­aus betrieb­li­che Ein­künf­te erzie­len will1. Das gilt auch für die (par­zel­len­wei­se) Ver­pach­tung land- und forst­wirt­schaft­li­cher Betrie­be2.

Die mit der Geset­zes­la­ge nicht in Ein­klang ste­hen­den, nor­min­ter­pre­tie­ren­den Erlas­se der Finanz­ver­wal­tung3 ver­mö­gen an die­sem Ergeb­nis nichts zu ändern; sie sind ins­be­son­de­re nicht geeig­net, einen Ver­trau­ens­tat­be­stand zu begrün­den4. Soweit die Finanz­ver­wal­tung aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes in den Fäl­len, in denen die par­zel­len­wei­se Ver­pach­tung vor der Ver­öf­fent­li­chung der BFH-Urtei­le vom 15.10.1987 im Bun­des­steu­er­blatt (am 15.04.1988) erfolg­te, unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen vom Vor­lie­gen einer Betriebs­auf­ga­be aus­geht bzw. aus­ge­gan­gen ist5, han­delt es sich um eine Bil­lig­keits­maß­nah­me. Ob der Streit­fall unter den Anwen­dungs­be­reich die­ser Ver­fü­gung fällt, ist nicht Gegen­stand des vor­lie­gen­den Fest­set­zungs­ver­fah­rens, son­dern ist ‑wie das Finanz­ge­richt zutref­fend ent­schie­den hat- in einem geson­der­ten Bil­lig­keits­ver­fah­ren nach Maß­ga­be der §§ 163, 227 AO zu klä­ren6.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung wird ein Betrieb der Land- und Forst­wirt­schaft auch nicht durch die Ein­stel­lung der Eigen­be­wirt­schaf­tung auf­ge­ge­ben. Wenn die wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen erhal­ten blei­ben, so dass die Mög­lich­keit besteht, den Betrieb selbst oder durch die Erben wie­der­auf­zu­neh­men7, hängt die Annah­me einer Betriebs­auf­ga­be, ins­be­son­de­re ‑wie im Streit­fall- in Ver­pach­tungs­fäl­len, letzt­lich von den Absich­ten des Steu­er­pflich­ti­gen ab8.

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Aus Beweis­grün­den konn­te die Absicht der Betriebs­ein­stel­lung auch schon vor Ein­füh­rung des § 16 Abs. 3b EStG grund­sätz­lich nur bei einer ent­spre­chen­den unmiss­ver­ständ­li­chen Erklä­rung des Steu­er­pflich­ti­gen ange­nom­men wer­den9. Soweit aus­nahms­wei­se man­gels aus­drück­li­cher Auf­ga­be­er­klä­rung aus ande­ren Umstän­den, Hand­lun­gen oder Äuße­run­gen auf eine Betriebs­auf­ga­be geschlos­sen wird, muss das als Auf­ga­be­er­klä­rung gewer­te­te Ver­hal­ten erkenn­bar von dem Bewusst­sein getra­gen sein, dass es als Fol­ge die­ser Erklä­rung zur Ver­steue­rung der stil­len Reser­ven kommt10. Dabei trifft den Steu­er­pflich­ti­gen die (objek­ti­ve) Fest­stel­lungs­last für sei­ne Behaup­tung, der Betrieb sei durch die Ver­pach­tung der bis­her selbst­be­wirt­schaf­te­ten Flä­chen oder schon vor­her auf­ge­ge­ben wor­den11.

Eine sol­che Erklä­rung kann nicht in einem Schrei­ben des Land­wirts an das Finanz­amt erblickt wer­den, in dem die­ser eine „Neu­fest­stel­lung des Ein­heits­wer­tes mei­nes Bau­ern­ho­fes“ bean­tragt, da er Anfang des Jah­res „von der genann­ten Besit­zung“ eini­ge Grund­stü­cke ver­kauft habe. Auch der Hin­weis in dem Schrei­ben, dass „die gan­ze Besit­zung … ver­pach­tet“ sei und das Betriebs­ka­pi­tal dem Päch­ter gehö­re, stell­te kei­ne Betriebs­auf­ga­be­er­klä­rung dar.

