Besuchs­fahr­ten zum Kind als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat ent­schie­den, dass Besuchs­fahr­ten zum aus­wärts woh­nen­den Kind nicht zu außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen füh­ren.

Besuchs­fahr­ten zum Kind als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Im Streit­fall ist der in Rhein­land-Pfalz ansäs­si­ge Klä­ger leib­li­cher Vater einer Toch­ter, die bei der Mut­ter in Nord­deutsch­land lebt. Nach sei­nen Anga­ben fand jeweils ein­mal im Monat ein „Besuchs­wo­chen­en­de“ statt, wes­we­gen der Klä­ger in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2007 Auf­wen­dun­gen von rd. 8.700.- € als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen gel­tend mach­te. Nach­dem das Finanz­amt die Berück­sich­ti­gung der Auf­wen­dun­gen bei den außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen abge­lehnt hat­te, erhob der Klä­ger Kla­ge vor dem Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz. Er mach­te gel­tend, der Gleich­heits­satz sei ver­letzt, wenn mit­tel­lo­sen Vätern Kos­ten von rd. 3.600.- € im Jahr ersetzt wür­den, wäh­rend Vätern mit Ein­kom­men – wie hier – die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung der ent­stan­de­nen Kos­ten ver­sagt wer­de. Er wies auf eine Ent­schei­dung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 24.11.2010 1 hin. In die­sem Ver­fah­ren sei ent­schie­den wor­den, dass der Trä­ger der Grund­si­che­rung die Umgangs­kos­ten eines Vaters über­neh­men müs­se, des­sen Kind sei­nen Wohn­sitz in den USA habe.

Die Kla­ge hat­te jedoch kei­nen Erfolg. Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, im Streit­fall sei­en kei­ne steu­er­lich berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen gege­ben. Der Gesetz­ge­ber habe die Auf­wen­dun­gen des nicht sor­ge­be­rech­tig­ten Eltern­teils für den Umgang mit sei­nem Kind den typi­schen Auf­wen­dun­gen der Lebens­füh­rung zuge­ord­net, die durch den Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich – bei­spiels­wei­se der auch dem nicht Sor­ge­be­rech­tig­ten zuste­hen­de Kin­der­frei­be­trag oder das Kin­der­geld – berück­sich­tigt wür­den. Die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, dass Auf­wen­dun­gen des getrennt leben­den Eltern­teils für den Umgang mit Kin­dern durch den Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich abge­gol­ten sei­en, lie­ge auch im Rah­men des gesetz­ge­be­ri­schen Rege­lungs­spiel­raums. Das steu­er­recht­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum, das die exis­tenz­not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen bei allen Steu­er­pflich­ti­gen typi­sie­rend anset­ze, müs­se sol­chen indi­vi­du­el­len Son­der­be­darf nicht aus­glei­chen.

Wegen der Befug­nis des Gesetz­ge­bers das steu­er­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum und den Fami­li­en­leis­tungs­aus­gleich typi­sie­rend zu regeln, kön­ne eine Ungleich­be­hand­lung ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers auch nicht dar­aus her­ge­lei­tet wer­den, dass einem Bezie­her von Harz-IV Leis­tun­gen im Wege des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes durch das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz ein Son­der­be­darf für sei­ne in den USA leben­de Toch­ter zuge­stan­den wor­den sei. Das sei kein ver­gleich­ba­rer Sach­ver­halt. Dem­ge­gen­über habe bereits der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass Steu­er­pflich­ti­ge, die Auf­wen­dun­gen für Besuchs­fahr­ten nicht gel­tend machen könn­ten, nicht in ihren Grund­rech­ten ver­letzt wür­den, u.a., weil der Gesetz­ge­ber auch im Bereich des sub­jek­ti­ven Net­to­prin­zips gene­ra­li­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Rege­lun­gen tref­fen dür­fe, ohne wegen der damit ver­bun­de­nen Här­ten gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz zu ver­sto­ßen. Dem schloss sich auch das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz an und wies dar­auf hin, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die zu die­ser Fra­ge erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men habe, was die Aus­sichts­lo­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de bele­ge.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 12. Sep­tem­ber 2011 – 5 K 2011/​10

  1. LSG Rhein­land-Pfalz – L 1 SO 133/​10 B ER, NJW 2011, 1837[]