Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten bei unent­gelt­li­chem Erwerb

Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten sind auch bei einem unent­gelt­li­chen Erwerb abzugs­fä­hig sind.

Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten bei unent­gelt­li­chem Erwerb

In einem jetzt vom Finanz­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Streit­fall war die Klä­ge­rin Mit­glied einer Erben­ge­mein­schaft. Im Rah­men der Aus­ein­an­der­set­zung der Erben­ge­mein­schaft hat­te sie ver­schie­de­ne bebau­te Grund­stü­cke erhal­ten. Aus deren Ver­mie­tung erziel­te sie – wie schon die Erben­ge­mein­schaft zuvor – Ein­künf­te. Die ihr durch die Erbaus­ein­an­der­set­zung ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen (z.B. für Grund­buch­ein­tra­gun­gen) mach­te die Klä­ge­rin im Zusam­men­hang mit den Ver­mie­tungs­ein­künf­ten als Wer­bungs­kos­ten steu­er­lich gel­tend. Das Finanz­amt lehn­te den Abzug jedoch ab, da die Klä­ge­rin die Grund­stü­cke unent­gelt­lich erwor­ben habe. Sie habe daher kei­ne Anschaf­fungs­kos­ten getra­gen und auch die ent­stan­de­nen Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten sei­en folg­lich nicht zu berück­sich­ti­gen.

Dem wider­sprach das Finanz­ge­richt Müns­ter: Es gab der Klä­ge­rin Recht und stell­te klar, dass die Erwerbs­ne­ben­kos­ten bei einem unent­gelt­li­chen Anschaf­fungs­vor­gang zwar nicht sofort in vol­lem Umfang, wohl aber ver­teilt über meh­re­re Jah­re im Wege der Abschrei­bung steu­er­lich abzugs­fä­hig sei­en. Bei den Auf­wen­dun­gen han­de­le es sich dem Grun­de nach um Wer­bungs­kos­ten im Sin­ne des § 9 EStG, da sie zur Erzie­lung von Ein­künf­ten getä­tigt wor­den sei­en. Sol­che Auf­wen­dun­gen vom steu­er­li­chen Abzug aus­zu­schlie­ßen, ver­sto­ße gegen das objek­ti­ve Net­to­prin­zip. Auch kön­ne es nicht sein, dass Anschaf­fungs­ne­ben­kos­ten bei einem unent­gelt­li­chen Erwerb über­haupt nicht abzugs­fä­hig sei­en, wäh­rend sie bei einem teil­ent­gelt­li­chen Erwerb unstrei­tig selbst dann in vol­lem Umfang im Rah­men der Abschrei­bung zu berück­sich­ti­gen sei­en, wenn nur ein ganz gerin­ges Ent­gelt gezahlt wer­de.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 25. Okto­ber 2011 – 13 K 1907/​10 E