Wert­be­grün­den­de Wir­kung rechts­kräf­ti­ger Urtei­le

Nach § 8 Abs. 1 KStG 2002 i.V.m. § 4 Abs. 1, § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG 2002 hat die GmbH in ihren Bilan­zen das Betriebs­ver­mö­gen anzu­set­zen, das nach den han­dels­recht­li­chen Grund­sät­zen ord­nungs­mä­ßi­ger Buch­füh­rung (GoB) aus­zu­wei­sen war. Die han­dels­recht­li­chen GoB erge­ben sich u.a. aus den Bestim­mun­gen des Ers­ten Abschnitts des Drit­ten Buchs "Vor­schrif­ten für alle Kauf­leu­te" der §§ 238 ff. des Han­dels­ge­setz­buchs (HGB).

Wert­be­grün­den­de Wir­kung rechts­kräf­ti­ger Urtei­le

Hier­zu gehört nicht nur der Grund­satz des for­mel­len Bilan­zen­zu­sam­men­hangs, nach dem alle Posi­tio­nen der Anfangs­bi­lanz eines Geschäfts­jah­res mit den­je­ni­gen zum Ende des vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­res über­ein­stim­men müs­sen (§ 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB), son­dern auch das mit dem Vor­sichts­prin­zip ver­bun­de­ne Rea­li­sa­ti­ons­prin­zip, dem­zu­fol­ge nur hin­rei­chend siche­re Ansprü­che in der Bilanz aus­ge­wie­sen wer­den dür­fen (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB).

Nach dem auch steu­er­recht­lich zu beach­ten­den Vor­sichts­prin­zip des Han­dels­bi­lanz­rechts (§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB i.V.m. § 5 Abs. 1 EStG 2002 und § 8 Abs. 1 KStG 2002) dür­fen For­de­run­gen, die in vol­lem Umfang bestrit­ten wer­den, erst dann akti­viert und als rea­li­sier­te Erträ­ge erfasst wer­den, wenn (und soweit) sie ent­we­der rechts­kräf­tig fest­ge­stellt oder vom Schuld­ner aner­kannt wor­den sind 1. Dabei kön­nen nach stän­di­ger BFH-Recht­spre­chung rechts­kräf­ti­ge Urtei­le, die dem Gläu­bi­ger eine bis dahin bestrit­te­ne For­de­rung zuspre­chen, auf deren Akti­vie­rung nach den Grund­sät­zen des Vor­sichts­prin­zips nicht wert­erhel­lend, son­dern nur wert­be­grün­dend ein­wir­ken 2.

Die­se Grund­sät­ze wer­den­durch den Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 31.01.2013 3 nicht berührt, und zwar unab­hän­gig von der zwi­schen den Betei­lig­ten strei­ti­gen Fra­ge, ob die­sem Beschluss auch Aus­sa­gen zu Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen ent­nom­men wer­den kön­nen 4. Denn es geht inso­weit nicht um die Berück­sich­ti­gung unge­klär­ter bilanz­recht­li­cher Fra­gen, son­dern um Grund­sät­ze des Vor­sichts­prin­zips, deren inhalt­li­che (bilanz­recht­li­che) Anfor­de­run­gen geklärt waren und sind.

Dem­ge­mäß konn­te im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren aus Sicht der Geschäfts­füh­rung der GmbH auch kein Zwei­fel dar­über bestehen, dass am Bilanz­stich­tag – bzw. nach Maß­ga­be des Kennt­nis­stands an dem Zeit­punkt, an dem die GmbH die Bilanz spä­tes­tens hät­te erstel­len müs­sen 5 – nur ein hin­rei­chend siche­rer Anspruch akti­viert wer­den durf­te, wovon aller­dings im Hin­blick auf das den Anspruch abwei­sen­de erst­in­stanz­li­che Urteil des Land­ge­richts kei­ne Rede sein konn­te. Inso­weit war viel­mehr zum Bilanz­stich­tag nur der Ansatz eines Erin­ne­rungs­pos­tens zuläs­sig.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Febru­ar 2014 – I R 12/​14

  1. z.B. BFH, Urtei­le vom 26.04.1989 – I R 147/​84, BFHE 157, 121, BSt­Bl II 1991, 213; vom 29.04.2008 – I R 67/​06, BFHE 221, 201, BSt­Bl II 2011, 55; vom 15.11.2011 – I R 96/​10, BFH/​NV 2012, 991[]
  2. z.B. BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 991, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 31.01.2013 – GrS 1/​10, BFHE 240, 162, BSt­Bl II 2013, 317[]
  4. BFH, Urteil in BFH/​NV 2012, 991[]
  5. BFH, Urteil vom 03.07.1991 – X R 163 – 164/​87, BFHE 164, 556, BSt­Bl II 1991, 802; s.a. BFH, Urteil vom 23.01.2008 – I R 40/​07, BFHE 220, 361, BSt­Bl II 2008, 669[]