Auf­wen­dun­gen für einen Schulhund

Auf­wen­dun­gen für einen sog. Schul­hund kön­nen bis zu 50 % als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten einer Leh­re­rin aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit abge­zo­gen wer­den. Ein hälf­ti­ger Wer­bungs­kos­ten­ab­zug ist nicht zu bean­stan­den, wenn der Hund inner­halb einer regel­mä­ßig fünf­tä­gi­gen Unter­richts­wo­che arbeits­täg­lich in der Schu­le ein­ge­setzt wird. Die Auf­wen­dun­gen für die Aus­bil­dung eines Schul­hun­des zum The­ra­pie­hund sind regel­mä­ßig in vol­ler Höhe beruf­lich ver­an­lasst und damit als Wer­bungs­kos­ten abziehbar. 

Auf­wen­dun­gen für einen Schulhund

Wer­bungs­kos­ten sind alle Auf­wen­dun­gen, die durch den Beruf des Steu­er­pflich­ti­gen ver­an­lasst sind1. Eine sol­che Ver­an­las­sung liegt vor, wenn ein objek­ti­ver Zusam­men­hang mit dem Beruf besteht und wenn die Auf­wen­dun­gen sub­jek­tiv zur För­de­rung des Berufs getä­tigt wer­den2.

Ergibt die Prü­fung, dass Auf­wen­dun­gen nicht oder in nur unbe­deu­ten­dem Maße auf pri­va­ten, der Lebens­füh­rung des Steu­er­pflich­ti­gen zuzu­rech­nen­den Umstän­den beru­hen, so sind sie grund­sätz­lich als Wer­bungs­kos­ten abzu­zie­hen. Beru­hen die Auf­wen­dun­gen hin­ge­gen nicht oder in nur unbe­deu­ten­dem Maße auf beruf­li­chen Umstän­den, so sind sie nicht abzieh­bar3.

Ist der erwerbs­be­zo­ge­ne Anteil nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung, kann eine Auf­tei­lung und ein Abzug des beruf­lich ver­an­lass­ten Teils der Auf­wen­dun­gen in Betracht kom­men, sofern der den Beruf för­dern­de Teil der Auf­wen­dun­gen sich nach objek­ti­ven Maß­stä­ben zutref­fend und in leicht nach­prüf­ba­rer Wei­se abgren­zen lässt4. Bestehen kei­ne Zwei­fel dar­an, dass ein abgrenz­ba­rer Teil der Auf­wen­dun­gen beruf­lich ver­an­lasst ist, berei­tet sei­ne Quan­ti­fi­zie­rung aber Schwie­rig­kei­ten, so ist die­ser Anteil unter Berück­sich­ti­gung aller maß­geb­li­chen Umstän­de zu schät­zen (§ 162 der Abga­ben­ord­nung, § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO)5.

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Zu den Wer­bungs­kos­ten gehö­ren auch Auf­wen­dun­gen für Arbeits­mit­tel (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG). Arbeits­mit­tel sind alle Wirt­schafts­gü­ter, die aus­schließ­lich oder doch nahe­zu aus­schließ­lich und unmit­tel­bar zur Erle­di­gung der dienst­li­chen Auf­ga­ben die­nen6.

Bei Gegen­stän­den, die auch im Rah­men der all­ge­mei­nen Lebens­füh­rung (§ 12 Nr. 1 Satz 2 EStG) genutzt wer­den kön­nen, ist für die Ein­ord­nung als Arbeits­mit­tel der tat­säch­li­che Ver­wen­dungs­zweck im Ein­zel­fall ent­schei­dend7. Die Güter müs­sen aus­schließ­lich oder zumin­dest weit­aus über­wie­gend beruf­lich zur Ein­nah­me­er­zie­lung genutzt wer­den. Eine gering­fü­gi­ge pri­va­te Mit­nut­zung ist unschäd­lich8. Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen gege­ben sind, ist unter Wür­di­gung aller Umstän­de nach der tat­säch­li­chen Zweck­be­stim­mung, d.h. nach der Funk­ti­on des Wirt­schafts­guts im Ein­zel­fall, fest­zu­stel­len9.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für die Nut­zung von Tie­ren (vgl. § 90a BGB)10. Dient ein Hund neben beruf­li­chen in nicht uner­heb­li­chem Umfang auch pri­va­ten Zwe­cken, han­delt es sich nicht um ein Arbeits­mit­tel. Dies gilt auch, falls der Anlass für die Anschaf­fung im beruf­li­chen Bereich gele­gen haben soll­te und er nicht ange­schafft wor­den wäre, wenn nur eine pri­va­te Nut­zung beab­sich­tigt gewe­sen wäre. Liegt kei­ne aus­schließ­li­che oder weit­aus über­wie­gen­de beruf­li­che Nut­zung vor, ist auch unbe­acht­lich, ob die beruf­li­che Nut­zung beson­ders erfolg­reich ist11.

Nach die­sen Maß­stä­ben hielt im vor­lie­gen­den Fall die Vor­ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Müns­ter12 einer revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung durch den Bun­des­fi­nanz­hof stand:

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Aus­ge­hend von den ange­führ­ten Rechts­grund­sät­zen ist die Wür­di­gung des Finanz­ge­richts, wonach ein Drit­tel der Auf­wen­dun­gen für den Hund, bestehend aus einer zeit­an­tei­li­gen Abset­zung der Anschaf­fungs­kos­ten, Fut­ter, Pfle­ge, Tier­hal­ter­haft­pflicht­ver­si­che­rung, Tier­arzt und Besuch der Hun­de­schu­le, beruf­lich ver­an­lasst sei, revi­si­ons­recht­lich nicht zu beanstanden.

