Auf­wen­dun­gen für das Sta­tus­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Auf­wen­dun­gen im Zusam­men­hang mit dem Sta­tus­fest­stel­lungs­ver­fah­ren nach § 7a SGB IV – zur Klä­rung der Fra­ge, ob ein sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ges Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis vor­liegt – sind durch das Arbeits­ver­hält­nis ver­an­lasst und des­halb als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit zu berück­sich­ti­gen.

Auf­wen­dun­gen für das Sta­tus­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

Wer­bungs­kos­ten sind Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG). Sie lie­gen nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs vor, wenn zwi­schen den Auf­wen­dun­gen und den Ein­nah­men ein objek­ti­ver Zusam­men­hang besteht. Dabei muss die Fra­ge, ob der Steu­er­pflich­ti­ge Auf­wen­dun­gen aus beruf­li­chem Anlass erbringt oder ob es sich um Auf­wen­dun­gen für die Lebens­füh­rung im Sin­ne von § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG han­delt, anhand einer Wür­di­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls ent­schie­den wer­den 1. Die soge­nann­te Bedin­gungs­leh­re begrün­det als logisch natur­wis­sen­schaft­li­ches Prin­zip aller­dings noch kei­nen Zurech­nungs­zu­sam­men­hang. Sie allein ist des­halb zur Abgren­zung von beruf­li­cher und pri­va­ter Sphä­re unge­eig­net 2. Ein ledig­lich abs­trak­ter Kau­sal­zu­sam­men­hang (Ursa­che-Fol­ge­ver­hält­nis im Sin­ne einer con­di­tio sine qua non) recht­fer­tigt allein die ein­kom­men­steu­er­li­che Zuord­nung von Auf­wen­dun­gen zur Erwerbs­sphä­re noch nicht. Denn nach dem Ein­kom­men­steu­er­ge­setz sind Auf­wen­dun­gen viel­mehr nur dann als durch eine Ein­kunfts­art ver­an­lasst anzu­se­hen, wenn sie hier­zu in einem steu­er­recht­lich anzu­er­ken­nen­den wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen. Maß­ge­bend dafür, ob ein sol­cher Zusam­men­hang besteht, ist zum einen die wer­ten­de Beur­tei­lung des die betref­fen­den Auf­wen­dun­gen aus­lö­sen­den Moments und zum ande­ren die Zuwei­sung die­ses maß­ge­ben­den Besteue­rungs­grun­des zur ein­kom­men­steu­er­recht­lich rele­van­ten Erwerbs­sphä­re 3. Ob sich der strei­ti­ge Auf­wand kon­kret auf die Höhe des Arbeits­lohns aus­wirkt, ist dabei ohne Belang 4.

Auch Kos­ten der Rechts­ver­fol­gung (Beratungs‑, Ver­tre­tungs- und Pro­zess­kos­ten) kön­nen danach Wer­bungs­kos­ten sein, wenn der Gegen­stand des Pro­zes­ses mit der Ein­kunfts­art zusam­men­hängt, in deren Rah­men die Auf­wen­dun­gen gel­tend gemacht wer­den. Der Zusam­men­hang mit der Ein­kunfts­art ist nach objek­ti­ven Gesichts­punk­ten, nicht nach den Vor­stel­lun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen, zu ent­schei­den. Mit der Ein­kunfts­art der nicht­selb­stän­di­gen Arbeit hän­gen die das Arbeits­ver­hält­nis betref­fen­den bür­ger­lich-recht­li­chen oder arbeits­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten zusam­men 5.

Aber auch die mit einer Beschäf­ti­gung (§ 7 SGB IV) ein­her­ge­hen­den öffent­lich-recht­li­chen Strei­tig­kei­ten wei­sen den erfor­der­li­chen Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang mit den Ein­künf­ten aus § 19 EStG auf. Denn die Beschäf­ti­gung ist gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 SGB IV regel­mä­ßig Aus­fluss eines Arbeits­ver­hält­nis­ses 6. Des­halb zäh­len ins­be­son­de­re Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen im Zusam­men­hang mit dem Anfra­ge­ver­fah­ren nach § 7a SGB IV (sog. Sta­tus­fest­stel­lungs­ver­fah­ren), das die Fest­stel­lung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht einer Beschäf­ti­gung zum Gegen­stand hat 7, zu den Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit.

Der Umstand, dass das Steu­er­recht den gesetz­lich ver­wen­dungs­ge­bun­de­nen Teil des Arbeits­ein­kom­mens, den Arbeit­neh­mer­an­teil am Gesamt­so­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag, als Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen durch einen beschränk­ten Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 und 3 EStG ent­las­tet, lässt die­sen Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang nicht ent­fal­len. Ins­be­son­de­re wird der Bera­tungs­auf­wand dadurch nicht zu einer Ange­le­gen­heit des Son­der­aus­ga­ben­ab­zugs. Ob der Steu­er­pflich­ti­ge sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäf­tigt ist, betrifft das Arbeits­ver­hält­nis als sol­ches und damit die Ebe­ne der Ein­kom­mens­er­zie­lung, ins­be­son­de­re die Höhe des vom Arbeit­ge­ber an den Arbeit­neh­mer aus­zu­zah­len­den Gehalts.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Mai 2010 – VI R 25/​09

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. bei­spiels­wei­se BFH, Urtei­le vom 01.02.2007 – VI R 25/​03, BFHE 216, 522, BSt­Bl II 2007, 459; vom 11.01.2007 – VI R 52/​03, BFHE 216, 320, BSt­Bl II 2007, 317; vom 24.05.2007 – VI R 78/​04, BFHE 218, 177, BSt­Bl II 2007, 721; vom 06.03.2008 – VI R 68/​06, BFH/​NV 2008, 1316; und vom 22.07.2008 – VI R 2/​07, BFH/​NV 2008, 1837[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 10.01.2008 – VI R 17/​07, BFHE 219, 358, BSt­Bl II 2008, 234[]
  3. BFH, Urteil vom 17.09.2009 – VI R 24/​08, BFHE 226, 321, BSt­Bl II 2010, 198[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 216, 320, BSt­Bl II 2007, 317[]
  5. BFH, Urteil vom 06.12.1983 – VIII R 102/​79, BFHE 140, 219, BSt­Bl II 1984, 314[]
  6. BAG, Beschluss vom 19.08.2008 – 5 AZB 75/​08, Urteils­samm­lung für die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung –USK– 2008, 50[]
  7. BSG, Urtei­le vom 11.03.2009 – B 12 R 11/​07 R, BSGE 103, 17; und vom 04.06.2009 – B 12 R 6/​08 R, USK 2009, 72[]