Weg­fall der Unter­neh­mens­iden­ti­tät einer gewerb­lich gepräg­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft

Ein Gewer­be­ver­lust kann nach § 10a GewStG (nur) dann abge­zo­gen wer­den, wenn der im Kür­zungs­jahr bestehen­de Gewer­be­be­trieb iden­tisch ist mit dem Gewer­be­be­trieb, der im Ver­lust­ent­ste­hungs­jahr bestan­den hat – Unter­neh­mens­iden­ti­tät – 1. Stets kommt es für die Fra­ge der Iden­ti­tät der Betä­ti­gun­gen auf das Gesamt­bild an, das sich aus den wesent­li­chen Merk­ma­len des Gewer­be­be­triebs ergibt, so ins­be­son­de­re der Art der Betä­ti­gung, dem Kun­den- und Lie­fe­ran­ten­kreis, der Arbeit­neh­mer­schaft, der Geschäfts­lei­tung, den Betriebs­stät­ten sowie dem Umfang und der Zusam­men­set­zung des Aktiv­ver­mö­gens.

Weg­fall der Unter­neh­mens­iden­ti­tät einer gewerb­lich gepräg­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft

Geht ein Unter­neh­mer von einer gewerb­li­chen Tätig­keit zu einer ande­ren über, so kommt es für die Beant­wor­tung der Fra­ge, ob der frü­he­re Gewer­be­be­trieb als Steu­er­ob­jekt fort­be­steht und damit Unter­neh­mens­iden­ti­tät besteht, auf den wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang der neu­en mit der frü­he­ren Tätig­keit an. Die neue Tätig­keit stellt dann kei­ne Betriebs­ein­stel­lung des alten Betriebs und Grün­dung eines neu­en Betriebs dar, wenn die Tätig­kei­ten wirt­schaft­lich, finan­zi­ell oder orga­ni­sa­to­risch inner­lich zusam­men­hän­gen 2.

Der Über­gang von einem Pro­duk­ti­ons- und Ver­triebs­un­ter­neh­men zu einem rei­nen Ver­pach­tungs­un­ter­neh­men stellt den Über­gang von einer gewerb­li­chen Tätig­keit zu einer ande­ren dar 3.

Zwar bejaht der Bun­des­fi­nanz­hof den inne­ren Zusam­men­hang im Ver­hält­nis der aus einer Betriebs­auf­spal­tung her­vor­ge­gan­ge­nen Besitz­ge­sell­schaft zur Betriebs­ka­pi­tal­ge­sell­schaft. Dies folgt aus dem Gedan­ken, dass das Besitz­un­ter­neh­men ver­mit­tels der Betriebs­ge­sell­schaft wei­ter­hin am Markt tätig ist. Andern­falls könn­te die Ver­pach­tungs­tä­tig­keit der Besitz­per­so­nen­ge­sell­schaft nicht als Gewer­be­be­trieb behan­delt wer­den.

Auch wenn gewerb­lich gepräg­te Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten nur einen ein­heit­li­chen Gewer­be­be­trieb haben und des­halb inner­halb des­sel­ben Erhe­bungs­zeit­raums ein Ver­lust­aus­gleich zwi­schen unter Umstän­den sach­lich nicht zusam­men­hän­gen­den Tätig­kei­ten statt­fin­det, folgt dar­aus nicht, dass sie in Bezug auf die Unter­neh­mens­iden­ti­tät anders zu behan­deln sind als Ein­zel­ge­wer­be­trei­ben­de. Bei die­sen kön­nen Gewin­ne und Ver­lus­te aus ver­schie­de­nen Gewer­be­be­trie­ben nicht mit­ein­an­der ver­rech­net wer­den, weder im lau­fen­den Jahr noch im Wege des Ver­lust­vor­trags. Zu beach­ten ist näm­lich, dass die Per­so­nen­ge­sell­schaft nur Steu­er­schuld­ner ist, sach­lich gewer­be­steu­er­pflich­tig sind die Mit­un­ter­neh­mer 4. Des­halb ist die Fra­ge der Unter­neh­mens­iden­ti­tät für Ein­zel­ge­wer­be­trei­ben­de und Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten gleich zu ent­schei­den.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 15. Febru­ar 2012 – 10 K 1830/​10

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. z. B. BFH, Urtei­le vom 12.01.1978 – IV R 26/​73, BSt­Bl II 1978, 348; und vom 07.08.2008 – IV R 86/​05, BFH/​NV 2008, 1960, Rz. 22; Drüen in Blü­mich, § 10a GewStG, Rz. 45 ff. mit zahl­rei­chen Nach­wei­sen (Stand Mai 2011).[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 07.08.2008, a.a.O., Rz. 12[]
  3. BFH, Urteil vom 28.05.1968 – IV 340/​64, BSt­Bl II 1968, 688 Rz. 11[]
  4. BFH, Urteil vom 03.02.2010 – IV R 59/​07, BFH/​NV 2010, 1492[]