Außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen – und die Zumut­bar­keit von Krank­heits­kos­ten

Krank­heits­kos­ten sind als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen um die zumut­ba­re Belas­tung zu min­dern1.

Außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen – und die Zumut­bar­keit von Krank­heits­kos­ten

Typi­sche und unmit­tel­ba­re Krank­heits­kos­ten wer­den als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung gemäß § 33 Abs. 1 EStG vom Gesamt­be­trag der Ein­künf­te abge­zo­gen, ohne dass die Zwangs­läu­fig­keit die­ser Auf­wen­dun­gen dem Grun­de oder der Höhe nach geprüft wird; ihre Zwangs­läu­fig­keit aus tat­säch­li­chen Grün­den und ihre Ange­mes­sen­heit und Not­wen­dig­keit im Ein­zel­fall wer­den wie ihre Außer­ge­wöhn­lich­keit unwi­der­leg­lich unter­stellt2.

Nach § 33 Abs. 3 EStG hängt die zumut­ba­re Belas­tung von der Höhe der Ein­künf­te, der Anwen­dung des Grund- oder des Split­ting-Ver­fah­rens sowie der Zahl der zu berück­sich­ti­gen­den Kin­der ab; sie beträgt zwi­schen 1 % und 7 % des Gesamt­be­trags der Ein­künf­te.

Der BFH hat mit Urteil vom 02.09.20153 ent­schie­den, dass es von Ver­fas­sungs wegen nicht gebo­ten sei, bei der ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Berück­sich­ti­gung von Krank­heits­kos­ten auf den Ansatz der zumut­ba­ren Belas­tung zu ver­zich­ten.

Das bekräf­tig­te der Bun­des­fi­nanz­hof nun noch­mals4. Zum ein­kom­men­steu­er­recht­lich zu ver­scho­nen­den Exis­tenz­mi­ni­mum gehö­ren auch die Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­sor­gung, die dem Grun­de nach nicht nur die Bei­trä­ge zu einer Kran­ken­ver­si­che­rung, son­dern auch den eigent­li­chen Sach­auf­wand für eine Kran­ken­ver­sor­gung umfas­sen. Da sich die Bemes­sung des ein­kom­men­steu­er­recht­lich maß­geb­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mums jedoch grund­sätz­lich nach dem im Sozi­al­hil­fe­recht nie­der­ge­leg­ten Leis­tungs­ni­veau rich­tet und auch Emp­fän­ger von Sozi­al­leis­tun­gen Zuzah­lun­gen aus den ihnen zur Ver­fü­gung gestell­ten Sozi­al­leis­tun­gen bis zur Belas­tungs­gren­ze selbst zu erbrin­gen haben, gehö­ren Zuzah­lun­gen i.S. des § 61 des Fünf­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch nicht zum ein­kom­men­steu­er­recht­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mum. Das BFH, Urteil in BFHE 251, 196, BSt­Bl II 2016, 151 nennt inso­weit zutref­fend Auf­wen­dun­gen für Zahn­rei­ni­gung, Labo­ra­to­ri­ums­me­di­zin und Zwei­bett­zim­mer­zu­schlä­ge in einer Kli­nik; die­se gehö­ren eben­falls nicht zum Exis­tenz­mi­ni­mum.

Der Bun­des­fi­nanz­hof muss nicht ent­schei­den, ob die­ser Grund­satz ein­zu­schrän­ken ist, wenn Auf­wen­dun­gen für medi­zi­nisch not­wen­di­ge Leis­tun­gen, die sich in dem durch das Sozi­al­hil­fe­recht bestimm­ten Rah­men hal­ten, auf­grund außer­ge­wöhn­li­cher Umstän­de ‑z.B. bei Aus­lands­er­kran­kun­gen- vom Kran­ken­ver­si­che­rer nicht erstat­tet wer­den. Der Bun­des­fi­nanz­hof muss auch nicht ent­schei­den, ob im Fal­le einer Unter­schrei­tung des Grund­frei­be­trags durch Zuzah­lun­gen von Ver­fas­sungs wegen ande­res gilt5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 2016 – III R 62/​13

  1. Anschluss an das BFH, Urteil vom 02.09.2015 – VI R 32/​13, BFHE 251, 196, BSt­Bl II 2016, 151 []
  2. BFH, Urteil vom 14.04.2015 – VI R 89/​13, BFHE 249, 483, BSt­Bl II 2015, 703 []
  3. BFH, Urteil vom 02.09.2015 – VI R 32/​13, BFHE 251, 196, BSt­Bl II 2016, 151, m. abl. Anmer­kung von Karrenbrock/​Petrak, DStR 2016, 47; Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt: BVerfG – 2 BvR 180/​16 []
  4. a.A. z.B. Haupt, DStR 2016, 902 []
  5. vgl. BFH, Urteil in BFHE 251, 196, Rz 27; Blümich/​K. Heger, EStG, § 33 Rz 134; Schmidt/​Loschelder, EStG, 35. Aufl., § 33 Rz 28; Mel­ling­hoff in Kirch­hof, EStG, 15. Aufl., § 33 Rz 48 []