Auf­he­bung rechts­kräf­ti­ger Kin­der­geld­be­schei­de

Eine bestands­kräf­ti­ge Auf­he­bung der Kin­der­geld­fest­set­zung im lau­fen­den Kalen­der­jahr wegen der vor­aus­sicht­lich den Jah­res­grenz­be­trag über­stei­gen­den Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des (Pro­gno­se­ent­schei­dung) kann nicht allein auf­grund geän­der­ter Rechts­auf­fas­sung nach § 70 Abs. 4 EStG auf­ge­ho­ben wer­den. Lagen bei der Pro­gno­se­ent­schei­dung die Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des nur des­halb über dem Jah­res­grenz­be­trag, weil die Fami­li­en­kas­se ent­ge­gen der spä­ter ergan­ge­nen Recht­spre­chung des BVerfG die Arbeit­neh­mer­bei­trä­ge des Kin­des zur gesetz­li­chen Sozi­al­ver­si­che­rung als Ein­künf­te ange­setzt hat, kommt daher eine Auf­he­bung nach Ablauf des Kalen­der­jah­res nicht in Betracht.

Auf­he­bung rechts­kräf­ti­ger Kin­der­geld­be­schei­de

Hät­ten dage­gen bei der Pro­gno­se­ent­schei­dung die pro­gnos­ti­zier­ten Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des den Jah­res­grenz­be­trag auch nach Abzug der gesetz­li­chen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge über­schrit­ten, ist der Anwen­dungs­be­reich des § 70 Abs. 4 EStG wie­der eröff­net, wenn sich die tat­säch­li­chen Ein­künf­te und Bezü­ge gegen­über den pro­gnos­ti­zier­ten Beträ­gen geän­dert haben.

In die­sem Fall hat die Fami­li­en­kas­se bei der Prü­fung nach Ablauf des Kalen­der­jah­res, ob die tat­säch­li­chen Ein­künf­te und Bezü­ge des Kin­des gegen­über der Pro­gno­se­ent­schei­dung in ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Wei­se abwei­chen, die geän­der­te Rechts­auf­fas­sung zur Berück­sich­ti­gung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge zu beach­ten und die als Pro­gno­se­ent­schei­dung ergan­ge­ne bestands­kräf­ti­ge Auf­he­bung der Kin­der­geld­fest­set­zung nach § 70 Abs. 4 EStG auf­zu­he­ben, wenn die tat­säch­li­chen Ein­künf­te und Bezü­ge abzüg­lich der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge den Jah­res­grenz­be­trag nicht über­schrei­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Mai 2007 – III R 103/​06