Besteue­rung von Kin­der­zu­schüs­sen

Im Ver­gleich zu Kin­der­zu­schüs­sen aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung gemäß § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG, die steu­er­frei sind, han­delt es sich bei Kin­der­zu­schüs­sen zu einer Ren­te, die von einem berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­werk gezahlt wer­den, um steu­er­pflich­ti­ge Zuschüs­se nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG. Ein Ver­stoß gegen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot des Art. 3 GG ist in der unter­schied­li­chen Behand­lung der Kin­der­zu­schüs­se nicht zu sehen.

Besteue­rung von Kin­der­zu­schüs­sen

Mit die­ser Ent­schei­dung hat der Bun­des­fi­nanz­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Ehe­paa­res abge­wie­sen. Der Klä­ger war Arzt und bezieht seit dem 1. Novem­ber 2001 eine Alters­ren­te von der Nord­rhei­ni­schen Ärz­te­ver­sor­gung (N), einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rech­tes. Im Streit­jahr 2006 waren in den Ren­ten­ein­nah­men die Kin­der­zu­schüs­se für die bei­den min­der­jäh­ri­gen Kin­der in Höhe von jeweils 244,60 EUR monat­lich ent­hal­ten. Der Beklag­te und Revi­si­ons­be­klag­te (das Finanz­amt) besteu­er­te die Kin­der­zu­schüs­se gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG in der im Streit­jahr gül­ti­gen Fas­sung mit dem Besteue­rungs­an­teil von 50 %. Nach Auf­fas­sung der Klä­ger ver­stößt die unter­schied­li­che Behand­lung von Kin­der­zu­schüs­sen zu einer Ren­te aus einem berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­werk und von Kin­der­zu­schüs­sen zu einer Ren­te aus gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen, die nach § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG als steu­er­freie Ein­nah­men behan­delt wer­den, gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Ein sach­li­cher Grund für die­se Ungleich­be­hand­lung sei nicht erkenn­bar. Des­halb habe die Finanz­ver­wal­tung vor Inkraft­tre­ten des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes 1 auch Kin­der­zu­schüs­se zu einer Ren­te aus einem berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­werk nach § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG als steu­er­frei behan­delt 2. Nach Inkraft­tre­ten des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes habe die Finanz­ver­wal­tung an die­ser Auf­fas­sung aber nicht mehr fest­ge­hal­ten 3. Das Finanz­ge­richt hat die Kla­ge abge­wie­sen, wor­auf die Klä­ger Revi­si­on ein­ge­legt haben.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs bestehen kei­ne Beden­ken gegen die Ein­be­zie­hung der Kin­der­zu­schüs­se in die Vor­schrift des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG. Kin­der­zu­schüs­se, die eine berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ihren Mit­glie­dern zahlt, gehö­ren zu den ande­ren Leis­tun­gen, die gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG zu besteu­ern sind. Daher bestimmt sich der Besteue­rungs­an­teil der Kin­der­zu­schüs­se nach der Tabel­le des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa Satz 3 EStG.

Die Erwei­te­rung der Vor­schrift des § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a EStG auch auf ande­re Leis­tun­gen als Leib­ren­ten erfolg­te im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes auf Vor­schlag des Finanz­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges, um vor allem die Besteue­rung von Teil­ka­pi­ta­li­sie­run­gen zu ermög­li­chen 4. Durch die wei­te For­mu­lie­rung "ande­re Leis­tun­gen" sind Kin­der­zu­schüs­se, die eine berufs­stän­di­sche Ver­sor­gungs­ein­rich­tung ihren Mit­glie­dern sat­zungs­ge­mäß gewährt, von der Besteue­rung gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG umfasst 5.

Die Ein­be­zie­hung der Kin­der­zu­schüs­se als Teil der Basis­ver­sor­gung in die Besteue­rung gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG ist sys­tem­ge­recht. Die Besteue­rung der Basis­ver­sor­gung beruht auf dem Kon­zept der nach­ge­la­ger­ten Besteue­rung: Die Alters­ren­ten sind als sol­che steu­er­bar; zu berück­sich­ti­gen sind – wenn auch zeit­lich ver­setzt – Auf­wen­dun­gen und Erträ­ge, die sich aus den Bei­trä­gen und Ren­ten­zah­lun­gen erge­ben 6. Die­ser Befund gilt glei­cher­ma­ßen für berufs­stän­di­sche Kin­der­zu­schüs­se wie auch für Kin­der­zu­schüs­se, die von der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung gezahlt wer­den. Die Leis­tun­gen beru­hen auf den Bei­trä­gen, die der Steu­er­pflich­ti­ge in das Ver­sor­gungs­werk bzw. die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung als Basis­ver­sor­gung ein­ge­zahlt hat und die – wenn auch bis 2025 nur teil­wei­se – von ihm steu­er­min­dernd gel­tend gemacht wer­den konn­ten und kön­nen 7.

