Beer­di­gungs­kos­ten – als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Beer­di­gungs­kos­ten kön­nen als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung nur abge­zo­gen wer­den, soweit sie nicht aus dem Nach­lass oder durch sons­ti­ge im Zusam­men­hang mit dem Tod zuge­flos­se­ne Geld­leis­tun­gen gedeckt sind.

Beer­di­gungs­kos­ten – als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Als recht­li­cher Grund für die Über­nah­me der Beer­di­gungs­kos­ten kommt grund­sätz­lich § 1968 BGB in Betracht. Nach die­ser Vor­schrift trägt der Erbe die Kos­ten der Beer­di­gung.

Bei der Ver­pflich­tung aus § 1968 BGB han­delt es sich um eine Nach­lass­ver­bind­lich­keit. Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten tref­fen den Erben nur als den­je­ni­gen, dem das Ver­mö­gen des Erb­las­sers zufällt. Ist der Nach­lass über­schul­det, hat der Erbe die Mög­lich­keit, die Erb­schaft aus­zu­schla­gen, so dass ihn aus § 1968 BGB kei­ne recht­li­che Ver­pflich­tung zur Beglei­chung der Beer­di­gungs­kos­ten trifft. Denn mit der Annah­me der Erb­schaft setzt der Erbe regel­mä­ßig selbst den Grund für sei­ne Rechts­pflicht zur Erfül­lung der damit ver­bun­de­nen Schul­den. Die Ver­pflich­tung aus § 1968 BGB trifft ihn des­halb nicht zwangs­läu­fig i.S. von § 33 Abs. 2 EStG 1.

Beer­di­gungs­kos­ten kön­nen aber auch aus sitt­li­chen Grün­den zwangs­läu­fig ent­ste­hen. Sitt­li­che Grün­de zur Über­nah­me der Beer­di­gungs­kos­ten kom­men im All­ge­mei­nen bei einem nahen Ange­hö­ri­gen in Betracht 2. Unter die­sem Gesichts­punkt kön­nen Beer­di­gungs­kos­ten als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung aber eben­falls nur abge­zo­gen wer­den, soweit die Auf­wen­dun­gen nicht aus dem Nach­lass bestrit­ten wer­den kön­nen oder nicht durch sons­ti­ge im Zusam­men­hang mit dem Tod zuge­flos­se­ne Geld­leis­tun­gen gedeckt sind 3. Danach füh­ren Auf­wen­dun­gen, die den Ver­kehrs­wert des Nach­las­ses nicht über­stei­gen, gar nicht erst zu einer Belas­tung i.S. von § 33 EStG.

Nach die­sen Maß­stä­ben hat der Bun­des­fi­nanz­hof im vor­lie­gen­den Finanz­amtll den Abzug der Beer­di­gungs­kos­ten ver­neint:

Zwar war der Steu­er­pflich­ti­ge auf­grund sei­ner engen per­sön­li­chen Bezie­hun­gen zu der Ver­stor­be­nen als deren Ehe­mann, mit der er bis zuletzt in ehe­li­cher Lebens­ge­mein­schaft leb­te und der gegen­über er zum Unter­halt ver­pflich­tet war (§§ 1360, 1360a BGB), ange­sichts der guten Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se aus sitt­li­chen Grün­den ver­pflich­tet, die not­wen­di­gen und ange­mes­se­nen Beer­di­gungs­kos­ten zu tra­gen. Er konn­te die Beer­di­gungs­kos­ten aber aus sei­nem Anteil am Nach­lass der ver­stor­be­nen Ehe­frau bestrei­ten, so dass er durch die­se nicht wirt­schaft­lich belas­tet war.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 21. Febru­ar 2018 – VI R 11/​16

  1. BFH, Urteil vom 24.07.1987 – III R 208/​82, BFHE 150, 351, BSt­Bl II 1987, 715; FG Müns­ter, Urteil vom 01.07.2013 2 K 1062/​12 E, EFG 2014, 44; Schmidt/​Loschelder, EStG, 36. Aufl., § 33 Rz 35 "Beer­di­gungs­kos­ten"; Blümich/​K. Heger, § 33 EStG Rz 214, 215; End­ert in Frot­scher, EStG, Frei­burg 2011, § 33 Rz 50 ff.; Arndt in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 33 Rz C 40; Kanz­ler in Herrmann/​Heuer/​Raupach ‑HHR‑, EStG, § 33 Rz 142; jeweils m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil in BFHE 150, 351, BSt­Bl II 1987, 715; FG Müns­ter, Urteil in EFG 2014, 44; HHR/​Kanzler, EStG § 33 Rz 142[]
  3. BFH, Urtei­le vom 04.04.1989 – X R 14/​85, BFHE 157, 88, BSt­Bl II 1989, 779; und vom 29.05.1996 – III R 86/​95, BFH/​NV 1996, 807, m.w.N[]