Das Ein­kom­men einer liech­ten­stei­ni­schen Stif­tung

Die Zurech­nung des Ein­kom­mens nach § 15 Abs. 1 Satz 1 AStG a.F. setzt vor­aus, dass die aus­län­di­sche Stif­tung eige­ne Ein­künf­te erzielt. Dies ist nicht der Fall, wenn die betref­fen­den Ein­künf­te unmit­tel­bar dem Stif­ter zuzu­rech­nen sind.

Das Ein­kom­men einer liech­ten­stei­ni­schen Stif­tung

Gegen eine Zurech­nung des Ein­kom­mens einer liech­ten­stei­ni­schen Stif­tung nach § 15 Abs. 1 Satz 1 AStG a.F. bestehen kei­ne uni­ons­recht­li­chen Beden­ken.

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 AStG a.F. wird für Zwe­cke der Ein­kom­men­steu­er das Ein­kom­men einer Fami­li­en­stif­tung i.S. des § 15 Abs. 2 AStG a.F., die sowohl ihren Sitz als auch ihre Geschäfts­lei­tung im Aus­land hat, dem unbe­schränkt steu­er­pflich­ti­gen Stif­ter zuge­rech­net. Die­se Zurech­nung setzt vor­aus, dass die Fami­li­en­stif­tung ein ent­spre­chen­des Ein­kom­men im steu­er­recht­li­chen Sinn erzielt1. Die Vor­schrift regelt nur die Zurech­nung des Ein­kom­mens, nicht aber die –vor­ge­la­ger­te– Fra­ge der Erzie­lung von Ein­künf­ten2. Die mit der Anwen­dung des § 15 AStG a.F. ein­her­ge­hen­de Durch­bre­chung der Abschirm­wir­kung aus­län­di­scher Rechts­trä­ger tritt somit –abwei­chend von der Rege­lungs­la­ge bei ein­schlä­gi­gen Miss­brauchs­ver­mei­dungs­vor­schrif­ten (vgl. §§ 7 ff. AStG a.F.), denen sowohl nach ihrem Tat­be­stand als auch nach ihrer Rechts­fol­ge spe­zi­al­ge­setz­li­cher Vor­rang zukommt3– zurück, wenn die betref­fen­den Ein­künf­te auf­grund all­ge­mei­ner Rege­lun­gen nicht der Stif­tung, son­dern einer ande­ren Per­son –dem Stif­ter– zuzu­rech­nen sind4. Ob sich an die­ser Rechts­la­ge durch die Anfü­gung des § 15 Abs. 6 AStG durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2009 (AStG n.F.) etwas geän­dert hat, bedarf jeden­falls für das Streit­jahr kei­ner Ent­schei­dung (vgl. § 21 Abs. 18 Satz 1 AStG n.F.).

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 22. Dezem­ber 2010 – I R 84/​09

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 08.04.2009 – I B 223/​08, BFH/​NV 2009, 1437; Urtiel vom 05.11.1992 – I R 39/​92, BFHE 170, 62, BSt­Bl II 1993, 388 []
  2. vgl. BFH, Ureil vom 02.02.1994 – I R 66/​92, BFHE 173, 404, BSt­Bl II 1994, 727 []
  3. vgl. z.B. BFH, Urteil vom 29.01.2008 – I R 26/​06, BFHE 220, 392, BSt­Bl II 2008, 978 []
  4. eben­so z.B. Blümich/​Vogt, EStG/​KStG/​GewStG, § 15 AStG Rz 1; Schulz in Lade­mann, EStG, § 15 AStG Rz 7; Was­ser­mey­er, IStR 2009, 191; Was­ser­mey­er in Flick/​Wassermeyer/​Baumhoff, Außen­steu­er­recht, § 15 AStG Rz 28 zu Stif­tun­gen in Liech­ten­stein unter Ver­weis auf BFH, Urteil vom 15.07.1997 – VIII R 56/​93, BFHE 183, 518, BSt­Bl II 1998, 152; Rund­s­ha­gen in Strunk/​Kaminski/​Köhler, AStG/​DBA, § 15 AStG Rz 23; Wenz/​Linn in Haa­se, Außen­steu­er­ge­setz/​Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men, § 15 AStG Rz 32; Schulz, Die Besteue­rung aus­län­di­scher Fami­li­en­stif­tun­gen nach dem Außen­steu­er­ge­setz, 2010, S. 94 ff.; vgl. auch Kirch­hain, Die Fami­li­en­stif­tung im Außen­steu­er­recht, 2010, S. 101 f. sowie der­sel­be in Mössner/​Fuhrmann, Außen­steu­er­ge­setz, 2. Aufl., § 15 Rz 21; Schütz, DB 2008, 603; zu öster­rei­chi­schen Stif­tun­gen auch von Löwe, IStR 2005, 577; s. auch BMF, Schrei­ben vom 16.09.2004 – IV A 4 – S 1928 – 120/​04, IV A 4 – S 1928 – 94/​04, dort Ant­wort zu Fra­ge 19, Absatz 3 []