Der von den Klä­gern begehr­ten Geset­zes­aus­le­gung, die von N geleis­te­ten Kin­der­zu­schüs­se – eben­so wie die Kin­der­zu­schüs­se der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung – als steu­er­frei zu behan­deln, steht der ein­deu­ti­ge Wort­laut des § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG ent­ge­gen, nach dem ledig­lich die Kin­der­zu­schüs­se aus den gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen steu­er­frei sind. Für eine teleo­lo­gi­sche Exten­si­on der Vor­schrift auf Kin­der­zu­schüs­se aus berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen ist kein Raum 8.

Eine teleo­lo­gi­sche Exten­si­on zielt dar­auf ab, den zu engen Wort­laut eines Geset­zes auf des­sen wei­ter gehen­den Zweck aus­zu­deh­nen. Sie ist nicht bereits dann gerecht­fer­tigt, wenn die vom Gesetz­ge­ber getrof­fe­ne Ent­schei­dung rechts­po­li­tisch feh­ler­haft erscheint. Viel­mehr muss die auf den Wort­laut abstel­len­de Aus­le­gung zu einem sinn­wid­ri­gen Ergeb­nis, zu einem wirt­schaft­lich nicht ver­tret­ba­ren, unsin­ni­gen Ergeb­nis, zu einem der wirt­schaft­li­chen Ver­nunft wider­spre­chen­den Ergeb­nis oder zu einem so unsin­ni­gen Ergeb­nis füh­ren, dass es vom Gesetz­ge­ber nicht gewollt sein kann 9.

Wäh­rend die gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung wesent­lich durch das Soli­dar­prin­zip geprägt ist, folgt die berufs­stän­di­sche Alters­ver­sor­gung vor allem dem Äqui­va­lenz­prin­zip. Aus die­sem Grun­de las­sen nomi­nal glei­che Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung einer­seits und zu einem Ver­sor­gungs­werk ande­rer­seits selbst bei typi­sie­ren­der Betrach­tung kei­nen Rück­schluss auf ein glei­ches Ver­sor­gungs­ni­veau zu 10. Bereits vor die­sem Hin­ter­grund wäre es nach­voll­zieh­bar, dass der Gesetz­ge­ber bewusst nur die Kin­der­zu­schüs­se der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung als steu­er­frei behan­deln woll­te.

Auch ande­re Rege­lun­gen in § 3 EStG bele­gen, dass kind­be­zo­ge­ne Leis­tun­gen unter­schied­lich besteu­ert wer­den kön­nen. So sind nach § 3 Nr. 24 EStG Leis­tun­gen steu­er­frei, die auf­grund des Bun­des­kin­der­geld­ge­set­zes gewährt wer­den, wäh­rend gemäß § 3 Nr. 11 Satz 2 EStG Kin­der­zu­schlä­ge und ‑bei­hil­fen grund­sätz­lich steu­er­pflich­tig sind, die auf­grund der Besol­dungs­ge­set­ze, beson­de­rer Tari­fe oder ähn­li­cher Vor­schrif­ten gezahlt wer­den. Sie tei­len das steu­er­recht­li­che Schick­sal der Ver­gü­tung, als deren Bestand­teil oder Zusatz sie geleis­tet wer­den 11.

Dass der Gesetz­ge­ber dem­ge­gen­über in bestimm­ten Fäl­len die Leis­tun­gen sowohl der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­wer­ke als auch der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung von der Steu­er frei­stellt und damit gleich behan­delt, zeigt § 3 Nr. 3 Buchst. c EStG i.d.F. des JStG 2007. Die­se Vor­schrift ord­net aus­drück­lich die Steu­er­frei­heit der Leis­tun­gen der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen an, die den in Buchst. a und b die­ser Vor­schrift genann­ten Leis­tun­gen, wie z.B. Ren­ten­ab­fin­dun­gen und Bei­trags­er­stat­tun­gen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen, ent­spre­chen.

