Vor­zei­ti­ge Been­di­gung eines Block­mo­dell-Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis­ses

Wird ein im Block­mo­dell geführ­tes Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis vor Ablauf der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Zeit been­det und erhält der Arbeit­neh­mer für sei­ne in der Arbeits­pha­se erbrach­ten Vor­leis­tun­gen Aus­gleichs­zah­lun­gen, stel­len die­se Aus­gleichs­zah­lun­gen Arbeits­lohn dar. Sol­che Aus­gleichs­zah­lun­gen sind sons­ti­ge Bezü­ge im Sin­ne des § 38a Abs. 1 Satz 3 EStG, so dass sie nach dem Zufluss­prin­zip des § 11 Abs. 1 Satz 1 EStG zu erfas­sen sind.

Vor­zei­ti­ge Been­di­gung eines Block­mo­dell-Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis­ses

Gemäß § 11 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Ein­nah­men inner­halb des Kalen­der­jah­res bezo­gen, in dem sie dem Steu­er­pflich­ti­gen zuge­flos­sen sind. Für Ein­nah­men aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit, wie sie im Streit­fall vor­lie­gen, ver­weist § 11 Abs. 1 Satz 4 EStG auf § 38a Abs. 1 Sät­ze 2 und 3 EStG. Dort wird unter­schie­den zwi­schen lau­fen­dem Arbeits­lohn, der dem Arbeit­neh­mer regel­mä­ßig zufließt 1, und sons­ti­gen Bezü­gen, d.h. Arbeits­lohn, der nicht als lau­fen­der Arbeits­lohn gezahlt wird 2. Für sons­ti­ge Bezü­ge ver­bleibt es nach § 38a Abs. 1 Satz 3 EStG beim Zufluss­prin­zip des § 11 EStG.

Die Aus­gleichs­zah­lung stellt einen sons­ti­gen Bezug dar. Sie hat ihre Ursa­che in der Been­di­gung des Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis­ses. Im Block­mo­dell der Alters­teil­zeit tritt der Arbeit­neh­mer wäh­rend der Arbeits­pha­se mit sei­ner vol­len Arbeits­leis­tung im Hin­blick auf die anschlie­ßen­de Frei­stel­lungs­pha­se in Vor­leis­tung. Er hat hier­durch Ent­gel­te erar­bei­tet, die nicht im Monat der Arbeits­pha­se aus­ge­zahlt, son­dern für die spä­te­re Frei­stel­lungs­pha­se ange­spart wer­den. Der Arbeit­neh­mer erar­bei­tet sich damit im Umfang sei­ner Vor­leis­tun­gen zum einen Ansprü­che auf die spä­te­re Zah­lung der Bezü­ge und zum ande­ren einen ent­spre­chen­den Anspruch auf Frei­stel­lung von der Arbeits­leis­tungs­pflicht 3. Nur wenn ein im Block­mo­dell geführ­tes Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis vor Ablauf der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Zeit endet, ist die vom Arbeit­neh­mer erbrach­te Vor­leis­tung – wie hier gesche­hen – zivil­recht­lich durch Zah­lung eines Ent­gel­tes aus­zu­glei­chen 4.

Unab­hän­gig davon, auf wel­cher zivil­recht­li­chen Grund­la­ge ein Aus­gleich im Streit­fall erfolg­te, ist das den Aus­gleichs­an­spruch begrün­den­de Ereig­nis daher ein­zig in der vor­zei­ti­gen Been­di­gung des Alters­teil­zeit­ar­beits­ver­hält­nis­ses zu sehen. Die dar­auf­hin wegen des unvor­her­ge­se­he­nen Abbruchs getä­tig­te Aus­gleichs­zah­lung stellt des­halb gera­de kein regel­mä­ßig zuflie­ßen­des Ent­gelt und mit­hin kei­nen lau­fen­den Arbeits­lohn im Sin­ne des § 38a Abs. 1 Satz 2 EStG dar. Aus die­sen Grün­den ist es auch nicht ent­schei­dend, dass die in der Arbeits­pha­se regel­mä­ßig und fort­lau­fend erbrach­te Mehr­ar­beit des Arbeit­neh­mers durch die Aus­gleichs­zah­lung ver­gü­tet wird.

Die sons­ti­gen Bezü­ge sind nach §§ 11 Abs. 1 Satz 4, 38a Abs. 1 Satz 3 EStG erst im Jahr des Zuflus­ses zu ver­steu­ern.

Die wei­te­re Fra­ge, ob auf die Aus­gleichs­zah­lung die Rege­lung des § 39b Abs. 5 Satz 2 EStG ana­log anzu­wen­den ist, bedurf­te hier kei­ner Ent­schei­dung. Denn sie stellt sich nur für lau­fen­den Arbeits­lohn im Sin­ne des § 38a Abs. 1 Satz 2 EStG, aber nicht bei sons­ti­gen Bezü­gen der hier im Streit­fall vor­lie­gen­den Art 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2011 – VI R 26/​11

  1. BFH, Beschluss vom 29.05.1998 – VI B 275/​97, BFH/​NV 1998, 1477[]
  2. BFH, Urtei­le vom 20.11.2008 – VI R 25/​05, BFHE 223, 419, BSt­Bl II 2009, 382; vom 30.09.2008 – VI R 67/​05, BFHE 223, 98, BSt­Bl II 2009, 282; vom 29.05.2008 – VI R 57/​05, BFHE 221, 177, BSt­Bl II 2009, 147; BFH, Beschluss in BFH/​NV 1998, 1477[]
  3. BAG, Urtei­le vom 16.08.2005 – 9 AZR 79/​05, NZA 2006, 1057; vom 19.10.2004 – 9 AZR 647/​03, BAGE 112, 214, m.w.N.[]
  4. vgl. BAG, Urteil vom 14.10.2003 – 9 AZR 146/​03, BAGE 108, 94[]
  5. BFH, Urteil vom 22.07.1993 – VI R 104/​92, BFHE 171, 555, BSt­Bl II 1993, 795; FG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 21.04.1999 – II 365/​97, EFG 2000, 326; FG Müns­ter, Urteil vom 14.11.1990 – VII 3638/​88 E, EFG 1991, 567; Schmidt/​Drenseck, EStG, 30. Aufl., § 38a Rz 2; Eis­gru­ber in Kirch­hof, EStG, 10. Aufl., § 38a Rz 4; Trz­as­ka­lik, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 38a Rz B5; Till­mann in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 38a EStG Rz 18; Sei­fert in Korn, § 38a EStG Rz 16; Blümich/​Thürmer, § 38a EStG Rz 30; Lewang in Littmann/​Bitz/​Pust, Das Ein­kom­men­steu­er­recht, Kom­men­tar, § 38a Rz 7; Heß in Lade­mann, EStG, § 38a EStG Rz 18; Hartz/​Meeßen/​Wolf, ABC-Füh­rer Lohn­steu­er, Stich­wort "Zufluss von Arbeits­lohn" Rz 2/​1[]