Der nur vor­über­ge­hend unter­bro­che­nem Kon­takt zu den leib­li­chen Eltern

Ein für den Kin­der­geld­be­zug beacht­li­ches Pfle­ge­kind­schafts­ver­hält­nis kann bei einem nur vor­über­ge­hend unter­bro­che­nem Kon­takt zu den leib­li­chen Eltern nicht ange­nom­men wer­den.

Der nur vor­über­ge­hend unter­bro­che­nem Kon­takt zu den leib­li­chen Eltern

Bei einem schul­pflich­ti­gen, unter einer Krank­heit lei­den­den Kind (hier: ADHS) ist eine Been­di­gung des Obhuts- und Pfle­ge­ver­hält­nis­ses i.S. von § 32 Abs. 1 Nr. 2 EStG nicht bereits dann anzu­neh­men, wenn es weni­ger als zwei Jah­re bei den Pfle­ge­el­tern gelebt hat.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs kann zwi­schen den Pfle­ge­el­tern und dem Pfle­ge­kind ein auf län­ge­re Dau­er berech­ne­tes fami­li­en­ähn­li­ches Band nicht ange­nom­men wer­den, wenn der Kon­takt des Kin­des zu den leib­li­chen Eltern nur vor­über­ge­hend unter­bro­chen ist. Ein Obhuts- und Pfle­ge­ver­hält­nis zu den leib­li­chen Eltern besteht in der Regel nicht mehr, wenn die­se zu nicht schul­pflich­ti­gen Kin­dern min­des­tens ein Jahr 1 und zu schul­pflich­ti­gen Kin­dern mehr als zwei Jah­re 2 "kei­ne für die Wah­rung des Obhuts- und Pfle­ge­ver­hält­nis­ses aus­rei­chen­den Kon­tak­te" mehr haben. Die Recht­spre­chung geht davon aus, dass bei klei­nen, noch nicht schul­pflich­ti­gen Kin­dern das bis­he­ri­ge Obhuts- und Pfle­ge­ver­hält­nis zu den Eltern frü­her been­det wird als bei schon älte­ren.

Eine pri­vat­recht­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen Eltern und Pfle­ge­per­so­nen über die Berech­ti­gung zum Bezug von Kin­der­geld ist für die Fami­li­en­kas­sen nicht bin­dend. Aus der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ergibt sich, dass die Rege­lung des § 64 Abs. 2 Satz 1 EStG, wonach das Kin­der­geld bei meh­re­ren Berech­tig­ten dem­je­ni­gen gezahlt wird, der das Kind in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat, durch pri­vat­recht­li­che Abma­chun­gen nicht außer Kraft gesetzt wer­den kann 3. Ent­spre­chen­des gilt für die Kin­der­geld­be­rech­ti­gung im Ver­hält­nis zwi­schen Pfle­ge­el­tern sowie leib­li­chen Eltern oder Adop­tiv­el­tern.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 25. April 2012 – III B 176/​11

  1. BFH, Urteil vom 20.01.1995 – III R 14/​94, BFHE 177, 359, BSt­Bl II 1995, 582[]
  2. BFH, Urteil vom 07.09.1995 – III R 95/​93, BFHE 179, 54, BSt­Bl II 1996, 63[]
  3. BFH, Urteil vom 14.05.2002 – VIII R 64/​00, BFH/​NV 2002, 1425[]