Zeit­punkt der gewerb­li­chen Betä­ti­gung des Organ­trä­gers

Der Organ­trä­ger einer ertrag­steu­er­li­chen Organ­schaft muss nicht bereits zu Beginn des Wirt­schafts­jahrs der Organ­ge­sell­schaft gewerb­lich tätig sein [1].

Zeit­punkt der gewerb­li­chen Betä­ti­gung des Organ­trä­gers

Organ­trä­ger kann gemäß § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 KStG 2002 auch eine Per­so­nen­ge­sell­schaft i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG 2002 sein, wenn sie eine Tätig­keit i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 aus­übt.

Die­se Vor­aus­set­zung hat­te im vor­lie­gen­den Streit­fall das Finanz­ge­richt – in Über­ein­stim­mung mit der Finanz­ver­wal­tung – ver­neint, weil sie des­sen Auf­fas­sung nach vor­aus­setzt, der Organ­trä­ger müs­se die gewerb­li­che Tätig­keit i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 bereits zu Beginn des Wirt­schafts­jahrs der Organ­ge­sell­schaft aus­ge­übt haben [2], und dies vor­lie­gend nicht der Fall gewe­sen sei.

Die­ser Auf­fas­sung ver­moch­te der Bun­des­fi­nanz­hof ist nicht bei­zu­pflich­ten. Eine Per­so­nen­ge­sell­schaft als Organ­trä­ger muss nicht bereits zu Beginn des Wirt­schafts­jahrs der Organ­ge­sell­schaft gewerb­lich tätig sein [3].

Der Wort­laut des § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 KStG 2002 gibt für eine sol­che zeit­li­che Anfor­de­rung nichts her. Dort heißt es nur, die als Organ­trä­ger fun­gie­ren­de Per­so­nen­ge­sell­schaft müs­se eine Tätig­keit i.S. des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 aus­üben, nicht aber ent­hält die Vor­schrift bestimm­te zeit­li­che Vor­ga­ben. Hät­te der Gesetz­ge­ber bestim­men wol­len, dass die gewerb­li­che Betä­ti­gung bereits zu Beginn des Wirt­schafts­jahrs der Organ­ge­sell­schaft aus­ge­übt wer­den müs­se, wäre zu erwar­ten, dass er dies aus­drück­lich fest­ge­legt hät­te. So heißt es in Bezug auf die wei­te­re Organ­schafts­vor­aus­set­zung der finan­zi­el­len Ein­glie­de­rung in § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 KStG 2002 aus­drück­lich, der Organ­trä­ger müs­se an der Organ­ge­sell­schaft "vom Beginn ihres Wirt­schafts­jahrs an unun­ter­bro­chen" mit der Mehr­heit der Stimm­rech­te betei­ligt sein. Dass in § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 KStG 2002 eine ver­gleich­ba­re zeit­li­che Anfor­de­rung fehlt, spricht im Umkehr­schluss dafür, dass eine sol­che an die­ser Stel­le auch nicht beab­sich­tigt war.

Ent­ge­gen der Sicht­wei­se des Finanz­ge­richt lässt sich das zeit­li­che Erfor­der­nis auch nicht aus dem Sinn und Zweck der Vor­schrift her­lei­ten. Mit Ein­füh­rung des Erfor­der­nis­ses einer "ori­gi­när" gewerb­li­chen Tätig­keit der als Organ­trä­ger fun­gie­ren­den Per­so­nen­ge­sell­schaft i.S. von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 woll­te der Gesetz­ge­ber die gemäß § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG 2002 ledig­lich gewerb­lich gepräg­ten Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten als Organ­trä­ger aus­schlie­ßen; damit soll­te die Strei­chung der Mehr­müt­ter­or­gan­schaft (Weg­fall des vor­he­ri­gen § 14 Abs. 2 KStG 2002) flan­kiert wer­den, indem Gestal­tun­gen ver­hin­dert wür­den, durch die über eine ande­re nicht gewerb­lich täti­ge Per­so­nen­ge­sell­schaft das steu­er­li­che Ergeb­nis einer Mehr­müt­ter­or­gan­schaft erreicht wer­den könn­te [4].

