Beglei­ten­der Sprach­un­ter­richt – als Berufs­aus­bil­dung

Bei einem theo­re­tisch-sys­te­ma­ti­schen Sprach­un­ter­richt von durch­schnitt­lich 8, 6 Wochen­stun­den liegt auch unter Berück­sich­ti­gung von Vor- und Nach­be­rei­tung des Unter­richts kei­ne Berufs­aus­bil­dung vor, die bei einem voll­jäh­ri­gem Kind zur Kin­der­geld­be­rech­ti­gung führt.

Beglei­ten­der Sprach­un­ter­richt – als Berufs­aus­bil­dung

Schon nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 15.03.20121 wer­den zwecks Abgren­zung von län­ge­ren Urlau­ben und sons­ti­gen Aus­lands­auf­ent­hal­ten, etwa zur Per­sön­lich­keits­bil­dung, zur Ver­bes­se­rung der Selbst­stän­dig­keit oder um ande­re Län­der und Kul­tu­ren ken­nen­zu­ler­nen, Sprach­auf­ent­hal­te im Rah­men eines Au-pair-Ver­hält­nis­ses nur dann als Berufs­aus­bil­dung ange­se­hen, wenn sie von einem theo­re­tisch-sys­te­ma­ti­schen Sprach­un­ter­richt beglei­tet wer­den. Die­ser Unter­richt muss nach sei­nem Umfang den Schluss auf eine hin­rei­chend gründ­li­che (Sprach-)Aus­bil­dung recht­fer­ti­gen und grund­sätz­lich min­des­tens zehn Wochen­stun­den umfas­sen. Dabei ist eine Durch­schnitts­be­trach­tung für die Dau­er des gesam­ten Auf­ent­hal­tes anzu­stel­len, so dass bei ins­ge­samt hin­rei­chend umfang­rei­chem Unter­richt die Berück­sich­ti­gung in einem Feri­en­mo­nat nicht unter­bro­chen wird. Bei weni­ger als durch­schnitt­lich zehn Wochen­stun­den kön­nen aus­nahms­wei­se ein­zel­ne Mona­te gleich­wohl als Berufs­aus­bil­dung zu wer­ten sein, wenn sie ‑z.B. infol­ge von Block­un­ter­richt oder Lehr­gän­gen- durch inten­si­ven, die Gren­ze von zehn Wochen­stun­den deut­lich über­schrei­ten­den Unter­richt geprägt wer­den 2.

Ein beglei­ten­der Sprach­un­ter­richt von wöchent­lich zehn Unter­richts­stun­den kann dabei ‑bei einem nicht in einer Aus­bil­dungs-/Stu­di­en­ord­nung vor­ge­schrie­be­nen oder emp­foh­le­nen Aus­lands­auf­ent­halt- grund­sätz­lich des­halb als aus­rei­chend ange­se­hen wer­den, da die Zeit der Vor- und Nach­be­rei­tung sowie die prak­ti­sche Anwen­dung der Fremd­spra­che außer­halb des Unter­richts in die Gesamt­be­trach­tung mit­ein­be­zo­gen wird 3.

Nach den Umstän­den des Ein­zel­falls kann aus­nahms­wei­se auch das Unter­schrei­ten die­ser Gren­ze unschäd­lich sein, wenn etwa der Sprach­kurs der übli­chen Vor­be­rei­tung auf einen aner­kann­ten Prü­fungs­ab­schluss dient und das Kind den Prü­fungs­ab­schluss anstrebt oder wenn Ein­zel­un­ter­richt in Ver­bin­dung mit umfäng­li­che­ren Vor- und Nach­ar­bei­ten erteilt wird oder neben dem Sprach­un­ter­richt zusätz­li­che fremd­spra­chen­för­dern­de Akti­vi­tä­ten (z.B. die Teil­nah­me an Vor­le­sun­gen oder das Hal­ten von Vor­trä­gen in der Fremd­spra­che) unter­nom­men wer­den 4.

Ange­sichts die­ser Grund­sät­ze besteht für den Bun­des­fi­nanz­hof auch kein Klä­rungs­be­darf im Hin­blick auf die Fra­ge, ob es für die Annah­me einer Berufs­aus­bil­dung aus­rei­chend sei, wenn der theo­re­tisch-sys­te­ma­ti­sche Sprach­un­ter­richt zwar kei­ne zehn Wochen­stun­den umfas­se, aber eine hin­rei­chend gründ­li­che und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Sprach­aus­bil­dung bie­te. Ent­spre­chen­des gilt bezüg­lich der Fra­ge, ob ange­sichts einer Sprach­aus­bil­dung an einem US-Col­le­ge der Umfang von zehn Wochen­stun­den nicht gel­te, weil dort auch in den Pau­sen zwi­schen den Unter­richts­stun­den die Fremd­spra­che regel­mä­ßig zur Anwen­dung gelan­ge.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. Juni 2016 – III B 132/​15

  1. BFH, Urteil vom 15.03.2012 – III R 58/​08, BFHE 237, 64, BSt­Bl II 2012, 743, Rz 11, m.w.N.[]
  2. z.B. BFH, Urteil vom 26.10.2012 – VI R 102/​10, BFH/​NV 2013, 366, Rz 14[]
  3. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 09.06.1999 – VI R 33/​98, BFHE 189, 88, BSt­Bl II 1999, 701, unter 2.b; und vom 19.02.2002 – VIII R 83/​00, BFHE 198, 192, BSt­Bl II 2002, 469, unter II. 2.b bb bbb[]
  4. z.B. BFH, Urtei­le in BFHE 198, 192, BSt­Bl II 2002, 469, unter II. 2.b bb bbb, m.w.N., und in BFHE 189, 88, BSt­Bl II 1999, 701, unter 2.b; vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 237, 64, BSt­Bl II 2012, 743, Rz 11 ff, m.w.N., und BFH, Urteil in BFH/​NV 2013, 366, Rz 15 f.[]