Zwangs­wei­se Betriebs­auf­ga­be durch Abschluss eines Erb­bau­rechts­ver­trags

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs führt die Ver­pach­tung eines Gewer­be­be­triebs nicht zwangs­läu­fig zu einer Betriebs­auf­ga­be und damit zur Auf­de­ckung der stil­len Reser­ven.

Zwangs­wei­se Betriebs­auf­ga­be durch Abschluss eines Erb­bau­rechts­ver­trags

Ein Gewer­be­trei­ben­der braucht viel­mehr die in sei­nem Betriebs­ver­mö­gen ent­hal­te­nen stil­len Reser­ven dann nicht auf­zu­de­cken, wenn er zwar selbst sei­ne wer­ben­de Tätig­keit ein­stellt, aber ent­we­der den Betrieb im Gan­zen als geschlos­se­nen Orga­nis­mus oder zumin­dest alle wesent­li­chen Grund­la­gen des Betriebs ver­pach­tet 1 und der Steu­er­pflich­ti­ge gegen­über den Finanz­be­hör­den nicht (klar und ein­deu­tig) die Auf­ga­be des Betriebs erklärt 2.

Wird kei­ne Auf­ga­be­er­klä­rung abge­ge­ben, so geht die Recht­spre­chung davon aus, dass die Absicht besteht, den unter­bro­che­nen Betrieb künf­tig wie­der auf­zu­neh­men, sofern die zurück­be­hal­te­nen Wirt­schafts­gü­ter dies ermög­li­chen. Für die Aner­ken­nung der gewerb­li­chen Betriebs­ver­pach­tung reicht es nach die­sen Grund­sät­zen aus, wenn die wesent­li­chen, dem Betrieb das Geprä­ge geben­den Betriebs­ge­gen­stän­de ver­pach­tet wer­den. Dabei kommt es für die Beant­wor­tung der Fra­ge, was unter den wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen zu ver­ste­hen ist, auf die Ver­hält­nis­se des ver­pach­ten­den, nicht auf die­je­ni­gen des pach­ten­den Unter­neh­mens an.

Eine Betriebs­ver­pach­tung setzt danach u.a. vor­aus, dass der Steu­er­pflich­ti­ge dem Päch­ter einen Betrieb zur Nut­zung über­lässt, den der Päch­ter im Wesent­li­chen fort­set­zen kann. Dem Ver­päch­ter muss objek­tiv die Mög­lich­keit ver­blei­ben, den "vor­über­ge­hend" ein­ge­stell­ten Betrieb als sol­chen wie­der auf­zu­neh­men und fort­zu­füh­ren.

Das in der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs im Fall der Betriebs­ver­pach­tung ein­ge­räum­te Wahl­recht ent­fällt und es kommt zu einer Zwangs­be­triebs­auf­ga­be, wenn anläss­lich oder wäh­rend der Ver­pach­tung die wesent­li­chen Betriebs­grund­la­gen so umge­stal­tet wer­den, dass sie nicht mehr in der bis­he­ri­gen Form genutzt wer­den kön­nen, weil der Ver­päch­ter damit die unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit end­gül­tig ein­stellt 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18. Dezem­ber 2014 – IV R 40/​10

  1. grund­le­gend: BFH, Urteil vom 13.11.1963 – GrS 1/​63 S, BFHE 78, 315, BSt­Bl III 1964, 124[]
  2. vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den BFH, Urteil vom 03.04.2014 – X R 16/​10, BFH/​NV 2014, 1038, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 30.08.2007 – IV R 5/​06, BFHE 218, 569, BSt­Bl II 2008, 113, m.w.N.[]