Die Vor­schrift dient mit­hin nicht spe­zi­ell dem vom Finanz­ge­richt her­vor­ge­ho­be­nen Zweck, zu ver­hin­dern, dass der abzu­füh­ren­de Gewinn der Organ­ge­sell­schaft nicht auf der Ebe­ne des Organ­trä­gers in nicht gewerb­li­che Ein­künf­te umqua­li­fi­ziert wird und damit nicht (mehr) gewer­be­steu­er­pflich­tig ist. Hier­für hät­te es einer Son­der­re­ge­lung in § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 KStG 2002 nicht bedurft; denn schon aus der Ein­gangs­pas­sa­ge des § 14 Abs. 1 Satz 1 KStG 2002 ergibt sich, dass der­je­ni­ge, an den der Gewinn abzu­füh­ren ist, stets ein "gewerb­li­ches Unter­neh­men" sein muss. Um die­sem Zweck gerecht wer­den zu kön­nen, reicht es indes, dass der Organ­trä­ger im Zeit­punkt der Gewinn­ab­füh­rung gewerb­lich tätig ist [5]. Und die Gewinn­ab­füh­rung, wel­che sich auf den han­dels­recht­li­chen Jah­res­ge­winn der Organ­ge­sell­schaft bezieht, fin­det sowohl zivil­recht­lich als auch aus steu­er­li­cher Sicht erst zum Ende des jewei­li­gen Geschäfts­jahrs der Organ­ge­sell­schaft statt. Des­halb droht bei einer unter­jäh­ri­gen Auf­nah­me der gewerb­li­chen Tätig­keit des Organ­trä­gers nicht die von der Vor­in­stanz ange­nom­me­ne Gefahr einer Umqua­li­fi­zie­rung des abzu­füh­ren­den Gewinns der Organ­ge­sell­schaft in nicht der Gewer­be­steu­er unter­lie­gen­de Ein­künf­te.

Mit­hin war es für den Tat­be­stand des § 14 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 KStG 2002 aus­rei­chend, dass die Organ­trä­ge­rin ab dem Erwerb des Geschäfts­be­triebs der Organ­ge­sell­schaft gewerb­lich tätig war.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Juli 2013 – I R 40/​12

  1. ent­ge­gen BMF, Schrei­ben vom 10.11.2005, BStBl I 2005, 1038, Rz 21[]
  2. so auch BMF, Schrei­ben vom 10.11.2005, BStBl I 2005, 1038, Tz. 21; Gosch/​Neumann, KStG, 2. Aufl., § 14 Rz 79; Mül­ler in Mössner/​Seeger, Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz, § 14 Rz 133; J. Loh­mar in Lade­mann, Kör­per­schaft­steu­er­ge­setz, § 14 Rz 90; Blumers/​Goerg, DStR 2005, 397, 402; Haa­se, DB 2004, 1580, 1583; Füger, BB 2003, 1755, 1758[]
  3. eben­so Wal­ter in Ernst & Young, KStG, § 14 Rz 235; Frot­scher in Frotscher/​Maas, KStG/​GewStG/​UmwStG, § 14 KStG Rz 135 und 85; Gosch in P. Kirchhof/​K. Schmidt/​W. Schön/​K. Vogel, Steu­er- und Gesell­schafts­recht zwi­schen Unter­neh­mer­frei­heit und Gemein­wohl, Fest­schrift für Arndt Rau­pach, 2006, S. 461, 464; Ster­ner in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 14 KStG Rz 164; Dötsch in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, Die Kör­per­schaft­steu­er, § 14 KStG Rz 71 und 99; Brink in Schnitger/​Fehrenbacher, KStG, § 14 Rz 130; Erle/​Heurung in Erle/​Sauter, KStG, 3. Aufl., § 14 KStG Rz 65[]
  4. Begrün­dung des Frak­ti­ons­ent­wurfs eines Steu­er­ver­güns­ti­gungs­ab­bau­ge­set­zes, BT-Drs. 15/​119, S. 43[]
  5. zutref­fend Frot­scher in Frotscher/​Maas, a.a.O., § 14 KStG Rz 135; Wal­ter in Ernst & Young, a.a.O., § 14 Rz 235[]