Das Sky-Bun­des­li­ga-Abo – als Wer­bungs­kos­ten eines Fuß­ball­trai­ners

Die Auf­wen­dun­gen eines Fuß­ball­trai­ners für ein Sky-Bun­des­li­ga-Abo kön­nen Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit sein, wenn tat­säch­lich eine beruf­li­che Ver­wen­dung vor­liegt.

Das Sky-Bun­des­li­ga-Abo – als Wer­bungs­kos­ten eines Fuß­ball­trai­ners

Wer­bungs­kos­ten sind Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung der Ein­nah­men (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG). Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs lie­gen Wer­bungs­kos­ten vor, wenn zwi­schen den Auf­wen­dun­gen und den steu­er­pflich­ti­gen Ein­nah­men ein Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang besteht. Davon ist aus­zu­ge­hen, wenn die Auf­wen­dun­gen mit der Ein­künf­te­er­zie­lung objek­tiv zusam­men­hän­gen und ihr sub­jek­tiv zu die­nen bestimmt sind, d.h. wenn sie in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang mit den Ein­nah­men aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit ste­hen. Maß­geb­lich dafür, ob ein sol­cher Zusam­men­hang besteht, ist zum einen die ‑wer­ten­de- Beur­tei­lung des die betref­fen­den Auf­wen­dun­gen "aus­lö­sen­den Moments", zum ande­ren des­sen Zuwei­sung zur ein­kom­men­steu­er­recht­lich rele­van­ten Erwerbs­sphä­re. Dabei bil­den die Grün­de, die den Steu­er­pflich­ti­gen zu den Auf­wen­dun­gen bewo­gen haben, das aus­lö­sen­de Moment.

Ergibt die Prü­fung, dass die Auf­wen­dun­gen nicht oder in nur unbe­deu­ten­dem Maße auf pri­va­ten, der Lebens­füh­rung des Steu­er­pflich­ti­gen zuzu­rech­nen­den Umstän­den beru­hen, so sind sie grund­sätz­lich als Wer­bungs­kos­ten abzu­zie­hen. Beru­hen die Auf­wen­dun­gen hin­ge­gen nicht oder in nur unbe­deu­ten­dem Maße auf beruf­li­chen Umstän­den, so sind sie nicht abzieh­bar 1. Ist der erwerbs­be­zo­ge­ne Anteil nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung, kann eine Auf­tei­lung und ein Abzug des beruf­lich ver­an­lass­ten Teils der Kos­ten in Betracht kom­men, sofern der den Beruf för­dern­de Teil der Auf­wen­dun­gen sich nach objek­ti­ven Maß­stä­ben zutref­fend und in leicht nach­prüf­ba­rer Wei­se abgren­zen lässt 2.

Gemäß § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG sind Wer­bungs­kos­ten auch Auf­wen­dun­gen für Arbeits­mit­tel. Hier­un­ter fal­len alle mate­ri­el­len und imma­te­ri­el­len Wirt­schafts­gü­ter, die unmit­tel­bar der Erle­di­gung beruf­li­cher Auf­ga­ben die­nen. Ande­rer­seits dür­fen Auf­wen­dun­gen für die Lebens­füh­rung, die die wirt­schaft­li­che oder gesell­schaft­li­che Stel­lung des Steu­er­pflich­ti­gen mit sich bringt, nach § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG nicht als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den, auch wenn sie zur För­de­rung des Berufs oder der Tätig­keit des Steu­er­pflich­ti­gen getä­tigt wer­den 3.

Bei Gegen­stän­den, die auch im Rah­men der all­ge­mei­nen Lebens­füh­rung genutzt wer­den kön­nen, ist für die Ein­ord­nung als Arbeits­mit­tel der tat­säch­li­che Ver­wen­dungs­zweck im Ein­zel­fall maß­geb­lich 4. Die Güter müs­sen aus­schließ­lich oder zumin­dest weit­aus über­wie­gend beruf­lich genutzt wer­den. Eine gering­fü­gi­ge pri­va­te Mit­be­nut­zung ist unschäd­lich. Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, ist unter Wür­di­gung aller Umstän­de nach der Funk­ti­on des Wirt­schafts­guts im Ein­zel­fall fest­zu­stel­len 5.

Nach die­sen Maß­stä­ben kann das Urteil des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf 6 kei­nen Bestand haben. In der Vor­ent­schei­dung feh­len Fest­stel­lun­gen zur tat­säch­li­chen Ver­wen­dung des Sky-Bun­des­li­ga­pa­kets durch den Klä­ger. Die Vor­ent­schei­dung gibt inso­weit ledig­lich das Vor­brin­gen des Klä­gers wie­der, er habe das Paket ein­schließ­lich Sky Go aus­schließ­lich genutzt, um aus den über­tra­ge­nen Spie­len Erkennt­nis­se für sei­ne beruf­li­che Tätig­keit zu gewin­nen. Das Finanz­ge­richt hat jedoch kei­ne Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen, ob und inwie­weit die­ser Vor­trag zutrifft.

