Das häus­li­che Arbeits­zim­mer und der steu­er­freie Auf­wen­dungs­er­satz des Arbeit­ge­bers

Nach § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 1 EStG gehör­ten Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer sowie die Kos­ten der Aus­stat­tung zu den nicht abzugs­fä­hi­gen Wer­bungs­kos­ten. Dies galt nach Satz 2 die­ser Vor­schrift dann nicht, wenn die betrieb­li­che oder beruf­li­che Nut­zung des Arbeits­zim­mers mehr als 50 % der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Tätig­keit betra­gen oder wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung gestan­den hat­te. In die­sen Fäl­len war nach Satz 3 1. Halb­satz die­ser Vor­schrift die Höhe der abzieh­ba­ren Auf­wen­dun­gen auf 2.400 DM begrenzt; nach Satz 3 2. Halb­satz die­ser Vor­schrift galt die Beschrän­kung der Höhe nach dann nicht, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­de­te.

Das häus­li­che Arbeits­zim­mer und der steu­er­freie Auf­wen­dungs­er­satz des Arbeit­ge­bers

Nach der zu § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG i.d.F. des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 1996 ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs bestimmt sich bei einem Steu­er­pflich­ti­gen, der ledig­lich eine ein­zi­ge beruf­li­che Tätig­keit –teil­wei­se zu Hau­se und teil­wei­se aus­wärts– aus­übt, der Mit­tel­punkt danach, ob er im Arbeits­zim­mer die­je­ni­gen Hand­lun­gen vor­nimmt und Leis­tun­gen erbringt, die für den aus­ge­üb­ten Beruf wesent­lich und prä­gend sind 1 Die­se für den Beruf wesent­li­chen und prä­gen­den Leis­tun­gen wer­den auch mit dem Begriff des inhalt­li­chen (qua­li­ta­ti­ven) Schwer­punkts der betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung des Steu­er­pflich­ti­gen umschrie­ben. Die­se Grund­sät­ze hat das Finanz­ge­richt im Rah­men sei­ner Wür­di­gung beach­tet. Denn der Klä­ger war danach vor allem mit der Über­wa­chung der Betrie­be beschäf­tigt, mit deren Bera­tung und deren Schu­lung, der Ermitt­lung von Unfall­ur­sa­chen und der Ursa­chen von Berufs­krank­hei­ten. Die dar­an anknüp­fen­de Wür­di­gung, dass ange­sichts des­sen der inhalt­lich qua­li­ta­ti­ve Schwer­punkt der beruf­li­chen und betrieb­li­chen Betä­ti­gung des Klä­gers vor Ort in den Betrie­ben gele­gen habe und daher des­sen häus­li­ches Arbeits­zim­mer nicht der Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung gewe­sen sei, ist revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den; sie wird von den Klä­gern auch nicht mehr infra­ge gestellt.

Auf­grund der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 2 sind steu­er­freie Bezü­ge i.S. des § 3 Nr. 12 Satz 2 EStG nur inso­weit anzu­set­zen, als sol­che Auf­wen­dun­gen als Erwerbs­auf­wen­dun­gen abzieh­bar sind; das sind im Streit­fall hier höchs­tens 2.400 DM nach § 9 Abs. 5 i.V.m. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Steu­er­be­frei­ung kommt nicht in Betracht.

Nach § 3c EStG dür­fen indes Aus­ga­ben, soweit sie mit steu­er­frei­en Ein­nah­men in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen, nicht als Betriebs­aus­ga­ben oder Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den. Das bedeu­tet im Streit­fall, dass die bei den Ein­künf­ten des Klä­gers ange­setz­ten Ein­nah­men zwar um den steu­er­frei­en Betrag in Höhe von 2.400 DM zu kür­zen sind, dass dann aber nach § 3c EStG der Wer­bungs­kos­ten­ab­zug für das häus­li­che Arbeits­zim­mer des Klä­gers eben­falls um 2.400 DM zu kür­zen ist. Denn die vom Arbeit­ge­ber monat­lich geleis­te­ten Zah­lun­gen in Höhe von 250 DM ste­hen inso­weit als steu­er­freie Ein­nah­men i.S. des § 3c EStG in unmit­tel­ba­rem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang mit den vom Klä­ger gel­tend gemach­ten Wer­bungs­kos­ten für des­sen häus­li­ches Arbeits­zim­mer. Im Ergeb­nis füh­ren damit die von der Arbeit­ge­be­rin des Klä­gers geleis­te­ten Zah­lun­gen ledig­lich in Höhe von 600 DM zu ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­ten.

Zu dem näm­li­chen Ergeb­nis gelangt man im Streit­fall auch dann, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für eine steu­er­freie Erstat­tung von Auf­wen­dun­gen i.S. des § 3 Nr. 12 Satz 2 EStG nicht vor­lie­gen soll­ten. Denn in die­sem Fall sind einer­seits in die Ein­nah­men des Klä­gers aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit die Arbeit­ge­ber­zah­lun­gen in Höhe von 3.000 DM ein­zu­be­zie­hen, ande­rer­seits aber für das häus­li­che Arbeits­zim­mer der Wer­bungs­kos­ten­ab­zug unge­kürzt in Höhe von 2.400 DM zu gewäh­ren. Damit füh­ren auch auf Grund­la­ge die­ser vom Finanz­amt ver­tre­te­nen Auf­fas­sung die Arbeit­ge­ber­zah­lun­gen ledig­lich in Höhe von 600 DM zu ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Juni 2013 – VI R 37/​11

  1. BFH, Urteil vom 27.10.2011 – VI R 71/​10, BFHE 235, 448, BSt­Bl II 2012, 234, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 08.03.2006 – IX R 76/​01, BFH/​NV 2006, 1810; BFH, Urteil vom 29.11.2006 – VI R 3/​04, BFHE 216, 163, BSt­Bl II 2007, 308[]
  3. FG Müns­ter, Be­schluss vom 08.05.2009 – 1 K 2872/​08 E[]