Beruf­li­che oder pri­va­te Wei­ter­bil­dung?

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat mit zwei jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urtei­len sei­ne Recht­spre­chung zur Abgren­zung von Wer­bungs­kos­ten und nicht abzieh­ba­ren Kos­ten der pri­va­ten Lebens­füh­rung bei Bil­dungs­auf­wen­dun­gen fort­ent­wi­ckelt. In bei­den Streit­fäl­len hat­ten lei­ten­de Ange­stell­te zur För­de­rung und Ver­bes­se­rung der beruf­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on an Kur­sen zum „Neu­ro-Lin­gu­is­ti­schen Pro­gram­mie­ren“ (NLP-Kur­se) und an Super­vi­si­ons­kur­sen teil­ge­nom­men. Der BFH ent­schied, dass sol­che Kur­se zu Erwerbs­auf­wand (Wer­bungs­kos­ten) füh­ren kön­nen. Er hat hier­bei berück­sich­tigt, dass die erwähn­ten Bera­tungs­me­tho­den zur Siche­rung und Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät beruf­li­cher Arbeit ein­ge­setzt wer­den und die ange­streb­ten Fähig­kei­ten (z.B. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit) als Bestand­teil der Sozi­al­kom­pe­tenz („soft skills“) Schlüs­sel­qua­li­fi­ka­tio­nen dar­stel­len, die bei der Wahr­neh­mung von Füh­rungs­po­si­tio­nen im Wirt­schafts­le­ben erfor­der­lich sind.

Beruf­li­che oder pri­va­te Wei­ter­bil­dung?

Für eine beruf­li­che Ver­an­las­sung der­ar­ti­ger Kur­se spricht ins­be­son­de­re, dass sie von einem berufs­mä­ßi­gen Ver­an­stal­ter durch­ge­führt wer­den, ein homo­ge­ner Teil­neh­mer­kreis vor­liegt und der Erwerb der Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten auf eine anschlie­ßen­de Ver­wen­dung in der beruf­li­chen Tätig­keit ange­legt ist. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stan­zen sind pri­va­te Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten der ver­mit­tel­ten Lehr­in­hal­te unbe­acht­lich, wenn sie sich als blo­ße Fol­ge zwangs­läu­fig und untrenn­bar aus den im beruf­li­chen Inter­es­se gewon­ne­nen Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten erge­ben. Nach Auf­fas­sung des BFH liegt ein homo­ge­ner Teil­neh­mer­kreis auch dann vor, wenn die Teil­neh­mer zwar unter­schied­li­chen Berufs­grup­pen ange­hö­ren, aber auf­grund der Art ihrer beruf­li­chen Tätig­keit (hier: Füh­rungs­po­si­tio­nen) gleich­ge­rich­te­te Inter­es­sen haben.

1. Auf­wen­dun­gen für Semi­na­re zur Per­sön­lich­keits­ent­fal­tung sind beruf­lich ver­an­lasst, wenn die Ver­an­stal­tun­gen pri­mär auf die spe­zi­fi­schen Bedürf­nis­se des vom Steu­er­pflich­ti­gen aus­ge­üb­ten Berufs aus­ge­rich­tet sind. Indi­zi­en für die beruf­li­che Ver­an­las­sung sind ins­be­son­de­re die Lehr­in­hal­te und ihre kon­kre­te Anwen­dung in der beruf­li­chen Tätig­keit, der Ablauf des Lehr­gangs sowie die teil­neh­men­den Per­so­nen.

2. Ein Lehr­gang, der sowohl Grund­la­gen­wis­sen als auch berufs­be­zo­ge­nes Spe­zi­al­wis­sen ver­mit­telt, kann beruf­lich ver­an­lasst sein, wenn der Erwerb des Grund­la­gen­wis­sens die Vor­stu­fe zum Erwerb des berufs­be­zo­ge­nen Spe­zi­al­wis­sens bil­det.

3. Der Teil­neh­mer­kreis eines Lehr­gangs, der sich mit Anfor­de­run­gen an Füh­rungs­kräf­te befasst, ist auch dann homo­gen zusam­men­ge­setzt, wenn die Teil­neh­mer Füh­rungs­po­si­tio­nen in ver­schie­de­nen Berufs­grup­pen inne­ha­ben.

(VI R 35/​05)

1. Die beruf­li­che Ver­an­las­sung von Auf­wen­dun­gen für Kur­se zum Neu­ro-Lin­gu­is­ti­schen Pro­gram­mie­ren (NLP-Kur­se) zur Ver­bes­se­rung der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit wird ins­be­son­de­re dadurch indi­ziert, dass die Kur­se von einem berufs­mä­ßi­gen Ver­an­stal­ter durch­ge­führt wer­den, ein homo­ge­ner Teil­neh­mer­kreis vor­liegt und der Erwerb der Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten auf eine anschlie­ßen­de Ver­wen­dung in der beruf­li­chen Tätig­keit ange­legt ist.

2. Pri­va­te Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten der in den NLP-Kur­sen ver­mit­tel­ten Lehr­in­hal­te sind unbe­acht­lich, wenn sie sich als blo­ße Fol­ge zwangs­läu­fig und untrenn­bar aus den im beruf­li­chen Inter­es­se gewon­ne­nen Kennt­nis­sen und Fähig­kei­ten erge­ben.

3. Ein homo­ge­ner Teil­neh­mer­kreis liegt auch dann vor, wenn die Teil­neh­mer zwar unter­schied­li­chen Berufs­grup­pen ange­hö­ren, aber auf­grund der Art ihrer beruf­li­chen Tätig­keit gleich­ge­rich­te­te fach­li­che Inter­es­sen haben.

(VI R 44/​04)

Bun­des­fi­nanz­hof, Urtei­le vom vom 28.08.08 – VI R 44/​04 und VI R 35/​05