Die Erklä­rung der Betriebs­auf­ga­be erfolg­te auch nicht mit der „Erklä­rung über die Tier­hal­tung“, die der Land­wirt gegen­über dem Finanz­amt im Rah­men der Ein­heits­be­wer­tung sei­nes Betriebs nach den Ver­hält­nis­sen des Wirt­schafts­jah­res 1975/​1976 abge­ge­ben hat­te. Zwar hat er dort ange­ge­ben, er habe kei­ne land­wirt­schaft­li­chen Grund­stü­cke bewirt­schaf­tet und habe des­halb auch kei­ne Tier­hal­tung. Damit hat er aber nur einen tat­säch­li­chen Sach­ver­halt geschil­dert, der weder gegen das Vor­lie­gen eines land­wirt­schaft­li­chen Ver­pach­tungs­be­triebs spricht noch den Wil­len erken­nen lässt, die­sen Betrieb nun­mehr auf­ge­ben und die stil­len Reser­ven ver­steu­ern zu wollen.

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Eine Betriebs­auf­ga­be­er­klä­rung kann schließ­lich nicht dar­in gefun­den wer­den, dass die Ein­künf­te aus der Ver­pach­tung der land­wirt­schaft­li­chen Flä­chen nicht als sol­che aus Land- und Forst­wirt­schaft erklärt wur­den. Erst recht kann eine Betriebs­auf­ga­be im hier ent­schie­de­nen Fall nicht des­halb ange­nom­men wer­den, weil das Finanz­amt den Land­wirt nicht zur Abga­be ent­spre­chen­der Fest­stel­lungs­er­klä­run­gen auf­ge­for­dert hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 31. März 2021 – VI R 30/​18

  1. grund­le­gend BFH, Urteil vom 13.11.1963 – GrS 1/​63 S, BFHE 78, 315, BStBl III 1964, 124[]
  2. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urteil vom 17.05.2018 – VI R 73/​15, Rz 26, m.w.N.[]
  3. koor­di­nier­ter Erlass der Finanz­mi­nis­ter der Län­der vom 28.12.1964, BStBl II 1965, 5; koor­di­nier­ter Län­der­erlass vom 17.12.1965, BStBl II 1966, 34[]
  4. BFH, Urteil vom 08.03.2007 – IV R 57/​04, BFH/​NV 2007, 1640, unter II. 5., und BFH, Urteil vom 12.03.2020 – VI R 35/​17, Rz 14 und 15, m.w.N.[]
  5. s. z.B.OFD Müns­ter, Ver­fü­gung vom 07.01.1991 – S 2239 – 70 – St 12–21, Der Betrieb 1991, 523[]
  6. s. BFH, Urteil in BFH/​NV 2007, 1640, unter II. 1.c, und BFH, Urteil vom 12.03.2020 – VI R 35/​17, Rz 16 ff.[]
  7. s. BFH, Urtei­le vom 15.10.1987 – IV R 91/​85, BFHE 151, 392, BStBl II 1988, 257, und – IV R 66/​86, BFHE 152, 62, BStBl II 1988, 260; vom 28.11.1991 – IV R 58/​91, BFHE 167, 19, BStBl II 1992, 521, sowie BFH, Beschluss vom 14.11.1990 – IV B 129/​90, BFH/​NV 1991, 591[]
  8. BFH, Urteil vom 02.03.1995 – IV R 52/​94, BFH/​NV 1996, 110[]
  9. BFH, Urtei­le vom 23.02.1989 – IV R 63/​87, BFH/​NV 1990, 219; in BFHE 167, 19, BStBl II 1992, 521, und in BFH/​NV 1996, 110; BFH, Beschluss vom 11.05.2017 – VI B 105/​16, Rz 8[]
  10. BFH, Urteil vom 22.09.2004 – III R 9/​03, BFHE 207, 549, BStBl II 2005, 160, unter II. 1.d[]
  11. BFH, Beschluss vom 02.06.2006 – IV B 3/​05, BFH/​NV 2006, 1652, m.w.N.[]

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