Wirt­schaft­li­cher Vor­teil aus einer Ver­trags­arzt­zu­las­sung – und die Zuord­nung der Anschaf­fungs­kos­ten

Wird der wirt­schaft­li­che Vor­teil aus einer Ver­trags­arzt­zu­las­sung ‑wie im Streit­fall- zum Gegen­stand eines Ver­äu­ße­rungs- und Anschaf­fungs­ge­schäfts gemacht, ist Erwer­ber die­ses imma­te­ri­el­len Wirt­schafts­guts der­je­ni­ge, der die Anschaf­fungs­kos­ten hier­für trägt oder dem sie steu­er­recht­lich zuzu­ord­nen sind 1.

Wirt­schaft­li­cher Vor­teil aus einer Ver­trags­arzt­zu­las­sung – und die Zuord­nung der Anschaf­fungs­kos­ten

Trägt der Neu­ge­sell­schaf­ter einer Gemein­schafts­pra­xis, der Inha­ber des höchst­per­sön­li­chen Sta­tus­rechts der Ver­trags­arzt­zu­las­sung ist, selbst die Anschaf­fungs­kos­ten für den wirt­schaft­li­chen Vor­teil aus der Ver­trags­arzt­zu­las­sung, ist das Wirt­schafts­gut von ihm ange­schafft und sei­nem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen zuzu­ord­nen 2.

Eine unmit­tel­ba­re Zah­lung des Kauf­prei­ses für den wirt­schaft­li­chen Vor­teil aus der Zulas­sung durch die Gesell­schaft an den Ver­äu­ße­rer kann ent­ge­gen der Auf­fas­sung der GbR-Gesell­schaf­ter auf einen Erwerb des wirt­schaft­li­chen Vor­teils durch die Gesell­schaft selbst hin­deu­ten. Kom­men zu der Zah­lung durch die Gesell­schaft wei­te­re Begleit­um­stän­de, z.B. das Füh­ren von Ver­trags­ver­hand­lun­gen durch die Gesell­schaft mit dem Zulas­sungs­ver­äu­ße­rer für einen von ihr aus­zu­wäh­len­den und zu bezeich­nen­den Zulas­sungs­emp­fän­ger, hin­zu, ist von einem Erwerb des Vor­teils durch die Gesell­schaft aus­zu­ge­hen, da offen­bar das Inter­es­se der Gesell­schaft (der Alt­ge­sell­schaf­ter) im Vor­der­grund steht, das Leis­tungs- und Abrech­nungs­vo­lu­men auf der Gesell­schafts­ebe­ne zu erhal­ten oder zu erwei­tern. Der erwor­be­ne wirt­schaft­li­che Vor­teil aus der Ver­trags­arzt­zu­las­sung ist in die­sem Fall als imma­te­ri­el­les und nicht abschreib­ba­res Wirt­schafts­gut auf Ebe­ne der Gesamt­hand zu erfas­sen. Die Auf­fas­sung der GbR-Gesell­schaf­ter, dass sich ein von der Gesell­schaft erwor­be­ner wirt­schaft­li­cher Vor­teil auf der Gesamt­hand­s­ebe­ne unter sinn­ge­mä­ßer Anwen­dung der Grund­sät­ze des BFH-Urteils vom 09.08.2011 3 untrenn­bar mit einem ori­gi­när geschaf­fe­nen Pra­xis­wert der Gesell­schaft ver­ei­ni­ge und die Auf­wen­dun­gen zum Erwerb des Vor­teils des­halb als sofort abzugs­fä­hi­ge Betriebs­aus­ga­ben zur Erhö­hung des Pra­xis­werts der Gesell­schaft zu behan­deln sind, teilt der Bun­des­fi­nanz­hof nicht. Das Aus­ein­an­der­fal­len der Abrech­nungs­be­rech­ti­gung der GbR und der Zulas­sungs­in­ha­ber­schaft des Arz­tes führt nicht dazu, dass kein selb­stän­di­ges Wirt­schafts­gut vor­liegt.

Zah­lun­gen der Gesell­schaft an den Ver­äu­ße­rer des wirt­schaft­li­chen Vor­teils aus der Zulas­sung kön­nen nach den in der Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen zur Abgren­zung ech­ten und unech­ten Dritt­auf­wands durch eine Abkür­zung des Ver­trags- oder Zah­lungs­wegs jedoch auch als vom Gesell­schaf­ter selbst getra­ge­ne Anschaf­fungs­kos­ten zu wür­di­gen sein 4. Ist die Zah­lung der Gesell­schaft dem Gesell­schaf­ter nach die­sen Grund­sät­zen als Tra­gung eige­ner Anschaf­fungs­kos­ten zuzu­rech­nen, erwirbt der Neu­ge­sell­schaf­ter den wirt­schaft­li­chen Vor­teil aus der Ver­trags­arzt­zu­las­sung in sei­nem Son­der­be­triebs­ver­mö­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Febru­ar 2017 – VIII R 24/​16

  1. BFH, Urteil vom 12.12 2000 – VIII R 22/​92, BFHE 194, 108, BSt­Bl II 2001, 385, Rz 45; Schmidt/​Kulosa, EStG, 36. Aufl., § 7 Rz 54[]
  2. s. hier­zu den durch das BFH, Urteil vom 21.02.2017 – VIII R 56/​14 ent­schie­de­nen Streit­fall[]
  3. BFH, Urteil vom 09.08.2011 – VIII R 13/​08, BFHE 234, 286, BSt­Bl II 2011, 875[]
  4. vgl. zu Anschaf­fungs­kos­ten etwa Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des BFH vom 23.08.1999 – GrS 2/​97, BFHE 189, 160, BSt­Bl II 1999, 782, unter C.IV.01.c aa; BFH, Urtei­le vom 12.12 2000 – VIII R 22/​92, BFHE 194, 108, BSt­Bl II 2001, 385, Rz 45, 47; vom 25.06.2008 – X R 36/​05, BFHE 222, 373, Rz 29 f.; vom 16.07.2015 – III R 33/​14, BFHE 250, 525, BSt­Bl II 2016, 44, Rz 24; vom 15.07.2014 – X R 24/​12, BFHE 247, 131, BSt­Bl II 2015, 132, Rz 22[]