Das ame­ri­ka­ni­sche Spin-off – und die Rück­ge­währ von Eigen­ka­pi­tal

Eine Rück­ge­währ von Eigen­ka­pi­tal i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG im Rah­men eines "Spin-off" einer US-ame­ri­ka­ni­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft liegt vor, soweit die Leis­tun­gen der Kapi­tal­ge­sell­schaft im Wirt­schafts­jahr das Nenn­ka­pi­tal und den im Vor­jahr fest­ge­stell­ten aus­schütt­ba­ren Gewinn über­stei­gen oder wenn sich dies aus der Bilanz der aus­schüt­ten­den Gesell­schaft ergibt.

Das ame­ri­ka­ni­sche Spin-off – und die Rück­ge­währ von Eigen­ka­pi­tal

Bei der Anwen­dung des deut­schen Steu­er­rechts auf aus­län­di­sche Sach­ver­hal­te ist eine rechts­ver­glei­chen­de Qua­li­fi­zie­rung der aus­län­di­schen Ein­künf­te nach deut­schem Recht vor­zu­neh­men 1. Eine Ver­gleich­bar­keit der Sach­aus­schüt­tung mit einer Divi­den­de i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG liegt dann vor, wenn sie aus vor­han­de­nen ‑lau­fen­den oder in frü­he­ren Jah­ren ange­sam­mel­ten- Jah­res­über­schüs­sen der Gesell­schaft (ear­nings und pro­fits) gezahlt wird. Eine Rück­zah­lung von nicht in das Nenn­ka­pi­tal geleis­te­ten Ein­la­gen kann u.a. dann vor­lie­gen, wenn die Leis­tun­gen der Kapi­tal­ge­sell­schaft im Wirt­schafts­jahr das Nenn­ka­pi­tal und den im Vor­jahr fest­ge­stell­ten aus­schütt­ba­ren Gewinn über­stei­gen. Eine Ein­la­gen­rück­ge­währ kann sich auch aus der nach aus­län­di­schem Recht auf­ge­stell­ten Bilanz der aus­schüt­ten­den Gesell­schaft erge­ben.

Die Fest­stel­lun­gen zur Steu­er­frei­heit des "Spin-off" nach § 355 I.R.C. des US-ame­ri­ka­ni­schen Rechts geben hier­zu kei­nen Auf­schluss. Zwar darf nach dem für die Steu­er­frei­heit erfor­der­li­chen "Device-Test" die Anteils­ver­tei­lung nicht vor­wie­gend dazu genutzt wer­den, Ein­künf­te und Pro­fi­te der aus­ge­ben­den Gesell­schaft aus­zu­schüt­ten. Abge­stellt wird dabei nach dem vom Finanz­ge­richt ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten u.a. dar­auf, ob die Akti­en zum Ver­kauf ver­teilt wer­den (nega­ti­ves Kri­te­ri­um) oder ob die Abspal­tung einen eigen­stän­di­gen wirt­schaft­li­chen Zweck ver­folgt (posi­ti­ves Kri­te­ri­um). Dies lässt jedoch kei­nen Rück­schluss dar­auf zu, ob die Sach­aus­schüt­tung aus dem Gewinn bzw. einer Gewinn­rück­la­ge oder aus den Ein­la­gen finan­ziert wur­de.

Inso­weit sind zunächst Fest­stel­lun­gen dazu zu tref­fen, wie der "Spin-off" in der Bilanz der abspal­ten­den Gesell­schaft erfasst wor­den ist. Bei der Ent­schei­dung ist sodann zu berück­sich­ti­gen, dass die Nach­weis­ob­lie­gen­heit und das Nach­weis­ri­si­ko für das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen einer steu­er­frei­en Ein­la­gen­rück­zah­lung die (deut­schen) Klä­ger tref­fen, da die­se zu einem Steu­er­vor­teil führt 2.

Soll­te sich hier­bei her­aus­stel­len, dass es sich um eine steu­er­ba­re Gewinn­aus­schüt­tung han­delt, wäre die­se dem Klä­ger zuzu­rech­nen. Dies gilt unab­hän­gig von der Fra­ge, ob nach Maß­ga­be des US-ame­ri­ka­ni­schen Rechts ein Gewinn­ver­tei­lungs­be­schluss i.S. des § 20 Abs. 2a Satz 2 EStG vor­lag, da der Klä­ger im Zeit­punkt der Über­tra­gung der Antei­le an dem Spin-off Aktio­när der abspal­ten­den Gesell­schaft war 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 13. Juli 2016 – VIII R 73/​13

  1. vgl. BFH, Urteil vom 23.10.2013 – X R 33/​10, BFHE 243, 332, BSt­Bl II 2014, 103[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 15.01.2015 – I R 69/​12, BFHE 249, 99, Schlus­sur­teil zu EuGH, Urtei­le Meili­cke I und Meili­cke II; vom 18.08.2015 – I R 38/​12, BFH/​NV 2016, 378; BFH, Urteil vom 17.11.2015 – VIII R 27/​12, BFHE 252, 112, BSt­Bl II 2016, 539[]
  3. s. hier­zu BFH, Urteil in BFHE 232, 15[]