Besteue­rung einer pri­va­ten Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te

Eine Inva­li­di­täts­ren­te aus einer pri­va­ten Unfall­ver­si­che­rung unter­liegt der Besteue­rung. So hat im hier vor­lie­gen­den Fall das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg ent­schie­den.

Besteue­rung einer pri­va­ten Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te

Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts wur­de die Inva­li­di­täts­ren­te aus der pri­va­ten Unfall­ver­si­che­rung zurecht vom Beklag­ten bei der Besteue­rung erfasst. Die Ren­te deckt nicht – wie eine pri­va­te Scha­den­er­satz­ren­te- nur einen Mehr­be­darf ab.

Die von der Klä­ge­rin bezo­ge­ne pri­va­te Berufs­un­fä­hig­keits­ren­te ist eine abge­kürz­te Leib­ren­te i.S. von § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a, bb des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG). Sie wird der Klä­ge­rin seit 2002 als Dau­er­leis­tung gewährt. Die Leis­tung kann nur wider­ru­fen wer­den, wenn die Min­de­rung der Erwerbs­fä­hig­keit der Klä­ge­rin unter 50% sin­ken soll­te. Dies ist zwi­schen den Betei­lig­ten unstrei­tig. Die Ren­te ist daher mit einem Ertrags­an­teil von 51% steu­er­pflich­tig, denn die Klä­ge­rin war bei Beginn des Ren­ten­be­zugs 17 Jah­re alt1.

Der Inva­li­di­täts­ren­te kommt dage­gen nicht der Cha­rak­ter einer Mehr­be­darfs­ren­te im Sin­ne des Aus­gleichs eines Scha­dens im Sinn der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zu2. In die­sem Urteil hat der Bun­des­fi­nanz­hof nur die Steu­er­frei­heit von Ren­ten­zah­lun­gen, die auf­grund einer pri­va­ten Scha­den­er­satz­pflicht ent­ste­hen, als nicht steu­er­pflich­tig beur­teilt. Mit dem Grund­ge­dan­ken des § 21 Abs. 1 Satz 1 EStG sei es nicht zu ver­ein­ba­ren, Scha­den­er­satz­leis­tun­gen nur des­halb als steu­er­pflich­tig zu behan­deln, weil sie als Ren­ten­zah­lun­gen geleis­tet wer­den, dage­gen die näm­li­che Zah­lung steu­er­frei zu belas­sen, wenn sie als ein­ma­li­ge Zah­lung erfol­ge. Die­se Ent­schei­dung des BFH kann über den ent­schie­de­nen Fall hin­aus nicht auf alle Ren­ten­zah­lun­gen aus­ge­dehnt wer­den.

Bei einer Inva­li­di­täts­ren­te wegen eines Unfalls oder einer Erkran­kung lie­gen schon die Vor­aus­set­zun­gen der Ver­let­zung eines höchst­per­sön­li­chen Gutes durch eine schä­di­gen­de Hand­lung eines Ande­ren nicht vor. Der Ren­ten­zah­lung liegt gera­de kein pri­vat­recht­li­cher Anspruch auf Aus­gleich eines durch einen Drit­ten ver­ur­sach­ten Scha­den (Mehr­be­darf) zugrun­de. Aus­gangs­punkt der Ren­ten­zah­lung ist viel­mehr die Erkran­kung der Klä­ge­rin. Die­ser Sach­ver­halt aber lässt sich mit der Ent­schei­dung zu einer Mehr­be­darfs­ren­te als Scha­dens­aus­gleich nicht ver­glei­chen.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 23. Juni 2010 – 1 K 721/​07

  1. BFH, Urteil vom 09.02.2005 – X R 11/​02, HFR 2005, 539; Weber-Grel­let in Schmidt‚ EStG § 22 Rz. 44 []
  2. BFH, Urteil vom 25.10.1986 – VIII R 79/​91, BSt­Bl II 1995, 121 []