Vom Kom­ple­men­tär zum aty­pisch stil­len Gesell­schaf­ter

Wird eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft in eine Mit­un­ter­neh­mer­schaft ande­rer Rechts­form „umge­wan­delt“, führt die­ser Vor­gang nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht zu einer Auf­de­ckung von stil­len Reser­ven [1]. Dies gilt auch bei „Umwand­lun­gen“ von Außen­ge­sell­schaf­ten in Innen­ge­sell­schaf­ten, ins­be­son­de­re aty­pisch stil­le Gesell­schaf­ten [2]. Dabei ist es für die Erfolgs­neu­tra­li­tät grund­sätz­lich ohne Bedeu­tung, ob der Vor­gang als unun­ter­bro­che­ne mit­un­ter­neh­me­ri­sche Betei­li­gung im Sin­ne einer „form­wech­seln­den Umwand­lung“ oder als tau­sch­ähn­li­che Ein­brin­gung in die neue Gesell­schaft gegen Gewäh­rung von Gesell­schafts­rech­ten im Sin­ne des § 24 UmwStG [3] ange­se­hen wird.

Vom Kom­ple­men­tär zum aty­pisch stil­len Gesell­schaf­ter

Da der Kom­ple­men­tär einer KGaA wie ein Mit­un­ter­neh­mer behan­delt wird und die Grund­sät­ze für die Ver­äu­ße­rung von Mit­un­ter­neh­mer­an­tei­len ent­spre­chend anzu­wen­den sind [4], erscheint es nicht fern­lie­gend, auch den Wech­sel aus der mit­un­ter­neh­mer­ähn­li­chen Stel­lung in eine ech­te Mit­un­ter­neh­merstel­lung ent­spre­chend der Umwand­lung von einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft in eine ande­re Mit­un­ter­neh­mer­schaft zu behan­deln [5]. Im Streit­fall spricht für eine sol­che Hand­ha­bung auch, dass die unbe­schränk­te Haf­tung als Kom­ple­men­tä­rin nach den Ver­ein­ba­run­gen im Gesell­schafts­ver­trag aus­drück­lich fort­be­stehen soll­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. April 2010 – IV B 94/​09

  1. BFH, Urtei­le vom 20.09.2007 – IV R 10/​07, BFHE 219, 92, BStBl II 2008, 118; und vom 28.11.1989 – VIII R 40/​84, BFHE 159, 410, BStBl II 1990, 561[]
  2. BFH, Urtei­le in BFHE 219, 92, BStBl II 2008, 118; und in BFHE 159, 410, BStBl II 1990, 561[]
  3. vgl. Wid­mann in Widmann/​Mayer, Umwand­lungs­recht, § 24 UmwStG Rz 117.1[]
  4. Reiß in Kirch­hof, a.a.O., § 16 Rz 188; Schmidt/​Wacker, a.a.O., § 16 Rz 571[]
  5. eben­so für den Form­wech­sel der KGaA in eine Per­so­nen­ge­sell­schaft Patt in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 16 EStG Rz 267[]