Statt­des­sen stützt das Finanz­ge­richt sei­ne Ent­schei­dung ohne wei­te­re Sach­auf­klä­rung allein auf den Cha­rak­ter des strei­ti­gen Abon­ne­ments, das mit dem Bezug von all­ge­mein­bil­den­den Tages­zei­tun­gen eher als mit Fach­zeit­schrif­ten ver­gleich­bar sei. Aller­dings unter­schei­det sich das Sky-Bun­des­li­ga-Abon­ne­ment von Tages­zei­tun­gen dadurch, dass Tages­zei­tun­gen in einem breit­ge­fä­cher­ten Spek­trum über The­men aus Poli­tik, Wirt­schaft, Gesell­schaft, Kul­tur, Sport und ande­ren Berei­chen berich­ten 7, wohin­ge­gen das Sky-Bun­des­li­ga-Abon­ne­ment ‑vor­aus­ge­setzt, das Vor­brin­gen des Klä­gers ist zutref­fend- in sei­nem gesam­ten Ange­bot den beruf­li­chen Inter­es­sen des Klä­gers zu die­nen geeig­net ist. Denn es umfasst nicht den Bereich Sport all­ge­mein, son­dern nur Bun­des­li­ga­spie­le. Zwar ist der Inhalt des Pakets ‑wie auch das Finanz­ge­richt zu Recht aus­führt- nicht nach Art einer Fach­zeit­schrift auf ein Fach­pu­bli­kum zuge­schnit­ten. Dies steht der Annah­me einer nahe­zu aus­schließ­li­chen beruf­li­chen Ver­wen­dung aber ins­be­son­de­re auch des­halb nicht ent­ge­gen, weil ein auf das Berufs­bild des Klä­gers zuge­schnit­te­nes Ange­bot nicht auf dem Markt erhält­lich sein dürf­te. Allein aus dem all­ge­mei­nen Cha­rak­ter des Abon­ne­ments kann daher nicht auf sei­nen kon­kre­ten Ver­wen­dungs­zweck im Streit­fall geschlos­sen wer­den.

Die Vor­ent­schei­dung ist danach auf­zu­he­ben. Das Finanz­ge­richt wird im zwei­ten Rechts­gang die not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen zur tat­säch­li­chen Ver­wen­dung des Sky-Bun­des­li­ga-Abon­ne­ments nach­ho­len müs­sen. Inso­weit kommt auch die Ver­neh­mung von Trai­ner­kol­le­gen des Klä­gers und von Spie­lern des M in Betracht.

Soll­te das Finanz­ge­richt danach eine beruf­li­che Ver­wen­dung des Sky-Bun­des­li­ga­pa­kets fest­stel­len, wird es die hier­auf ent­fal­len­den Auf­wen­dun­gen als Wer­bungs­kos­ten anzu­er­ken­nen haben.

Hin­sicht­lich der Zweit­kar­te und der eben­falls gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen für Sky GO wird es auch fest­zu­stel­len haben, ob inso­weit eine pri­va­te Nut­zung vor­liegt, und dann ggf. den hier­auf ent­fal­len­den Anteil vom Abzug als Wer­bungs­kos­ten aus­schlie­ßen. Im Rah­men sei­ner Wür­di­gung wird das Finanz­ge­richt wei­ter zu berück­sich­ti­gen haben, dass der Klä­ger erst ab dem Monat Juli 2012 als Tor­wart­trai­ner tätig war. Vor­aus­set­zung für einen Wer­bungs­kos­ten­ab­zug für das gesam­te Streit­jahr 2012 ist, dass auch für die Mona­te Janu­ar bis Juni 2012 eine beruf­li­che Nut­zung im Rah­men der vor­an­ge­gan­ge­nen Tätig­keit des Klä­gers als Co-Trai­ner vor­liegt, was der Klä­ger bis­her nicht vor­ge­tra­gen hat.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Janu­ar 2019 – VI R 24/​16

  1. BFH, Beschluss vom 21.09.2009 – GrS 1/​06, BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672[]
  2. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672; BFH, Beschluss vom 24.09.2013 – VI R 35/​11, BFH/​NV 2014, 500; BFH, Urteil vom 08.07.2015 – VI R 46/​14, BFHE 250, 392, BSt­Bl II 2015, 1013[]
  3. BFH, Urteil vom 12.11.1982 – VI R 193/​79; BFH, Beschluss vom 07.04.2005 – VI B 168/​04, BFH/​NV 2005, 1300[]
  4. BFH, Beschluss vom 30.06.2010 – VI R 45/​09, BFHE 230, 348, BSt­Bl II 2011, 45, m.w.N.[]
  5. BFH, Beschluss in BFHE 230, 348, BSt­Bl II 2011, 45, m.w.N.[]
  6. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 14.09.2015 – 15 K 1712/​15 E[]
  7. s. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2005, 1300[]