Auf­wen­dun­gen für gemischt ver­an­lass­te Rei­sen

Der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat sei­ne Recht­spre­chung zur Beur­tei­lung gemischt ver­an­lass­ter (also sowohl beruf­lich wie pri­vat ver­an­lass­ter) Auf­wen­dun­gen geän­dert und des­halb Auf­wen­dun­gen für gemischt ver­an­lass­te Rei­sen in grö­ße­rem Umfang als bis­her zum Abzug als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten zuge­las­sen.

Auf­wen­dun­gen für gemischt ver­an­lass­te Rei­sen

Auf­wen­dun­gen für die Hin- und Rück­rei­se bei gemischt beruf­lich (betrieb­lich) und pri­vat ver­an­lass­ten Rei­sen kön­nen grund­sätz­lich in abzieh­ba­re Wer­bungs­kos­ten oder Betriebs­aus­ga­ben und nicht abzieh­ba­re Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung nach Maß­ga­be der beruf­lich und pri­vat ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le der Rei­se auf­ge­teilt wer­den, wenn die beruf­lich ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le fest­ste­hen und nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind.

Das unter­schied­li­che Gewicht der ver­schie­de­nen Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge kann es jedoch im Ein­zel­fall erfor­dern, einen ande­ren Auf­tei­lungs­maß­stab her­an­zu­zie­hen oder ganz von einer Auf­tei­lung abzu­se­hen.

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger, der im Bereich der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie beschäf­tigt und anschlie­ßend als "EDV-Con­trol­ler" tätig war, eine Com­pu­ter-Mes­se in Las Vegas besucht. Sowohl das Finanz­amt wie auch das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Finanz­ge­richt Köln waren der Auf­fas­sung, von den sie­ben Tagen des USA-Auf­ent­halts sei­en nur vier Tage einem ein­deu­ti­gen beruf­li­chen Anlass zuzu­ord­nen. Des­halb sei­en nur die Kon­gress­ge­büh­ren, Kos­ten für vier Über­nach­tun­gen und Ver­pfle­gungs­mehr­auf­wen­dun­gen für fünf Tage zu berück­sich­ti­gen. Das Finanz­ge­richt Köln erkann­te dar­über hin­aus auch die Kos­ten des Hin- und Rück­flugs zu 4/​7 als Wer­bungs­kos­ten an 1. Dage­gen wand­te sich das Finanz­amt mit der Revi­si­on und mach­te gel­tend, die Auf­tei­lung der Flug­kos­ten wei­che von der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ab.

Der für die­se Revi­si­on zustän­di­ge VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs 2 rief den Gro­ßen Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs an mit dem Ziel, das ange­foch­te­ne Urteil des Finanz­ge­richts Köln hin­sicht­lich der Auf­tei­lung der Flug­kos­ten zu bestä­ti­gen.

Der Gro­ße Senat ist der Auf­fas­sung des vor­le­gen­den Senats gefolgt: Auf­wen­dun­gen für die Hin- und Rück­rei­se bei gemischt beruf­lich (betrieb­lich) und pri­vat ver­an­lass­ten Rei­sen kön­nen grund­sätz­lich in abzieh­ba­re Wer­bungs­kos­ten oder Betriebs­aus­ga­ben und nicht abzieh­ba­re Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung nach Maß­ga­be der beruf­lich und pri­vat ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le der Rei­se auf­ge­teilt wer­den, wenn die beruf­lich ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le fest ste­hen und nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind. Das unter­schied­li­che Gewicht der ver­schie­de­nen Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge kann es jedoch im Ein­zel­fall erfor­dern, einen ande­ren Auf­tei­lungs­maß­stab her­an­zu­zie­hen oder ganz von einer Auf­tei­lung abzu­se­hen.

Ein Abzug der Auf­wen­dun­gen kommt nach der Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats nur dann ins­ge­samt nicht in Betracht, wenn die – für sich gese­hen jeweils nicht unbe­deu­ten­den – beruf­li­chen und pri­va­ten Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge (z. B. bei einer beruflich/​privaten Dop­pel­mo­ti­va­ti­on für eine Rei­se) so inein­an­der­grei­fen, dass eine Tren­nung nicht mög­lich ist, wenn es also an objek­ti­vier­ba­ren Kri­te­ri­en für eine Auf­tei­lung fehlt.

Damit hat der Gro­ße Senat die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung auf­ge­ge­ben, die der Vor­schrift des § 12 Nr. 1 Satz 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ein all­ge­mei­nes Auf­tei­lungs- und Abzugs­ver­bot für gemischt ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen ent­nom­men hat­te. Ein sol­ches Auf­tei­lungs- und Abzugs­ver­bot, das die Recht­spre­chung in der Ver­gan­gen­heit ohne­hin in zahl­rei­chen Fäl­len durch­bro­chen hat­te, lässt sich nach Auf­fas­sung des Gro­ßen Senats dem Gesetz nicht ent­neh­men. Dies kann Aus­wir­kun­gen auch auf die Beur­tei­lung ande­rer gemischt ver­an­lass­ter Auf­wen­dun­gen haben.

Von der Ände­rung der Recht­spre­chung sind aller­dings sol­che unver­zicht­ba­ren Auf­wen­dun­gen für die Lebens­füh­rung nicht betrof­fen, die durch die Vor­schrif­ten zur Berück­sich­ti­gung des steu­er­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mums pau­schal abge­gol­ten oder als Son­der­aus­ga­ben oder außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen abzieh­bar sind (z. B. Auf­wen­dun­gen für bür­ger­li­che Klei­dung oder für eine Bril­le).

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2009 – GrS 1/​06

  1. FG Köln, Urteil vom 21. Juni 2001 – 10 K 6288/​96, EFG 2001, 1186[]
  2. VI R 94/​01[]
  3. BGH, Urteil vom 13.07.2017 – 1 StR 536/​16[]