Kin­der­geld und Anspar­rück­la­ge

Bei der Ermitt­lung der kin­der­geld­schäd­li­chen Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des ist nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs eine vom Kind gebil­de­te Rück­la­ge nach § 7g Abs. 3 EStG 2002 (Anspar­rück­la­ge), die es gemäß § 7g Abs. 6 EStG 2002 bei sei­nen gewerb­li­chen Ein­künf­ten als Betriebs­aus­ga­ben abge­zo­gen hat, nicht ent­spre­chend § 32 Abs. 4 Satz 4 EStG 2002 als Bezug anzu­set­zen.

Kin­der­geld und Anspar­rück­la­ge

Unter wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen hat der Kin­der­geld­be­rech­tig­te Anspruch auf Kin­der­geld, wenn das Kind Ein­künf­te und Bezü­ge, die zur Bestrei­tung des Unter­halts und der Berufs­aus­bil­dung bestimmt und geeig­net sind, von nicht mehr als 7 188 € hat (§ 32 Abs. 4 Satz 2 EStG 2002).

Der Begriff der Ein­künf­te ist in § 2 Abs. 2 EStG 2002 gesetz­lich defi­niert – je nach Ein­kunfts­art als Gewinn oder als Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten. Die­se Begriffs­be­stim­mung gilt nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 11. Janu­ar 2005 2 BvR 167/​02 1 grund­sätz­lich auch für den Begriff der Ein­künf­te in § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG 2002 2. Erzielt das Kind Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb und ermit­telt sei­nen Gewinn durch Ein­nah­men-Über­schuss­rech­nung gemäß § 4 Abs. 3 EStG 2002, ist daher der Über­schuss der Betriebs­ein­nah­men über die Betriebs­aus­ga­ben bei den Ein­künf­ten anzu­set­zen.

Bezü­ge i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG 2002 sind alle Zuflüs­se in Geld oder Natu­ral­leis­tun­gen, die nicht im Rah­men der ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Ein­künf­teer­mitt­lung erfasst wer­den ((z.B. BFH, Urteil vom 29. Mai 2008 – III R 33/​06, BFH/​NV 2008, 1664). Nach § 32 Abs. 4 Satz 4 EStG 2002 gehö­ren zu den Bezü­gen auch der Ver­sor­gungs­frei­be­trag (§ 19 Abs. 2 EStG 2002), der Spa­rer­frei­be­trag (§ 20 Abs. 4 EStG 2002) sowie Son­der­ab­schrei­bun­gen und erhöh­te Abset­zun­gen, soweit sie die höchst­mög­li­chen Abset­zun­gen für Abnut­zung nach § 7 EStG 2002 über­stei­gen.

Nach § 7g Abs. 3 EStG 2002 kön­nen Steu­er­pflich­ti­ge für die künf­ti­ge Anschaf­fung oder Her­stel­lung von bestimm­ten Wirt­schafts­gü­tern eine den Gewinn min­dern­de Rück­la­ge bil­den (Ans­parab­schrei­bung). Ermit­telt der Steu­er­pflich­ti­ge den Gewinn nach § 4 Abs. 3 EStG 2002, ist die Bil­dung der Rück­la­ge nach § 7g Abs. 6 EStG 2002 als Betriebs­aus­ga­be (Abzug) und ihre Auf­lö­sung als Betriebs­ein­nah­me (Zuschlag) zu behan­deln. Damit min­dert die Rück­la­ge die gewerb­li­chen Ein­künf­te des Kin­des mit der Fol­ge, dass im vom BFH ent­schie­de­nen Streit­fall des­sen Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb und aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit den Jah­res­grenz­be­trag nicht über­stei­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Mai 2009 – III R 8/​06

  1. BVerfGE 112, 164, BFH/​NV 2005, Bei­la­ge 3, 260[]
  2. vgl. auch BFH, Urteil vom 26. Sep­tem­ber 2007 – III R 4/​07, BFHE 219, 112, BSt­Bl II 2008, 738[]