Es liegt kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ungleich­be­hand­lung der Klä­ger dar­in, dass nur die Kin­der­zu­schüs­se der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung und nicht auch die der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen gemäß § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG steu­er­frei sind. Aus Art. 3 Abs. 1 GG erge­ben sich je nach Rege­lungs­ge­gen­stand und Dif­fe­ren­zie­rungs­merk­ma­len unter­schied­li­che Gren­zen für den Gesetz­ge­ber. Bei gesetz­li­chen Dif­fe­ren­zie­run­gen kommt es wesent­lich dar­auf an, in wel­chem Maß sich die Ungleich­be­hand­lung auf die Aus­übung grund­recht­lich geschütz­ter Frei­hei­ten aus­wir­ken kann. Genaue­re Maß­stä­be und Kri­te­ri­en dafür, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen der Gesetz­ge­ber den Gleich­heits­satz ver­letzt, las­sen sich nur in Bezug auf die jeweils betrof­fe­nen unter­schied­li­chen Sach- und Rege­lungs­be­rei­che bestim­men 12.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat bereits frü­her ent­schie­den, dass der Gesetz­ge­ber nicht ver­pflich­tet gewe­sen sei, die Kin­der­zu­schlä­ge, die Beam­te nach dem Besol­dungs­recht erhal­ten, in bestimm­tem Umfang von der Ein­kom­men­steu­er frei­zu­stel­len, nach­dem die Steu­er­frei­heit für das Kin­der­geld nach dem Bun­des­kin­der­geld­ge­setz ein­ge­führt wor­den war. Die­se Fra­ge gehö­re in den Bereich der Steu­er- und Besol­dungs­po­li­tik; der Gesetz­ge­ber habe im Rah­men sei­nes poli­ti­schen Ermes­sens, nach­dem er die Steu­er­frei­heit für das Kin­der­geld ein­ge­führt hat­te, ohne Will­kür die Ein­kom­men­steu­er­pflicht der Kin­der­zu­schlä­ge wie bis­her auf­recht­erhal­ten kön­nen 13.

§ 3 Nr. 1 Buchst. b EStG ist durch das Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 1977 (StÄndG 1977) 14 auf Kin­der­zu­schüs­se der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung aus­ge­dehnt wor­den. In der Geset­zes­be­grün­dung zum StÄndG 1977 wur­de die Steu­er­frei­heit der Kin­der­zu­schüs­se aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung vor dem Hin­ter­grund, dass die­se Leis­tun­gen auf dem dama­li­gen Stand von monat­lich 152,90 DM bzw. 154,50 DM bei der knapp­schaft­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung begrenzt wer­den soll­ten, damit begrün­det, dass es unter die­sen Umstän­den ange­mes­sen sei, den Kin­der­zu­schuss aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung von der Ein­kom­men­steu­er zu befrei­en 15. Einer sol­chen betrags­mä­ßi­gen Ein­schrän­kung unter­la­gen die Kin­der­zu­schüs­se der berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen dem­ge­gen­über nicht.

Ein wei­te­rer Grund für die unter­schied­li­che Besteue­rung der Kin­der­zu­schüs­se liegt – wie vom Finanz­ge­richt dar­ge­legt – in der unter­schied­li­chen Behand­lung der Kin­der­zu­schüs­se im Rah­men des § 65 EStG. Nach § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG ist der Anspruch auf Kin­der­geld für ein Kind aus­ge­schlos­sen, für das u.a. Kin­der­zu­schüs­se aus den gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen gezahlt wer­den bzw. bei ent­spre­chen­der Antrag­stel­lung gezahlt wür­den. Der Kata­log der Aus­schluss­tat­be­stän­de in § 65 Abs. 1 Satz 1 EStG kann nicht durch ana­lo­ge Anwen­dung auf ande­re kind­be­zo­ge­ne Leis­tun­gen erwei­tert wer­den 16. Das bedeu­tet, dass der Anspruch auf Kin­der­geld nicht aus­ge­schlos­sen ist, wenn einem Eltern­teil ent­spre­chen­de Leis­tun­gen für Kin­der aus einer berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung zuste­hen 17.

