Das häus­li­che Arbeits­zim­mer eines Rich­ters

Gemäß § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG usw. kann ein Steu­er­pflich­ti­ger Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer nicht als Wer­bungs­kos­ten abzie­hen. Dies gilt nicht, wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung steht (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG).

Das häus­li­che Arbeits­zim­mer eines Rich­ters

In die­sem Fall wird die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen auf 1.250 EUR begrenzt; die Beschrän­kung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­det (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG). Die genann­te Rege­lung kommt auch für die Streit­jah­re zur Anwen­dung. Denn nach § 52 Abs. 12 Satz 9 EStG gilt sie für alle offe­nen Fäl­le ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2007.

"Ande­rer Arbeits­platz" i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG ist grund­sätz­lich jeder Arbeits­platz, der zur Erle­di­gung büro­mä­ßi­ger Arbei­ten geeig­net ist 1. Ent­spre­chend hat das Finanz­ge­richt das von der Klä­ge­rin genutz­te Dienst­zim­mer zu Recht als "ande­ren Arbeits­platz" i.S. des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 2 EStG ange­se­hen.

Wei­te­re Vor­aus­set­zung für das Ein­grei­fen der Abzugs­be­schrän­kung ist, dass der ande­re Arbeits­platz für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Betä­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen zur Ver­fü­gung steht. Ein ande­rer Arbeits­platz steht nur dann für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen zur Ver­fü­gung, wenn ihn der Steu­er­pflich­ti­ge in dem kon­kret erfor­der­li­chen Umfang und in der kon­kret erfor­der­li­chen Wei­se tat­säch­lich nut­zen kann. Denn nur dann ist er nicht auf das häus­li­che Arbeits­zim­mer ange­wie­sen. Muss der Steu­er­pflich­ti­ge hin­ge­gen einen nicht uner­heb­li­chen Teil sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit im häus­li­chen Arbeits­zim­mer erle­di­gen, weil er sei­nen Arbeits­platz nur ein­ge­schränkt nut­zen kann, kommt das Abzugs­ver­bot nicht zum Tra­gen. Denn in einem sol­chen Fall ist das Arbeits­zim­mer not­wen­dig, so dass sich der Steu­er­pflich­ti­ge den Auf­wen­dun­gen für das häus­li­che Arbeits­zim­mer nicht ent­zie­hen kann 2. Ent­schei­dend ist, ob gewähr­leis­tet ist, dass der Arbeit­neh­mer sei­ne beruf­li­che Tätig­keit in dem kon­kret erfor­der­li­chen Umfang an dem "ande­ren Arbeits­platz" erle­di­gen kann 3.

Ein Arbeits­platz ist nicht geeig­net für die Erle­di­gung der kon­kret erfor­der­li­chen beruf­li­chen Tätig­kei­ten, wenn die zuläs­si­gen Grenz­wer­te für Lärm­be­läs­ti­gun­gen über­schrit­ten wer­den. Auf­grund dro­hen­der Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gung ist ein Dienst­zim­mer dann objek­tiv unge­eig­net, die erfor­der­li­chen Büro­ar­bei­ten dar­in zu ver­rich­ten. Dies ist dann der Fall, wenn arbeits­schutz­recht­lich zu beach­ten­de Vor­ga­ben (z.B. § 6 der der Sicher­heit und dem Gesund­heits­schutz die­nen­den Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung zur Grö­ße der Dienst­zim­mer oder die Grenz­wer­te der Lärm- und Vibra­ti­ons-Arbeits­schutz­ver­ord­nung) nicht ein­ge­hal­ten wer­den.

Ein über 1.250 € hin­aus­ge­hen­der Abzug von Wer­bungs­kos­ten schon des­halb nicht in Betracht, weil sich der Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Betä­ti­gung eines Rich­ters nicht im häus­li­chen Arbeits­zim­mer befin­det. Den Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit eines Rich­ters bil­det das Gericht 4. Dies gilt unab­hän­gig davon, in wel­chem Umfang dort neben der den eigent­li­chen qua­li­ta­ti­ven Schwer­punkt bil­den­den Tätig­keit, die sich in Sit­zun­gen und in münd­li­chen Ver­hand­lun­gen mani­fes­tiert, Ent­schei­dun­gen schrift­lich vor­be­rei­tet und abge­fasst wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Novem­ber 2014 – VI R 4/​14

  1. BFH, Urteil vom 26.02.2014 – VI R 37/​13, BFHE 245, 22, BSt­Bl II 2014, 570[]
  2. BFH, Urtei­le vom 26.02.2014 – VI R 40/​12, BFHE 245, 14, BSt­Bl II 2014, 568; in BFHE 245, 22, BSt­Bl II 2014, 570[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 245, 22, BSt­Bl II 2014, 570; vom 26.02.2014 – VI R 11/​12, BFHE 245, 150, BSt­Bl II 2004, 674[]
  4. z.B. BFH, Urteil vom 08.12 2011 – VI R 13/​11, BFHE 236, 92, BSt­Bl II 2012, 236[]