Bei der Hün­din C han­delt es sich um ein Haus­tier, das in den Streit­jah­ren mit im Haus­halt der Leh­re­rin leb­te und ‑wie das Finanz­ge­richt bin­dend (§ 118 Abs. 2 FGO) fest­ge­stellt hat- nicht nahe­zu aus­schließ­lich beruf­lich, son­dern in nicht uner­heb­li­chem Umfang auch pri­vat Ver­wen­dung fand. Ent­spre­chend hat das Finanz­ge­richt die Hün­din C zu Recht nicht als Arbeits­mit­tel der Leh­re­rin i.S. des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG angesehen.

Nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz nutz­te die Leh­re­rin den Hund aber auch beruf­lich, indem sie ihn an ihren Unter­richts­ta­gen, mit­hin nahe­zu arbeits­täg­lich, im Rah­men des Schul­hund­kon­zepts in der Schu­le ein­setz­te. Ange­sichts des Umfangs von regel­mä­ßig fünf Arbeits­ta­gen pro Woche war die beruf­li­che Nut­zung des Hun­des nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung. Da die beruf­li­che Ver­wen­dung des Hun­des in der Regel anhand der Unter­richts­ta­ge bemes­sen wer­den kann und damit nach objek­ti­ven Maß­stä­ben in nach­prüf­ba­rer Wei­se abgrenz­bar ist, waren die Auf­wen­dun­gen für die Hal­tung des Hun­des auf­zu­tei­len. Die durch das Finanz­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Schät­zung des beruf­li­chen Anteils der ange­fal­le­nen Auf­wen­dun­gen mit einem Drit­tel ist nach den Gege­ben­hei­ten des Streit­falls revi­si­ons­recht­lich kei­nes­falls zu bean­stan­den. Viel­mehr erscheint es nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs ver­tret­bar, bei einer erheb­li­chen beruf­li­chen Nut­zung eines Schul­hun­des bis zu 50 % der Auf­wen­dun­gen für das Tier zum Wer­bungs­kos­ten­ab­zug zuzu­las­sen. Aus Ver­ein­fa­chungs­grün­den ist ein hälf­ti­ger Wer­bungs­kos­ten­ab­zug jeden­falls nicht zu bean­stan­den, wenn der Hund inner­halb einer regel­mä­ßig fünf­tä­gi­gen Unter­richts­wo­che arbeits­täg­lich in der Schu­le ein­ge­setzt wird.

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Eben­so hält die Wür­di­gung des Finanz­ge­richts, die Auf­wen­dun­gen der Leh­re­rin für die Aus­bil­dung der Hün­din C zum The­ra­pie­hund sei­en aus­schließ­lich beruf­lich ver­an­lasst, einer revi­si­ons­recht­li­chen Über­prü­fung stand. Der Vor­in­stanz ist dar­in zuzu­stim­men, dass eine pri­va­te Ver­an­las­sung inso­weit nicht ersicht­lich ist. Anders als der Besuch einer all­ge­mei­nen Hun­de­schu­le, dien­te die The­ra­pie­hun­de­aus­bil­dung nach den den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts (§ 118 Abs. 2 FGO) dem Erler­nen spe­zi­el­ler Fähig­kei­ten, um die Hün­din C im Rah­men des Kon­zepts des tier­ge­stütz­ten Unter­richts einzusetzen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Janu­ar 2021 – VI R 15/​19

  1. z.B. BFH, Urteil vom 23.03.2001 – VI R 175/​99, BFHE 195, 225, BStBl II 2001, 585[]
  2. BFH, Urtei­le vom 17.12.2002 – VI R 137/​01, BFHE 201, 211, BStBl II 2003, 407; und vom 19.01.2017 – VI R 37/​15, BFHE 257, 58, BStBl II 2017, 526, Rz 12, m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 21.09.2009 – GrS 1/​06, BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672[]
  4. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672; BFH, Beschluss vom 24.09.2013 – VI R 35/​11; BFH, Urtei­le vom 08.07.2015 – VI R 46/​14, BFHE 250, 392, BStBl II 2015, 1013; und vom 16.01.2019 – VI R 24/​16, BFHE 263, 449, BStBl II 2019, 376[]
  5. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 227, 1, BStBl II 2010, 672[]
  6. BFH, Urtei­le vom 23.10.1992 – VI R 31/​92, BFHE 169, 350, BStBl II 1993, 193; und vom 08.11.1996 – VI R 22/​96, BFH/​NV 1997, 341; BFH, Beschluss vom 30.06.2010 – VI R 45/​09, BFHE 230, 348, BStBl II 2011, 45[]
  7. BFH, Urtei­le vom 19.02.2004 – VI R 135/​01, BFHE 205, 220, BStBl II 2004, 958; vom 20.07.2005 – VI R 50/​03, BFH/​NV 2005, 2185; und vom 20.05.2010 – VI R 53/​09, BFHE 230, 317, BStBl II 2011, 723[]
  8. BFH, Urteil vom 21.10.1988 – VI R 18/​86, BFHE 155, 310, BStBl II 1989, 356[]
  9. BFH, Ent­schei­dun­gen in BFHE 155, 310, BStBl II 1989, 356, und in BFHE 230, 348, BStBl II 2011, 45[]
  10. BFH, Urteil vom 10.09.1990 – VI R 101/​86, BFH/​NV 1991, 234; BFH, Beschluss in BFHE 230, 348, BStBl II 2011, 45[]
  11. BFH, Urteil in BFH/​NV 1991, 234; s.a. BFH, Urteil vom 29.01.1960 – VI 9/​59 U, BFHE 70, 435, BStBl III 1960, 163[]
  12. FG Müns­ter, Urteil vom 14.03.2019 – 10 K 2852/​18 E[]