Die berufs­stän­di­schen Kin­der­zu­schüs­se kön­nen zusätz­lich zum steu­er­recht­lich gere­gel­ten Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich (Kin­der­geld oder Frei­be­trä­ge gemäß § 32 Abs. 6 EStG) gewährt wer­den. Dem­ge­gen­über ver­drängt der Kin­der­zu­schuss aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung den Kin­der­geld­an­spruch und fließt zudem in die Güns­ti­ger­prü­fung des § 31 Satz 4 EStG ein, da es sich um eine mit dem Kin­der­geld ver­gleich­ba­re Leis­tung nach § 65 EStG han­delt 18. Die­se unter­schied­li­chen Rechts­fol­gen füh­ren dazu, dass die Bezie­her von berufs­stän­di­schen Kin­der­zu­schüs­sen im Ergeb­nis regel­mä­ßig eine bes­se­re Behand­lung erfah­ren, auch wenn die Zuschüs­se selbst nicht steu­er­frei sind. Eine wei­te­re steu­er­li­che Pri­vi­le­gie­rung ist gleich­heits­recht­lich nicht gebo­ten.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger war es nicht not­wen­dig, die Dif­fe­ren­zie­rungs­grün­de im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren aus­drück­lich zu benen­nen. Die Grün­de für die Steu­er­frei­heit der Kin­der­zu­schüs­se der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung waren bereits im Rah­men des StÄndG 1977 vom Gesetz­ge­ber dar­ge­legt wor­den. Zudem ist die ver­fas­sungs­recht­li­che For­de­rung, Dif­fe­ren­zie­rungs­grün­de im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren aus­drück­lich zu benen­nen, auf die Berück­sich­ti­gung spe­zi­fi­scher außer­fis­ka­li­scher Len­kungs- und För­de­rungs­zwe­cke beschränkt 19. Bei § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG han­delt es sich indes nicht um eine sol­che Len­kungs­norm. Viel­mehr beruht die Nicht­ein­be­zie­hung des berufs­stän­di­schen Kin­der­zu­schus­ses auf einem steu­er­li­chen Grund, näm­lich der gera­de dar­ge­stell­ten erhöh­ten Leis­tungs­fä­hig­keit des Bezie­hers die­ser Kin­der­zu­schüs­se, da sie ihm –im Gegen­satz zu den Kin­der­zu­schüs­sen der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung– zusätz­lich zum Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich gewährt wer­den kön­nen.

Eine Steu­er­frei­heit der Kin­der­zu­schüs­se ergibt sich auch nicht aus dem Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 12. Dezem­ber 1990 2, da Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen im All­ge­mei­nen weder eine einer Rechts­ver­ord­nung ver­gleich­ba­re Bin­dung aller Rechts­an­wen­der noch eine Bin­dung nach dem Grund­satz von Treu und Glau­ben her­bei­füh­ren kön­nen. Eine von den Gerich­ten zu beach­ten­de Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung besteht ledig­lich aus­nahms­wei­se in dem – im Streit­fall nicht gege­be­nen – Bereich der ihr vom Gesetz ein­ge­räum­ten Ent­schei­dungs­frei­heit, also im Rah­men des Ermes­sens, der Bil­lig­keit, der Typi­sie­rung oder Pau­scha­lie­rung 20.

Zudem hat­te die Finanz­ver­wal­tung bereits mit dem Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen von 2005 21 – und damit vor dem Streit­jahr 2006– unter Tz 89 aus­ge­führt, dass in Bezug auf Leis­tun­gen aus berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen unselb­stän­di­ge Bestand­tei­le der Ren­te (z.B. Kin­der­zu­schüs­se) zusam­men mit der Ren­te nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG zu ver­steu­ern sei­en. Dass das Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 12. Dezem­ber 1990 erst durch das Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen zur Ein­däm­mung der Nor­men­flut 22 – also nach dem Streit­jahr 2006 – for­mal auf­ge­ho­ben wur­de, ist uner­heb­lich. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen hat in sei­nem Schrei­ben in BSt­Bl I 2007, 369 aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, die Auf­he­bung habe dekla­ra­to­ri­schen Cha­rak­ter, soweit die auf­ge­ho­be­nen BMF-Schrei­ben bereits aus ande­ren Grün­den kei­ne Rechts­wir­kung mehr ent­fal­te­ten. So war es auch im Streit­fall: Durch das Alters­ein­künf­te­ge­setz sowie durch die ein­deu­ti­gen Aus­sa­gen des Schrei­bens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen in BSt­Bl I 2005, 429 bestand kein Zwei­fel dar­an, dass die erhal­te­nen Kin­der­zu­schüs­se als Leis­tun­gen der Basis­ver­sor­gung ab dem 1. Janu­ar 2005 mit ihrem Besteue­rungs­an­teil gemäß § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa EStG zu besteu­ern waren.

