Der Fis­kus betei­ligt sich nicht an der erst­ma­li­gen Gar­ten­ge­stal­tung

Die Kos­ten einer erst­ma­li­ge Gar­ten­ge­stal­tung sind weder als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung noch als Hand­wer­k­erleis­tung steu­er­lich berück­sich­ti­gungs­fä­hig. Mit die­sem Urteil hat jetzt das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz zu der Fra­ge Stel­lung genom­men, ob im Außen­be­reich durch­ge­führ­te Arbei­ten zur Gar­ten­ge­stal­tung zu einem Teil als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung und zum ande­ren Teil als sogen. Hand­wer­k­erleis­tung beur­teilt wer­den kön­nen, mit der Fol­ge, dass sowohl der Höchst­be­trag von (im Jah­re 2006) 600.- € für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen und der Höchst­be­trag von (im Jah­re 2006) 600.- € (heu­te: 1.200,- €) für Hand­wer­k­erleis­tun­gen gewährt wer­den kön­nen.

Der Fis­kus betei­ligt sich nicht an der erst­ma­li­gen Gar­ten­ge­stal­tung

In dem vom Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­de­nen Streit­fall hat­ten die Klä­ger im Jah­re 2003 ihr neu errich­te­tes Eigen­heim bezo­gen. In ihrer Steu­er­erklä­rung für das Jahr 2006 mach­ten sie zwei­er­lei Steu­er­ermä­ßi­gun­gen gemäß § 35a Abs. 2 EStG gel­tend:

Für Erd- und Pflanz­ar­bei­ten auf dem Grund­stück, die haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen sei­en, 3.177.- €, davon 20%, höchs­tens 600.-€; und für die Errich­tung einer Stütz­mau­er auf dem­sel­ben Grund­stück, das sei eine Hand­wer­k­erleis­tung, 4.457.- €, davon 20%, höchs­tens 600.- €.

Das begrün­de­ten sie unter ande­rem damit, die im Jah­re 2006 im Außen­be­reich durch­ge­führ­ten Arbei­ten stell­ten sich als begüns­tig­te Maß­nah­men der Gar­ten­ge­stal­tung und Pfle­ge dar, sie sei­en kei­nes­falls im Zuge der Neu­bau­maß­nah­me des Hau­ses ange­fal­len. Hier­zu berie­fen sie sich auf eine Ver­wal­tungs­an­wei­sung, in der zu den hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten aus­drück­lich „Maß­nah­men der Gar­ten­ge­stal­tung” ange­spro­chen sei­en und zwar unab­hän­gig davon, ob die Auf­wen­dun­gen für die ein­zel­nen Maß­nah­men Erhal­tungs– oder Her­stel­lungs­auf­wand sei­en. Die Maß­nah­men basier­ten auf Vor­schlä­gen des erst­mals 2005 kon­tak­tier­ten Gar­ten­bau­ers, auch die Stütz­mau­er sei erst durch die Umge­stal­tung des Gelän­de­pro­fils not­wen­dig gewor­den.

Nach­dem das Finanz­amt die begehr­ten Steu­er­ermä­ßi­gun­gen im Ein­kom­men­steu­er­be­scheid 2006 abge­lehnt hat­te, erho­ben die Klä­ger Kla­ge zum Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz. Sie ergänz­ten ihr Vor­brin­gen u.a. dahin, dass die bis­he­ri­ge natur­be­las­se­ne Wie­se bereits als Gar­ten habe ange­se­hen wer­den kön­nen.

Die Kla­ge hat­te vor dem Finanz­ge­richt jedoch kei­nen Erfolg: Bereits aus dem Geset­zes­text erge­be sich zunächst, dass eine kumu­la­ti­ve Inan­spruch­nah­me (also haus­halts­na­he Dienst­leis­tung und Hand­wer­k­erleis­tung) für die­sel­be Maß­nah­me nicht mög­lich sei. Ange­sichts des kla­ren Geset­zes­wort­lauts und der Geset­zes­be­grün­dung kön­ne der Zweck des Geset­zes, Schwarz­ar­beit zu unter­bin­den, nicht als Recht­fer­ti­gung dafür her­an­ge­zo­gen wer­den, den Höchst­be­trag der Steu­er­ermä­ßi­gung durch eine Umqua­li­fi­zie­rung von Hand­wer­k­erleis­tun­gen in haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen zu erhö­hen.

Es sei ins­ge­samt nur eine ein­heit­li­che Maß­nah­me einer erst­ma­li­gen Gar­ten­ge­stal­tung gege­ben. Einer Berück­sich­ti­gung der Auf­wen­dun­gen ins­ge­samt ste­he dar­über hin­aus ent­ge­gen, dass die Hand­wer­k­erleis­tun­gen, sowohl hin­sicht­lich der Erd- und Pflanz­ar­bei­ten im Zusam­men­hang mit der Gar­ten­neu­an­la­ge als auch hin­sicht­lich der Erstel­lung einer Stütz­mau­er, jeweils etwas Neu­es geschaf­fen hät­ten, was über die allein begüns­tig­ten Renovierungs‑, Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men hin­aus­ge­he. Für eine wei­ter gehen­de Aus­le­gung der Geset­zes­vor­schrift bestehe kein Raum, denn sie gewäh­re eine direk­te Sub­ven­ti­on für bestimm­te vom Steu­er­pflich­ti­gen in Anspruch genom­me­ne Dienst­leis­tun­gen, die nicht der Sphä­re der Ein­kunfts­er­zie­lung zuzu­ord­nen sei­en. Von Renovierungs‑, Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men kön­ne hier nicht gespro­chen wer­den, da die vor­he­ri­ge natur­be­las­se­ne Wie­se – man­gels mensch­li­chen Ein­griffs – noch nicht als Gar­ten ein­ge­stuft wer­den kön­ne.

Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 1. Juli 2010 – 4 K 2708/​07