Das über­nom­men Betriebs­dar­lehn

Für Schuld­zin­sen, die zu einem ohne recht­li­che Ver­pflich­tung über­nom­me­nen Dar­le­hen gehö­ren, ist kein Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug mög­lich.

Das über­nom­men Betriebs­dar­lehn

Bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen ist nach der Ver­äu­ße­rung einer im Pri­vat­ver­mö­gen gehal­te­nen wesent­li­chen Betei­li­gung kein Abzug von Schuld­zin­sen als nach­träg­li­che Wer­bungs­kos­ten mög­lich.

Betriebs­aus­ga­ben sind nach § 4 Abs. 4 EStG Auf­wen­dun­gen, die durch den Betrieb ver­an­lasst sind. Eine sol­che Ver­an­las­sung ist dann gege­ben, wenn die Auf­wen­dun­gen objek­tiv mit dem Betrieb zusam­men­hän­gen und sub­jek­tiv dem Betrieb zu die­nen bestimmt sind. Dem­entspre­chend sind auch Schuld­zin­sen nur dann als Betriebs­aus­ga­ben abzugs­fä­hig, wenn sie in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang mit Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb ste­hen 1.

Ein sol­cher Zusam­men­hang der gel­tend gemach­ten und nicht aner­kann­ten Schuld­zin­sen mit der Ein­zel­fir­ma des Klä­gers sah das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier ent­schie­de­nen Fall jedoch als nicht ‑auch nicht teil­wei­se- gege­ben an: Der Klä­ger hat damit kei­ne betrieb­li­chen Auf­wen­dun­gen finan­ziert, son­dern ledig­lich eine Ver­bind­lich­keit der auf­ge­lös­ten Fir­ma X GmbH über­nom­men, ohne dazu recht­lich ver­pflich­tet gewe­sen zu sein, da die Ein­zel­fir­ma des Klä­ge­rin nicht Rechts­nach­fol­ge­rin der Fir­ma X GmbH ist.

Die gel­tend gemach­ten Schuld­zin­sen sind auch nicht des­halb als Betriebs­aus­ga­ben bei den gewerb­li­chen Ein­künf­ten abzugs­fä­hig, weil der Klä­ger ein Dar­le­hen der Fir­ma X GmbH über­nom­men hat, an der er und sei­ne Ehe­frau zu mehr als 25% betei­ligt gewe­sen sind. Uner­heb­lich ist, dass ein Ver­äu­ße­rungs­ge­winn bzw. -ver­lust gemäß § 17 EStG zu Ein­künf­ten aus Gewer­be­be­trieb führt. Die Besteue­rung nach § 17 EStG erfasst aus­nahms­wei­se eine im Pri­vat­be­reich ein­ge­tre­te­ne Kapi­tal­meh­rung, die regel­mä­ßig nicht gezo­ge­ne Ein­nah­men aus Kapi­tal­ver­mö­gen ent­hält. Es han­delt sich dabei um eine "Gewinn­ermitt­lungs­vor­schrift eige­ner Art", die stich­tags­be­zo­gen auf den Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung die Ein­künf­te kraft gesetz­li­cher Fik­ti­on den Ein­künf­ten aus Gewer­be­trieb zuord­net 2. Vor und nach dem Ver­äu­ße­rungs- bzw. Liqui­da­ti­ons­fall anfal­len­de Ein­nah­men und Aus­ga­ben sind hin­ge­gen dem Bereich der Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen zuzu­ord­nen.

Auch ein Abzug bei den Wer­bungs­kos­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen schei­det aus. Zwar kann auch der Aus­fall von Regress­an­sprü­chen eines Gesell­schaf­ters gegen­über der Kapi­tal­ge­sell­schaft den Anschaf­fungs­kos­ten im Sin­ne von § 17 Abs. 2 EStG zuge­ord­net wer­den, wenn die­ser eigen­ka­pi­ta­ler­set­zen­de Grund­si­cher­hei­ten zu Ver­fü­gung gestellt hat 3. Ein Abzug von damit zusam­men­hän­gen­den Schuld­zin­sen nach Liqui­da­ti­on der Betei­li­gung kann, als nach­träg­li­che Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen nach der bis ein­schließ­lich 1998 gel­ten­den Geset­zes­la­ge nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, der sich das Gericht aus den dort genann­ten Grün­den anschließt, nicht erfol­gen 4. Die geän­der­te Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs betrifft dage­gen ledig­lich Fäl­le, in denen der Tat­be­stand der Liquidation/​Veräußerung nach dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1998 statt­ge­fun­den hat 5.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 6. Okto­ber 2010 – 14 K 86/​06

  1. BFH, Beschluss vom 04.07.1990 – GrS 2 – 3/​88, GrS 2/​88, GrS 3/​88, BSt­Bl II 1990, 817[]
  2. BFH, Beschluss vom 25.06.1998 – VIII B 45/​97, BFH/​NV 1999, 33[]
  3. BFH, Beschluss vom 15.05.2006 – VIII B 186/​04, BFH/​NV 2006, 1472[]
  4. stän­di­ge Recht­spre­chung, sie­he z.B. BFH, Urteil vom 12.09.2007 – VIII R 38/​04, BFH/​NV 2008, 37[]
  5. BFH, Urteil vom 16.03.2010 – VIII R 20/​08, BSt­Bl II 2010, 787[]