Das im Aus­land stu­die­ren­de Kind – und sein inlän­di­scher Wohn­sitz

Wäh­rend eines mehr­jäh­ri­gen Aus­lands­auf­ent­halts zum Zwe­cke einer Berufs­aus­bil­dung behält ein Kind nach der Recht­spre­chung des Bun­de­fi­nanz­hofs sei­nen Wohn­sitz in der Woh­nung der Eltern im Inland im Regel­fall nur dann bei, wenn es die­se Woh­nung zumin­dest über­wie­gend in den aus­bil­dungs­frei­en Zei­ten nutzt 1. Nicht erfor­der­lich ist hin­ge­gen, dass das Kind den weit über­wie­gen­den Teil der aus­bil­dungs­frei­en Zeit im Inland ver­bringt 2.

Das im Aus­land stu­die­ren­de Kind – und sein inlän­di­scher Wohn­sitz

Die­ser Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist nicht zu ent­neh­men, dass ein im Aus­land stu­die­ren­des Kind sei­nen inlän­di­schen Wohn­sitz dadurch bei­be­hält, dass es mit sei­nen Eltern einen Erho­lungs­ur­laub im Aus­land ver­bringt. Denn es kommt gera­de nicht auf die per­sön­li­che Bezie­hung zu den Eltern, son­dern auf die Bezie­hung zur elter­li­chen Woh­nung an 3.

Die Beant­wor­tung der Fra­ge, ob ein Kind, das sich zu Aus­bil­dungs­zwe­cken im Aus­land auf­hält, sei­nen inlän­di­schen Wohn­sitz bei den Eltern bei­be­hält, liegt weit­ge­hend auf tat­säch­li­chem Gebiet unter Berück­sich­ti­gung der objek­ti­ven Umstän­de des jewei­li­gen Fal­les, so dass sich gene­rel­le Regeln nicht ohne Wei­te­res auf­stel­len las­sen. Die Umstän­de müs­sen aber nach der Lebens­er­fah­rung den Schluss zulas­sen, dass das Kind die Woh­nung inne­hat, um sie als sol­che zu nut­zen. Anhalts­punk­te dafür sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs neben der vor­aus­sicht­li­chen Dau­er der aus­wär­ti­gen Unter­brin­gung, der Art der Unter­brin­gung am Aus­bil­dungs­ort auf der einen und im Eltern­haus auf der ande­ren Sei­te, dem Zweck des Aus­lands­auf­ent­halts und den per­sön­li­chen Bezie­hun­gen des Kin­des am Wohn­ort der Eltern einer­seits und am Aus­bil­dungs­ort ande­rer­seits vor­nehm­lich Dau­er und Häu­fig­keit der Inlands­auf­ent­hal­te 4. Die Inne­ha­bung und Bei­be­hal­tung einer inlän­di­schen Woh­nung lässt sich danach nicht dar­aus her­lei­ten, dass ein Kind, dass im Her­kunfts­land sei­ner Fami­lie aus­ge­bil­det wird, dort mit sei­nen Eltern Urlau­be ver­bringt; Auf­ent­hal­te der Eltern mit den Kin­dern außer­halb Deutsch­lands haben regel­mä­ßig kei­ne aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung für die Bei­be­hal­tung des inlän­di­schen Wohn­sit­zes 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 17. Mai 2017 – III B 92/​16

  1. BFHE 247, 239, BSt­Bl II 2015, 655; BFHE 250, 381, BSt­Bl II 2016, 102[]
  2. BFHE 250, 381, BSt­Bl II 2016, 102[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 247, 239, BSt­Bl II 2015, 655, Rz 18[]
  4. z.B. BFH, Urteil in BFHE 247, 239, BSt­Bl II 2015, 655, Rz 19 f.[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 247, 239, BSt­Bl II 2015, 655, Rz 25[]