Bar­zah­lung von Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten

Es ver­stößt nicht gegen Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 GG, dass § 4f Satz 5 EStG 1 den Abzug von Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten von der Vor­aus­set­zung abhän­gig macht, dass der Steu­er­pflich­ti­ge die Auf­wen­dung durch die Zah­lung auf das Kon­to des Erbrin­gers der Leis­tung nach­weist.

Bar­zah­lung von Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten

So hat der Bun­des­fi­nanz­hof im Anwen­dungs­be­reich des § 35a EStG die Ungleich­be­hand­lung zwi­schen baren und unba­ren Zah­lungs­vor­gän­gen als durch das am Gemein­wohl ori­en­tier­te Ziel gerecht­fer­tigt ange­se­hen, die Schwarz­ar­beit im Pri­vat­haus­halt zu bekämp­fen 2. Fer­ner ist geklärt, dass der Gesetz­ge­ber bei Erwerbs­auf­wen­dun­gen, die die Pri­vat­sphä­re des Steu­er­pflich­ti­gen berüh­ren, beson­de­re for­mel­le Anfor­de­run­gen an die Abzieh­bar­keit stel­len kann, wie es z.B. in § 4 Abs. 7 EStG gesche­hen ist 3.

Mit § 4f Satz 5 EStG ver­folg­te der Gesetz­ge­ber die­sel­ben Zwe­cke wie mit den inhalts­glei­chen Rege­lun­gen in § 10 Abs. 1 Nr. 8 Satz 6 EStG und § 35a Abs. 2 Satz 5 EStG 4. Es sol­len Anrei­ze gege­ben wer­den, lega­le Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se in Pri­vat­haus­hal­ten zu schaf­fen, Miss­brauch soll vor­ge­beugt und die Schwarz­ar­beit bekämpft wer­den. Die Rege­lun­gen haben damit einen Len­kungs­zweck, der die unter­schied­li­che Behand­lung von Zah­lungs­vor­gän­gen zu recht­fer­ti­gen ver­mag, unab­hän­gig davon, ob es sich bei dem Abzug­s­tat­be­stand um eine Steu­er­ver­güns­ti­gung wie § 35a EStG, eine Son­der­aus­ga­be wie § 10 Abs. 1 Nr. 8 EStG 5 oder um eine Norm han­delt, die, wie § 4f EStG, die ver­fas­sungs­recht­lich grund­sätz­lich gebo­te­ne Berück­sich­ti­gung zwangs­läu­fi­ger Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten bezweckt 6. Denn auch die­se Art von Auf­wen­dun­gen ist zumin­dest pri­vat mit­ver­an­lasst 7 und hat einen engen Bezug zur räum­li­chen Pri­vat­sphä­re; viel­fach fin­det die Betreu­ung im Pri­vat­haus des Steu­er­pflich­ti­gen statt (z.B. Au-Pair-Mäd­chen, ange­stell­te Kin­der­frau, Baby­sit­ter). Auch bei außer­häus­li­chen Betreu­ungs­for­men (z.B. Tages­mut­ter, Betreu­ung bei Groß­el­tern oder ande­ren Ver­wand­ten) bestehen erheb­li­che Schwarz­ar­beits­ri­si­ken und Miss­brauchs­ge­fah­ren 8, denen der Gesetz­ge­ber ent­ge­gen­tre­ten durf­te.

Auch der Gesichts­punkt, dass die Tages­mut­ter im Streit­fall auf Bar­zah­lung bestan­den hat, ver­mag die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der mate­ri­el­len Steu­er­norm nicht zu bewir­ken. Denn auch bei der steu­er­li­chen Behand­lung von Unter­halts­kos­ten, wozu die Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten gehö­ren, ist die grund­sätz­li­che Befug­nis des Gesetz­ge­bers zur Ver­ein­fa­chung und Typi­sie­rung zu beach­ten. Er darf grund­sätz­lich gene­ra­li­sie­ren­de, typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen tref­fen, ohne wegen der damit unver­meid­lich ver­bun­de­nen Här­ten gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz zu ver­sto­ßen 9. Der Gesetz­ge­ber des § 4f EStG durf­te davon aus­ge­hen, dass ange­sichts der wei­ten Ver­brei­tung des bar­geld­lo­sen Zah­lungs­ver­kehrs von den Steu­er­pflich­ti­gen die Abzugs­vor­aus­set­zun­gen gemäß § 4f Satz 5 EStG typi­scher­wei­se erfüllt wer­den kön­nen. Dem Son­der­fall, dass sich ein Leis­tungs­er­brin­ger, wie im Streit­fall gesche­hen, trotz offen­bar vor­han­de­ner Bank­ver­bin­dung ohne ratio­nal nach­voll­zieh­ba­ren Grund der bar­geld­lo­sen Zah­lung ver­wei­gert, muss­te der Gesetz­ge­ber nicht Rech­nung tra­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 8. Mai 2012 – III B 2/​11

  1. in der im Streit­jahr 2007 gel­ten­den Fas­sung[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 20.11.2008 – - VI R 14/​08, BFHE 223, 430, BSt­Bl II 2009, 307; vom 05.03.2009 – VI R 43/​08, BFH/​NV 2009, 1113[]
  3. hier­zu z.B. BFH, Urteil vom 26.02.1988 – III R 20/​85, BFHE 152, 509, BSt­Bl II 1988, 613[]
  4. vgl. BT-Drucks 16/​643, S. 9 f. einer­seits, BT-Drucks 15/​91, S.19, und BT-Drucks 16/​6739, S. 14 ande­rer­seits[]
  5. hier­zu Kulosa in Herrmann/​Heuer/​Raupach HHR, § 10 EStG Rz 264[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 16.03.2005 – 2 BvL 7/​00, BVerfGE 112, 268, betr. erwerbs­be­ding­te Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 112, 268, unter C.II.01. der Grün­de; BFH, Urteil vom 23.04.2009 – VI R 60/​06, BFHE 225, 28, BSt­Bl II 2010, 267; HHR/​Fissenewert, § 12 EStG Rz 43, m.w.N. aus der Recht­spre­chung[]
  8. vgl. Hey, NJW 2006, 2001 mit Bei­spie­len[]
  9. vgl. BVerfG, Beschluss in BVerfGE 112, 268, m.w.N.[]