Aus­schüt­tun­gen einer Kapi­tal­ge­sell­schaft – und die Aus­wir­kun­gen der Güns­ti­ger­prü­fung

Sind Ein­künf­te aus der Aus­schüt­tung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, deren Betei­li­gung der Steu­er­pflich­ti­ge im Pri­vat­ver­mö­gen hält, auf­grund eines Antrags auf Güns­ti­ger­prü­fung gemäß § 32d Abs. 6 EStG den tarif­lich zu besteu­ern­den Ein­künf­ten hin­zu­zu­rech­nen, fin­det die antei­li­ge (40 %-ige) Steu­er­be­frei­ung gemäß § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. d EStG kei­ne Anwen­dung.

Aus­schüt­tun­gen einer Kapi­tal­ge­sell­schaft – und die Aus­wir­kun­gen der Güns­ti­ger­prü­fung

Allein auf­grund des erfolg­rei­chen Antrags auf Güns­ti­ger­prü­fung ist kei­ne antei­li­ge Steu­er­be­frei­ung für die Divi­den­den­ein­künf­te des Anle­gers aus der GmbH gemäß § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. d EStG zu gewäh­ren.

Die Güns­ti­ger­prü­fung bewirkt ‑im hier ent­schie­de­nen Streit­fall- nur, dass gemäß § 32d Abs. 6 Satz 1 EStG die Kapi­tal­erträ­ge der Anle­ger ein­schließ­lich der Betei­li­gungs­er­trä­ge des Anle­gers (§ 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG) den regel­be­steu­er­ten Ein­künf­ten hin­zu­zu­rech­nen sind. Für die hin­zu­ge­rech­ne­ten Betei­li­gungs­er­trä­ge kann die antei­li­ge Steu­er­be­frei­ung des § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. d EStG gemäß § 3 Nr. 40 Satz 2 EStG nicht in Anspruch genom­men wer­den, da es sich um Betei­li­gungs­ein­künf­te im Pri­vat­ver­mö­gen han­delt. Erst ein Antrag gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG eröff­net für die­se die antei­li­ge Steu­er­frei­stel­lung, da § 32d Abs. 2 Nr. 3 Satz 2 EStG für die­sen Fall bestimmt, dass § 3 Nr. 40 Satz 2 EStG kei­ne Anwen­dung fin­det.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner im BFH-Urteil vom 28.07.2015 1 geäu­ßer­ten Auf­fas­sung fest, dass eine kon­klu­den­te Antrag­stel­lung gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG bei nicht fach­kun­dig bera­te­nen Steu­er­pflich­ti­gen, die ‑wie die Anle­ger- die Steu­er­erklä­rung selbst erstel­len, in Betracht kommt.

Aller­dings war im hier ent­schie­de­nen Streit­fall nicht von einem kon­klu­dent gestell­ten Antrag des Anle­gers gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 Satz 4 EStG aus­zu­ge­hen. Ein sol­cher Antrag ergibt sich nicht allein aus der in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung bean­trag­ten Güns­ti­ger­prü­fung und der Bei­fü­gung der Steu­er­be­schei­ni­gung der GmbH. Es fehlt vor allem dar­an, dass das Finanz­amt aus den Anga­ben des Anle­gers nicht alle Vor­aus­set­zun­gen zur Betei­li­gungs­hö­he erken­nen konn­te, die für einen Antrag gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG not­wen­dig wären. Weder war dem Finanz­amt ersicht­lich, ob der Anle­ger an der GmbH zu min­des­tens 25 % betei­ligt war noch ob er zu min­des­tens 1 % betei­ligt und für die GmbH beruf­lich tätig war. Für eine kon­klu­den­te Antrag­stel­lung müs­sen in der Erklä­rung des Steu­er­pflich­ti­gen jedoch alle tat­säch­li­chen Anga­ben ent­hal­ten sein, die für die mate­ri­ell-recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines Antrags oder Abzug­s­tat­be­stands erfor­der­lich sind 2. Ob für eine kon­klu­den­te Antrag­stel­lung gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG ‑wie das Finanz­amt meint- neben den Anga­ben zur Betei­li­gungs­hö­he oder beruf­li­chen Tätig­keit für die Gesell­schaft auch ersicht­lich sein muss, dass der Steu­er­pflich­ti­ge sich der fünf­jäh­ri­gen Bin­dung eines sol­chen Antrags unter­wer­fen will, ist im Streit­fall nicht erheb­lich und daher nicht zu ent­schei­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 29. August 2017 – VIII R 33/​15

  1. BFH, Urteil vom 28.07.2015 – VIII R 50/​14, BFHE 250, 413, BSt­Bl II 2015, 894[]
  2. BFH, Urtei­le vom 30.10.2003 – III R 24/​02, BFHE 204, 10, BSt­Bl II 2004, 394; und vom 18.08.2015 – V R 47/​14, BFHE 251, 287[]