Aus­schluss der Anrech­nung von Steu­er­ab­zugs­be­trä­gen

Steu­er­ab­zü­ge wer­den auf­grund des Ein­be­halts durch die Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten i.S. des § 36 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 EStG a.F. erho­ben 1. Weder die Ände­rung der Steu­er­be­schei­ni­gun­gen noch die anschlie­ßen­de Rück­zah­lung der Steu­er­ab­zü­ge an die Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten oder deren Wei­ter­lei­tung an die Gesell­schaf­te­rin kön­nen die Erfül­lung die­ses Tat­be­stands­merk­mals ändern.

Aus­schluss der Anrech­nung von Steu­er­ab­zugs­be­trä­gen

Des Wei­te­ren ent­fal­len die Steu­er­ab­zü­ge auf bei der Ver­an­la­gung erfass­te Ein­künf­te oder auf Bezü­ge, die nach § 8b Abs. 1 KStG bei der Ermitt­lung des Ein­kom­mens außer Ansatz geblie­ben sind.

Die nega­ti­ve Vor­aus­set­zung des § 36 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 EStG a.F., dass "nicht die Erstat­tung bean­tragt oder durch­ge­führt" wor­den sein dür­fe, ist (auch) wirt­schaft­lich zu ver­ste­hen. Erfasst ist nicht nur eine Erstat­tung des Finanz­amt an den Gläu­bi­ger der abzugs­pflich­ti­gen Kapi­tal­ein­künf­te (im Streit­fall die Gesell­schaf­te­rin), für des­sen Rech­nung die Steu­er­ab­zü­ge ursprüng­lich ein­be­hal­ten wor­den waren, oder eine Erstat­tung an den Steu­er­ab­zugs­pflich­ti­gen (im Streit­fall die Betei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten) gemäß § 44b Abs. 5 EStG, son­dern auch eine sons­ti­ge Rück­zah­lung der Steu­er­ab­zü­ge an den Steu­er­ab­zugs­pflich­ti­gen, soweit die­se Zah­lun­gen der Gesell­schaf­te­rin wei­ter­ge­lei­tet wor­den sind und die Gesell­schaf­te­rin die betref­fen­den Vor­gän­ge als Aus­keh­rung der Steu­er­ab­zü­ge erkannt hat oder hät­te erken­nen müs­sen.

Hier­in liegt kei­ne Diver­genz zur Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs im Rah­men des § 37 Abs. 2 AO 2.

In den bis­he­ri­gen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs 3 ging es dar­um, wer bei einer Steu­er­erstat­tung des Finanz­amts durch Über­wei­sung auf ein (frü­he­res) Kon­to des Steu­er­pflich­ti­gen als Leis­tungs­emp­fän­ger i.S. des § 37 Abs. 2 AO anzu­se­hen ist, gegen den sich im Fall des feh­len­den Rechts­grunds für die­se Zah­lung der Rück­zah­lungs­an­spruch des Finanz­amts rich­tet. Dies kann nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs nur der­je­ni­ge sein, auf des­sen Rech­nung das Finanz­amt gezahlt hat, und nicht die ledig­lich als Zahl­stel­le han­deln­de Bank.

Im Streit­fall stellt sich dage­gen die Fra­ge, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen die einem Abzugs­pflich­ti­gen (ob mit oder ohne Rechts­grund) zurück­ge­zahl­ten Steu­er­ab­zü­ge vom Steu­er­pflich­ti­gen (Gläu­bi­ger der abzugs­pflich­ti­gen Kapi­tal­erträ­ge) wei­ter­hin gemäß § 36 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 EStG a.F. ange­rech­net wer­den kön­nen. Sofern in der Rück­zah­lung an den Abzugs­pflich­ti­gen eine direk­te Leis­tung an den Gläu­bi­ger der abzugs­pflich­ti­gen Kapi­tal­erträ­ge zu sehen ist, schei­det eine Anrech­nung bereits des­halb aus, weil der ent­spre­chen­de Anrech­nungs­an­spruch durch die­se Leis­tung erlo­schen ist 4. Dar­über hin­aus muss eine Anrech­nung aber auch aus­schei­den, wenn die dem Abzugs­pflich­ti­gen zurück­ge­zahl­ten Steu­er­ab­zü­ge dem Steu­er­pflich­ti­gen wei­ter­ge­lei­tet wer­den und der Steu­er­pflich­ti­ge dies erkannt hat oder hät­te erken­nen müs­sen. Denn eine dop­pel­te Begüns­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen durch den Anspruch auf Anrech­nung der Steu­er­ab­zü­ge und die gleich­zei­ti­ge Wei­ter­lei­tung der Rück­zah­lung der Steu­er­ab­zü­ge ist ‑jeden­falls unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen- nicht vom Sinn und Zweck des § 36 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 EStG a.F. gedeckt 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Juli 2015 – VII R 49/​13

  1. vgl. BFH, in BFH/​NV 2011, 641[]
  2. vgl. bereits BFH, Beschlüs­se vom 27.08.2013 – VII B 1/​13 und – VII B 2/​13[]
  3. BFH, Ent­schei­dun­gen in BFHE 235, 133, BSt­Bl II 2012, 167, in BFH/​NV 2012, 689 und in BFHE 239, 292, BSt­Bl II 2013, 270[]
  4. vgl. auch BFH, Urteil vom 07.05.2013 – VIII R 17/​09, BFH/​NV 2013, 786[]
  5. vgl. auch BFH, Beschluss vom 05.07.2007 – VII B 302/​06, BFH/​NV 2007, 2096[]