Bau­spar­ver­trag – und die Abschluss­ge­bühr als Wer­bungs­kos­ten?

Soweit es hin­sicht­lich des Bau­spar­ver­trags an einer Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht fehlt, ist die Abschluss­ge­bühr für den Bau­spar­ver­trag nicht als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen abzieh­bar. Hier­an fehlt es, wenn der ver­ein­bar­te Zins­satz auf die Bau­spar­ein­la­ge zusam­men mit den nied­ri­gen monat­li­chen Ein­zah­lungs­ra­ten nicht aus­rei­chend hoch ist, um bei einer Lauf­zeit von 15 Jah­ren einen Über­schuss der Zins­er­trä­ge über die Abschluss­ge­bühr zu erwirt­schaf­ten.

Bau­spar­ver­trag – und die Abschluss­ge­bühr als Wer­bungs­kos­ten?

Nach § 9 Abs. 1 i.V.m. § 20 EStG sind Auf­wen­dun­gen in vol­lem Umfang Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen, wenn sie durch die Erzie­lung von Ein­nah­men im Rah­men die­ser Ein­kunfts­art ver­an­lasst sind 1.

Ein­nah­men und Wer­bungs­kos­ten im Zusam­men­hang mit Bau­spar­dar­le­hen füh­ren grund­sätz­lich zu Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG), sofern sie nicht nach § 20 Abs. 3 EStG einer ande­ren Ein­kunfts­art zuzu­rech­nen sind, weil sie mit die­ser in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen 2. Vor­aus­set­zung hier­für ist, dass aus dem Bau­spar­ver­trag ein Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten erwar­tet wer­den kann 3. Dabei ist die Über­schuss­erzie­lungs­ab­sicht nach stän­di­ger Recht­spre­chung für jede ein­zel­ne Kapi­tal­an­la­ge geson­dert zu beur­tei­len 4.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall kät­te die Abschluss­ge­bühr für den Bau­spar­ver­trag infol­ge des Zusam­men­hangs mit dem Erwerb der nicht ver­mie­te­ten Woh­nung grund­sätz­lich (nur) bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen als Wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt wer­den kön­nen, soweit die Bau­spa­rer im Hin­blick auf den Bau­spar­ver­trag mit der Absicht gehan­delt hät­ten, einen Über­schuss der Ein­nah­men über die Wer­bungs­kos­ten zu erzie­len.

Dies war hier jedoch aus­ge­schlos­sen, da der ver­ein­bar­te Zins­satz auf die Bau­spar­ein­la­ge bei den fest­ge­stell­ten nied­ri­gen monat­li­chen Ein­zah­lungs­ra­ten nicht aus­rei­chend hoch war, um bei einer Lauf­zeit von 15 Jah­ren einen Über­schuss der Zins­er­trä­ge über die Abschluss­ge­bühr zu erwirt­schaf­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. April 2016 – VIII R 60/​14

  1. vgl. BFH, Urteil vom 27.06.1989 – VIII R 30/​88, BFHE 157, 541, BSt­Bl II 1989, 934, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 19.04.1996 – VIII B 41/​95, BFH/​NV 1996, 745[]
  3. vgl. BFH, Beschluss vom 29.10.2002 – VIII B 125/​01, BFH/​NV 2003, 314[]
  4. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2003, 314; BFH, Urteil vom 24.03.1992 – VIII R 12/​89, BFHE 168, 415, BSt­Bl II 1993, 18[]