Beruf­lich genutz­te Nicht-Arbeits­zim­mer

Nutzt ein Arbeit­neh­mer Räu­me zu beruf­li­chen Zwe­cken, die nicht dem Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers zuge­ord­net wer­den kön­nen, so sind nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs die durch die beruf­li­che Nut­zung ver­an­lass­ten Auf­wen­dun­gen grund­sätz­lich unein­ge­schränkt als Wer­bungs­kos­ten gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abzieh­bar.

Beruf­lich genutz­te Nicht-Arbeits­zim­mer

Nach § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG kann ein Arbeit­neh­mer Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer grund­sätz­lich nicht als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen. Ein unein­ge­schränk­ter Abzug ist nach Satz 3 der Vor­schrift in der bis 2006 gel­ten­den Fas­sung nur zuläs­sig, wenn das Arbeits­zim­mer der Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­det. Häus­li­ches Arbeits­zim­mer ist das häus­li­che Büro, d.h. ein Arbeits­raum, der sei­ner Lage, Funk­ti­on und Aus­stat­tung nach in die häus­li­che Sphä­re ein­ge­bun­den und vor­wie­gend der Erle­di­gung gedank­li­cher, schrift­li­cher und ver­wal­tungs­tech­ni­scher Arbei­ten dient. Begehrt der Arbeit­neh­mer den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug für meh­re­re in sei­ne häus­li­che Sphä­re ein­ge­bun­de­ne Räu­me, ist die Qua­li­fi­zie­rung als häus­li­ches Arbeits­zim­mer für jeden Raum geson­dert vor­zu­neh­men, es sei denn, die Räu­me bil­den eine funk­tio­na­le Ein­heit.

Im Streit­fall gab der Klä­ger an, die im Erd­ge­schoss sei­nes Zwei­fa­mi­li­en­hau­ses gele­ge­ne 70 qm gro­ße Woh­nung aus­schließ­lich für beruf­li­che Zwe­cke zu nut­zen. Das Finanz­ge­richt kam zu dem Ergeb­nis, dass nur zwei Räu­me ihrer Aus­stat­tung und Funk­ti­on nach einem Büro ent­sprä­chen. Die übri­gen Räu­me sei­en nicht büro­mä­ßig aus­ge­stat­tet mit der Fol­ge, dass allein des­halb ein Wer­bungs­kos­ten­ab­zug aus­schei­de. Der BFH folg­te die­ser Auf­fas­sung nicht und hob die Vor­ent­schei­dung auf.

Ein Raum ist als häus­li­ches Arbeits­zim­mer von ande­ren beruf­lich genutz­ten Zim­mern im häus­li­chen Bereich abzu­gren­zen.

Räum­lich­kei­ten, die ihrer Aus­stat­tung und Funk­ti­on nach nicht einem Büro ent­spre­chen, sind auch dann nicht dem Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers zuzu­ord­nen, wenn sie ihrer Lage nach mit dem Wohn­raum des Steu­er­pflich­ti­gen ver­bun­den und so in des­sen häus­li­che Sphä­re ein­ge­bun­den sind.

Ist eine Zuord­nung zum Typus des häus­li­chen Arbeits­zim­mers nicht mög­lich, sind die durch die beruf­li­che Nut­zung ver­an­lass­ten Auf­wen­dun­gen grund­sätz­lich unbe­schränkt als Wer­bungs­kos­ten gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abzieh­bar.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. März 2009 – VI R 15/​07