Wirt­schaft­li­ches Eigen­tum an einem Mit­un­ter­neh­mer­an­teil

Vor der zivil­recht­li­chen Über­tra­gung des Gesell­schafts­an­teils ist dem Erwer­ber eines Anteils an einer Per­so­nen­ge­sell­schaft die Mit­un­ter­neh­merstel­lung nur dann zuzu­rech­nen, wenn der Erwer­ber rechts­ge­schäft­lich eine auf den Erwerb des Gesell­schafts­an­teils gerich­te­te, recht­lich geschütz­te Posi­ti­on erwor­ben hat, die ihm gegen sei­nen Wil­len nicht mehr ent­zo­gen wer­den kann, und Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko sowie Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve voll­stän­dig auf ihn über­ge­gan­gen sind 1.

Wirt­schaft­li­ches Eigen­tum an einem Mit­un­ter­neh­mer­an­teil

Mit­un­ter­neh­mer i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG ist, wer zivil­recht­lich Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ist oder ‑in Aus­nah­me­fäl­len- eine die­sem wirt­schaft­lich ver­gleich­ba­re Stel­lung inne­hat, Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko trägt und Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve ent­fal­tet sowie die Absicht zur Gewinn­erzie­lung hat 2.

Steht bei einer Per­so­nen­ge­sell­schaft fest, dass die Vor­aus­set­zun­gen einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG erfüllt sind, ist vor der zivil­recht­li­chen Über­tra­gung eines Gesell­schafts­an­teils dem Erwer­ber eines Anteils an die­ser Per­so­nen­ge­sell­schaft die Mit­un­ter­neh­merstel­lung des Ver­äu­ße­rers nur dann als wirt­schaft­li­cher Inha­ber des Mit­un­ter­neh­mer­an­teils (§ 39 Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 AO) zuzu­rech­nen, wenn der Erwer­ber rechts­ge­schäft­lich eine auf den Erwerb des Gesell­schafts­an­teils gerich­te­te, recht­lich geschütz­te Posi­ti­on erwor­ben hat, die ihm gegen sei­nen Wil­len nicht mehr ent­zo­gen wer­den kann, und Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko sowie Mit­un­ter­neh­mer­initia­ti­ve voll­stän­dig auf ihn über­ge­gan­gen sind 3.

Mit­un­ter­neh­mer­ri­si­ko trägt, wer gesell­schafts­recht­lich oder die­sem Sta­tus wirt­schaft­lich ver­gleich­bar am Erfolg und Miss­erfolg eines gewerb­li­chen Unter­neh­mens teil­nimmt. Die­ses Risi­ko wird regel­mä­ßig durch Betei­li­gung am Gewinn und Ver­lust sowie an den stil­len Reser­ven des Anla­ge­ver­mö­gens ein­schließ­lich eines Geschäfts­werts ver­mit­telt 4.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2018 – IV R 39/​11

  1. Anschluss an BFH, Urtei­le vom 22.06.2017 – IV R 42/​13, BFHE 259, 258; und vom 01.03.2018 – IV R 15/​15, BFHE 261, 231, BSt­Bl II 2018, 539[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 01.03.2018 – IV R 15/​15, BFHE 261, 231, BSt­Bl II 2018, 539, Rz 32, m.w.N.[]
  3. BFH, Urtei­le vom 22.06.2017 – IV R 42/​13, BFHE 259, 258, Rz 33 f.; in BFHE 261, 231, BSt­Bl II 2018, 539, Rz 32 f.[]
  4. BFH (GrS), Beschluss vom 25.06.1984 – GrS 4/​82, BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751, unter C.V.03.b cc und C.V.03.c; vgl. auch BFH, Urtei­le vom 30.06.2005 – IV R 40/​03, BFH/​NV 2005, 1994, unter 1.; vom 21.10.2015 – IV R 43/​12, BFHE 252, 193, BSt­Bl II 2016, 517, Rz 30; und vom 13.07.2017 – IV R 41/​14, BFHE 258, 459, BSt­Bl II 2017, 1133, Rz 20[]