Aus­lands­schul­geld

Beson­ders hohes Schul­geld für den Besuch einer Aus­lands­schu­le kann nach Ansicht des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz nicht bei den Son­der­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den. Mit einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil hat das FG Rhein­land-Pfalz zu der Fra­ge Stel­lung genom­men, ob bzw. unter wel­chen Umstän­den Auf­wen­dun­gen für den Besuch einer Pri­vat­schu­le in der Schweiz bei den Son­der­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den kön­nen.

Aus­lands­schul­geld

Im Streit­fall hat­te die Toch­ter des Klä­gers ein Schwei­zer Lyce­um, das zur Abhal­tung der deut­schen Rei­fe­prü­fung ermäch­tigt ist, besucht. Das monat­li­che Schul­geld belief sich auf umge­rech­net 1.247,39 ?. Die Gesamt­kos­ten (Inter­nats­be­treu­ung, Unter­kunft, Ver­pfle­gung, Kur­se und Pri­vat­stun­den) belie­fen sich auf umge­rech­net 37.217,52 ?.

In sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2003 mach­te der Klä­ger die Schul­geld­zah­lun­gen bei den Son­der­aus­ga­ben gel­tend.

Das Finanz­amt lehn­te das Begeh­ren des Klä­gers mit der Begrün­dung ab, das Schul­geld sei des­we­gen nicht bei den Son­der­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen, weil es nicht für den Besuch einer Ersatz- bzw. all­ge­mein bil­den­den Ergän­zungs­schu­le (§ 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG) gezahlt wor­den sei.

Die dage­gen vor dem FG Rhein­land-Pfalz ange­streng­te Kla­ge, mit der u. a. vor­ge­tra­gen wor­den war, es sei frag­lich, ob das deut­sche Recht gegen EU-Gemein­schafts­recht ver­sto­ße, bzw. ob der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des GG ver­letzt sei, hat­te kei­nen Erfolg.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u. a. aus, eine Vor­ab­ent­schei­dung des EuGH sei nicht abzu­war­ten. Abge­se­hen davon, dass die Schweiz nicht Mit­glied der Euro­päi­schen Uni­on sei, könn­ten die gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen auch für den Besuch einer ver­gleich­ba­ren inlän­di­schen Schu­le nicht als Son­der­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den.

Schul­gel­der, die für den Besuch von Pri­vat­schu­len gezahlt wür­den, sei­en nur unter den gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen (§ 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG) abzieh­bar; die jewei­li­ge Pri­vat­schu­le müs­se je nach Schul­typ staat­lich geneh­migt, aner­kannt oder erlaubt wor­den sein. Die­se Ein­schrän­kung sei ver­fas­sungs­ge­mäß. Die Geneh­mi­gung für den Betrieb einer (pri­va­ten) Ersatz­schu­le sei u. a. zu ver­sa­gen, wenn eine Son­de­rung der Schü­ler nach den Besitz­ver­hält­nis­sen der Eltern geför­dert wür­de. Im Grund­satz müss­ten alle Schü­ler ohne Rück­sicht auf ihre wirt­schaft­li­che Lage die Pri­vat­schu­le besu­chen kön­nen. Nach Maß­ga­be die­ser Grund­sät­ze sei das Lyce­um im Streit­jahr kei­ne all­ge­mein zugäng­li­che Schu­le gewe­sen. Selbst wenn sich das Schul­geld auch bei einer ver­gleich­ba­ren inlän­di­schen Pri­vat­schu­le durch Zuschüs­se der ein­zel­nen Bun­des­län­der ver­rin­gern wür­de, sei das von dem Klä­ger für die Toch­ter auf­ge­wen­de­te Schul­geld in Höhe von 14.968,65 ? viel zu hoch, um eine Son­de­rung nach Besitz­ver­hält­nis­sen aus­zu­schlie­ßen. Nach der Recht­spre­chung des BFH sei über­dies zu berück­sich­ti­gen, dass eine ver­schärf­te Son­de­rung von Schü­lern auch im Hin­blick auf die zusätz­lich anfal­len­den Unter­brin­gungs­kos­ten ein­tre­ten kön­ne. Allei­ne das im Streit­jahr gezahl­te Schul­geld und die Kos­ten der Unter­kunft sum­mier­ten sich auf 24.725,31 ?. Es bedür­fe kei­ner wei­te­ren Aus­füh­run­gen, dass Nor­mal­ver­die­ner sich einen der­ar­ti­gen Schul­auf­ent­halt nicht leis­ten könn­ten. Im Übri­gen hät­ten sich die Gesamt­kos­ten auf umge­rech­net 37.217,52 ? belau­fen.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Die Revi­si­on wur­de vom Finanz­ge­richt nicht zuge­las­sen.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 11. Juli 2007 – 2 K 1741/​06