Anwach­sung von Gesell­schafts­an­tei­len an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft

Schei­det ein Gesell­schaf­ter aus einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft gegen Zah­lung einer Abfin­dung aus und wächst sein Anteil den ver­blei­ben­den Gesell­schaf­tern nach § 738 Abs. 1 BGB an, wird die­ser Anwach­sungs­er­werb durch die ver­blei­ben­den Gesell­schaf­ter jeweils ein­zeln und nicht in der Ein­heit der Gesell­schaft ver­wirk­licht.

Anwach­sung von Gesell­schafts­an­tei­len an einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft

So auch in dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall: Durch das Aus­schei­den des Gesell­schaf­ters B aus der ver­mö­gens­ver­wal­ten­den GbR gegen Zah­lung einer Abfin­dung ist sein Anteil den ver­blei­ben­den Gesell­schaf­tern C, D, F und G ange­wach­sen. Jen­seits der Fra­ge, ob es sich hier­bei für die ver­blei­ben­den Gesell­schaf­ter C, D, F und G um ein "Anschaf­fungs­ge­schäft" i.S. des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG i.V.m. § 23 Abs. 1 Satz 4 EStG gehan­delt hat, haben die­se den ‑durch die (gesetz­li­che) Rechts­fol­ge des § 738 Abs. 1 Satz 1 BGB aus­ge­lös­ten- Anwach­sungs­er­werb jeweils ein­zeln und nicht in der Ein­heit der Gesell­schaft ver­wirk­licht. Denn die­ser Erwerb wur­de nicht durch die das Per­so­nen­ge­sell­schafts­ver­hält­nis bestim­men­de gesamt­hän­de­ri­sche Bin­dung (§ 719 Abs. 1 BGB) geprägt, son­dern beruh­te auf einer gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lung, mit der die Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter für den Fall des Aus­schei­dens eines Gesell­schaf­ters vor­ab eine indi­vi­du­el­le, d.h. per­so­nen­be­zo­ge­ne künf­ti­ge Zuord­nung des Anteils des Aus­ge­schie­de­nen ver­ein­bart hat­ten.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Anwach­sung in abga­ben­recht­li­cher Hin­sicht ein gesell­schaf­ter­be­zo­ge­ner, kein gesell­schafts­be­zo­ge­ner Vor­gang; denn der Anwach­sungs­er­werb ist ein Fall des Anteils­er­werbs. Die­ser recht­li­che Befund wird auch nicht durch den Umstand infra­ge gestellt, dass die gesell­schafts­ver­trag­li­che Rege­lung von allen Gesell­schaf­tern getra­gen und in der­sel­ben Urkun­de ver­ein­bart wur­de und der Anwach­sungs­er­werb für alle ver­blie­be­nen Gesell­schaf­ter sodann zum glei­chen Zeit­punkt statt­ge­fun­den hat [1].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Novem­ber 2019 – IX R 24/​18

  1. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2016, 529[]