Soweit die Klä­ger der Auf­fas­sung sind, es lie­ge im Hin­blick auf die in § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG und § 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG nicht gere­gel­ten Kin­der­zu­schüs­se aus einem berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­werk eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke vor, die durch eine ana­lo­ge Anwen­dung bei­der Vor­schrif­ten zu schlie­ßen sei, fehlt es bereits an einer plan­wid­ri­gen Lücke in Bezug auf § 3 Nr. 1 Buchst. b EStG. Vor allem aber wird der Klä­ger als Bezie­her von Kin­der­zu­schüs­sen aus berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen dadurch, dass die­se Zuschüs­se nicht in den Anwen­dungs­be­reich des § 65 EStG fal­len, im Rah­men des Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleichs nicht benach­tei­ligt, son­dern güns­ti­ger behan­delt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 31. August 2011 – X R 11/​10

  1. Alt­Ein­kG vom 05.07.2004, BGBl I 2004, 1427[]
  2. Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 12.12.1990, Der Betrieb 1991, 136[][]
  3. Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 24.02.2005, BSt­Bl I 2005, 429, Rz 89[]
  4. vgl. Bericht des Finanz­aus­schus­ses vom 29.04.2004, BTDrucks 15/​3004, 19[]
  5. vgl. auch BMF-Schrei­ben vom 13.09.2010, BSt­Bl I 2010, 681, Rz 142; Schmidt/​Weber-Grel­let, EStG, 30. Aufl., § 22 Rz 101[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 26.11.2008 X R 15/​07, BFHE 223, 445, BSt­Bl II 2009, 710[]
  7. vgl. zu der ähn­li­chen Pro­ble­ma­tik der Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung BFH, Urteil vom 13.04.2011 X R 54/​09, BFHE 233, 487, BSt­Bl II 2011, 910[]
  8. so auch Jan­sen/­My­ßen/Kil­lat-Rist­haus, Ren­ten, Raten, Dau­ern­de Las­ten, 14. Aufl., Rz 1268; Niemann/​Risthaus, DB 2008, Bei­la­ge Nr. 4/​2008, 25[]
  9. BFH, Urteil vom 23.03.2011 X R 28/​09, BFHE 233, 404, BSt­Bl II 2011, 753, m.w.N.[]
  10. BFH, Urteil in BFHE 223, 445, BSt­Bl II 2009, 710[]
  11. vgl. Blümich/​Erhard, § 3 EStG Rz 563[]
  12. stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, sie­he z.B. BVerfG, Beschluss vom 26.07.2010 – 2 BvR 2227, 2228/​08, BFH/​NV 2010, 1983, m.w.N.[]
  13. BFH, Urteil vom 28.08.1959 – VI 111/​58 U, BFHE 69, 507, BSt­Bl III 1959, 449[]
  14. Steu­er­än­de­rungs­ge­setz vom 16.08.1977, BSt­Bl I 1977, 1586[]
  15. BTDrucks 8/​292, 21[]
  16. eben­so Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern, Dienst­an­wei­sung zur Durch­füh­rung des Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleichs nach dem X. Abschnitt des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes 65.1.1. Abs. 2, vom 30.09.2009, BSt­Bl I 2009, 1030, zuletzt geän­dert am 12.07.2011, BSt­Bl I 2011, 716; Wendl in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 65 EStG Rz 7; Felix, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff –KSM – , EStG, § 65 Rz B 54[]
  17. so bereits BSG, Urteil vom 08.04.1992 – 10 RKg 2/​99, BSGE 70, 257 zu der inso­weit wort­glei­chen Vor­gän­ger­vor­schrift des § 8 Abs. 1 Nr. 1 des BKGG in der im dama­li­gen Streit­jahr 1988 gel­ten­den Fas­sung; Felix, in: KSM, EStG, § 65 Rz B 18[]
  18. § 31 Satz 5 EStG i.V.m. § 65 Abs. 1 Satz 2 EStG; vgl. auch Schmidt/​Loschelder, a.a.O., § 31 Rz 18[]
  19. stän­di­ge Ver­fas­sungs­recht­spre­chung; vgl. BVerfG, Beschluss vom 12.05.2009 – 2 BvL 1/​00, BVerfGE 123, 111, unter B.I.2.c aa, m.w.N.[]
  20. stän­di­ge BFH-Recht­spre­chung, vgl z.B. Urteil vom 29.03.2007 – IV R 14/​05, BFHE 217, 525, BSt­Bl II 2007, 816, m.w.N.[]
  21. Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen in BSt­Bl I 2005, 429[]
  22. Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 29. März 2007, BSt­Bl I 2007, 369[]