Änderung der Steuerrichtlinien für Kapitalanleger

Das Gesetz zur Einführung einer Pflicht zur Mitteilung grenzüberschreitender Steuergestaltungen vom 21. Dezember 20191 ist zum Jahresbeginn am 1. Januar 2020 in kraft getreten.

Änderung der Steuerrichtlinien für Kapitalanleger

Mit diesem Gesetz ist die EU-Richtlinie2 zur Verhinderung der Erosion deutschen Steuersubstrats durch Identifizierung und Verringerung von Steuervermeidungspraktiken und Gewinnverlagerung umgesetzt worden. Die unterschiedlichen Steuerstrukturen und Steuerrechtsverordnungen in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union werden häufig zur Steuervermeidung und -ersparnis ausgenutzt. Neben dem dadurch bedingten Rückgang der Steuereinnahmen widersprechen diese Praktiken nach Mitteilung des Bundesfinanzministeriums der steuerlichen Gerechtigkeit.

Durch die neue Gesetzgebung sollen der Gesetzgeber und die Finanzbehörden frühzeitig Information über mögliche Lücken in den bestehenden Rechtsvorschriften und den hierdurch ermöglichten aber nicht vorgesehenen Steuergestaltungen erhalten. Gegen diese schädlichen Steuerpraktiken soll dann mithilfe der schnellen Informationen vorgegangen werden. So müssen bereits seit dem 1. Juli 2020 Meldungen bezüglich grenzüberschreitender Steuergestaltungen entgegengenommen werden. Außerdem ist der Abschluss eines ersten Informationsaustausches zwischen den Europäischen Staaten bis Ende Oktober 2020 vorgesehen.

Betroffen von dieser neuen gesetzlichen Regelung sind auch viele Anleger. Gerade beim CFD Handel sollte spätestens ab Januar 2021 genauer auf die Besteuerung von Termingeschäften geachtet werden. Denn Börsengewinne sind natürlich steuerpflichtig. So ist in der Bundesrepublik pauschal eine Abgeltungsteuer in Höhe von 25 % vorgesehen, die automatisch von der zuständigen Bank an das Finanzamt überwiesen wird. Allerdings gilt diese Regelung nur für Anleger, die mit einer Bank bzw. einem Broker im Inland zusammenarbeiten. Der Anleger muss selbst tätig werden und seine Gewinne und Verluste in seiner Einkommensteuererklärung angeben, wenn der Broker seinen Sitz im Ausland hat. So unterhält z.B. der CFD Broker Trading 212 eine Niederlassung in Frankfurt a.M., der Hauptsitz der zur Avus Capital Ltd. gehörenden Firma liegt aber in London, wodurch das Unternehmen auch der Überwachung und Regulierung der britischen Finanzaufsichtsbehörde FCA unterliegt. Damit erfolgt keine automatische Steuerabführung an das für den Anleger zuständige Finanzamt. Daraus ergibt sich ein Liquiditätsvorteil des Anlegers, weil er für einen gewissen Zeitraum (bis zur Einkommensteuererklärung) über den gesamten Anlagegewinn – ohne sofortigen Abzug der Abgeltungsteuer – verfügen kann.

Genauso wie die Gewinne können die Verluste im CFD Handel bei der Einkommensteuererklärung angegeben werden. Bis jetzt war eine Verrechnung der Verluste mit jeder anderen Art von Kapitalerträgen (Zinsen, Dividenden usw.) möglich. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Einführung einer Pflicht zur Mitteilung grenzüberschreitender Steuergestaltungen ist durch Artikel 5 auch das Einkommensteuergesetz3) geändert worden, indem nach § 20 Abs.6 Satz 4 EStG noch Sätze hinzugefügt wurden:

„Verluste aus Kapitalvermögen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 dürfen nur in Höhe von 10 000 Euro mit Gewinnen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 und mit Einkünften im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 11 ausgeglichen werden…“

Bereits seit Beginn des Jahres 2020 ist die Verrechnung von Verlusten aus CFD Handelsgeschäften einer Einschränkung unterworfen: Lediglich bis zu einer Höhe von 10.000,00 € können Verlustgeschäfte mit Gewinnen aus Kapitalgeschäften verrechnet werden.

Diese Anrechnung wird mit Beginn des Jahres 2021 einer weiteren Begrenzung unterworfen. Ab dem 1. Januar 2021 wird es nur noch möglich sein, erlittene Verluste im Rahmen des CFD Handels nur noch mit Gewinnen aus eben diesen Produkten zu verrechnen. Diese Regelung ist neu in das EStG aufgenommen worden. Dadurch wird es u.a. schwieriger, durch konservative Kapitalanlagen und deren Gewinne die möglichen Verluste aus risikoreicheren Handelstätigkeit z.B. mit CFD abzusichern. Wie die genaue Praxisumsetzung der neuen Gesetzgebung erfolgt, wird die Zukunft zeigen.

  1. BGBl Teil I 2019 Nr.52, S. 2875[]
  2. Richtlinie (EU) 2018/822 vom 25. Mai 2018 „zur Änderung der Richtlinie 2011/16/EU bezüglich des verpflichtenden automatischen Informationsaustauschs im Bereich der Besteuerung über meldepflichtige grenzüberschreitende Gestaltungen“[]
  3. in der Fassung vom 8. 10.2009 (BGBl. I S. 3366,3862), zuletzt geändert durch Artikel 2 des Gesetzes vom 14.12.2019 (BGBl. I S. 2763[]
  4. i.d.F. des BeitrRLUmsG[]

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