Der pri­va­te PKW-Nut­zungs­an­teil und die Fahr­ten­buch­me­tho­de

Für die Bewer­tung der pri­va­ten Nut­zung eines Kraft­fahr­zeug ent­hält § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG eine spe­zi­el­le Bewer­tungs­re­gel 1. Danach ist für jeden Kalen­der­mo­nat 1 % des inlän­di­schen Lis­ten­prei­ses im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung zuzüg­lich der Kos­ten für Son­der­aus­stat­tun­gen ein­schließ­lich der Umsatz­steu­er anzu­set­zen (sog. 1 %-Rege­lung). Abwei­chend davon kann nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG die pri­va­te Nut­zung mit den auf die Pri­vat­fahr­ten ent­fal­len­den Auf­wen­dun­gen ange­setzt wer­den, wenn die für das Kraft­fahr­zeug ins­ge­samt ent­ste­hen­den Auf­wen­dun­gen durch Bele­ge und das Ver­hält­nis der pri­va­ten zu den übri­gen Fahr­ten durch ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch nach­ge­wie­sen wer­den (sog. Fahr­ten­buch­re­ge­lung).

Der pri­va­te PKW-Nut­zungs­an­teil und die Fahr­ten­buch­me­tho­de

Ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch muss nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 2 zeit­nah und in geschlos­se­ner Form geführt wer­den. Die zu erfas­sen­den Fahr­ten ein­schließ­lich des an ihrem Ende erreich­ten Gesamt­ki­lo­me­ter­stan­des müs­sen im Fahr­ten­buch voll­stän­dig und in ihrem fort­lau­fen­den Zusam­men­hang wie­der­ge­ge­ben wer­den. Dabei ist jede ein­zel­ne beruf­li­che Ver­wen­dung grund­sätz­lich für sich und mit dem bei Abschluss der Fahrt erreich­ten Gesamt­ki­lo­me­ter­stand des Fahr­zeugs auf­zu­zeich­nen. Besteht eine ein­heit­li­che beruf­li­che Rei­se aus meh­re­ren Teil­ab­schnit­ten, so kön­nen die­se Abschnit­te mit­ein­an­der zu einer zusam­men­fas­sen­den Ein­tra­gung ver­bun­den wer­den. Es genügt dann die Auf­zeich­nung des am Ende der gesam­ten Rei­se erreich­ten Gesamt­ki­lo­me­ter­stands, wenn zugleich die ein­zel­nen Kun­den oder Geschäfts­part­ner im Fahr­ten­buch in der zeit­li­chen Rei­hen­fol­ge auf­ge­führt wer­den, in der sie auf­ge­sucht wor­den sind. Wird ande­rer­seits der beruf­li­che Ein­satz des Fahr­zeugs zuguns­ten einer pri­va­ten Ver­wen­dung unter­bro­chen, so stellt die­se Nut­zungs­än­de­rung wegen der damit ver­bun­de­nen unter­schied­li­chen steu­er­li­chen Rechts­fol­gen einen Ein­schnitt dar, der im Fahr­ten­buch durch Anga­be des bei Abschluss der beruf­li­chen Fahrt erreich­ten Kilo­me­ter­stands zu doku­men­tie­ren ist. Die Auf­zeich­nun­gen im Fahr­ten­buch müs­sen außer­dem eine hin­rei­chen­de Gewähr für ihre Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit bie­ten. Sie müs­sen mit ver­tret­ba­rem Auf­wand auf ihre mate­ri­el­le Rich­tig­keit hin über­prüf­bar sein. Ein Ver­weis auf ergän­zen­de Unter­la­gen ist nur zuläs­sig, wenn der geschlos­se­ne Cha­rak­ter der Fahr­ten­buch­auf­zeich­nun­gen dadurch nicht beein­träch­tigt wird 3. Ein Fahr­ten­buch, das als Kom­bi­na­ti­on aus einem hand­schrift­lich zeit­nah und geschlos­sen geführ­ten Buch und ergän­zen­den Erläu­te­run­gen besteht, genügt die­sen Anfor­de­run­gen daher nur, wenn eine nach­träg­li­che Mani­pu­la­ti­on hin­sicht­lich der gefah­re­nen Kilo­me­ter aus­ge­schlos­sen ist 4.

Wei­sen die Fahr­ten­bü­cher inhalt­li­che Unre­gel­mä­ßig­kei­ten auf, kann dies die mate­ri­el­le Rich­tig­keit der Kilo­me­ter­an­ga­ben in Fra­ge stel­len. Eben­so wie eine Buch­füh­rung trotz eini­ger for­mel­ler Män­gel auf­grund der Gesamt­be­wer­tung noch als for­mell ord­nungs­ge­mäß erschei­nen kann, füh­ren jedoch auch klei­ne­re Män­gel nicht zur Ver­wer­fung des Fahr­ten­buchs und Anwen­dung der 1 %-Rege­lung, wenn die Anga­ben ins­ge­samt plau­si­bel sind. Maß­geb­lich ist, ob trotz der Män­gel noch eine hin­rei­chen­de Gewähr für die Voll­stän­dig­keit und Rich­tig­keit der Anga­ben gege­ben und der Nach­weis des zu ver­steu­ern­den Pri­vat­an­teils an der Gesamt­fahr­leis­tung des Dienst­wa­gens mög­lich ist 5.

Der Ord­nungs­mä­ßig­keit des Fahr­ten­buch steht nicht ent­ge­gen, dass es sich um eine Kom­bi­na­ti­on aus hand­schrift­lich in einem geschlos­se­nen Buch ein­ge­tra­ge­nen Daten – Datum, Uhr­zeit, Zweck der Fahrt, Kilo­me­ter­stän­de und gefah­re­ne Kilo­me­ter – und zusätz­li­chen, per Com­pu­ter­da­tei erstell­ten Erläu­te­run­gen han­delt. Denn der geschlos­se­ne Cha­rak­ter der Fahr­ten­buch­auf­zeich­nun­gen wird durch die ergän­zen­den Erläu­te­run­gen nicht beein­träch­tigt. Die ergän­zen­den Anga­ben – Aus­druck aus einem in elek­tro­ni­scher Form mit­tels "Micro­soft Out­look" geführ­ten Ter­min­ka­len­ders unter Anga­be von Datum, Uhr­zeit, Name und Adres­se des jewei­li­gen Kun­den – lie­gen zwar nicht in geschlos­se­ner Form vor. Dies ist nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts des Saar­lan­des indes­sen unschäd­lich. Denn die ergän­zen­den Anga­ben sind nur im Zusam­men­hang mit dem hand­schrift­lich geführ­ten Fahr­ten­buch ver­wend­bar; sie dür­fen daher nicht iso­liert, son­dern nur zusam­men mit die­sem gese­hen wer­den. Eine zusätz­li­che Mani­pu­la­ti­ons­mög­lich­keit hin­sicht­lich der gefah­re­nen Kilo­me­ter ergibt sich hier­aus nicht, zumal der elek­tro­ni­sche Ter­min­ka­len­der – wie der Klä­ger glaub­haft dar­ge­legt hat – vom Arbeit­ge­ber geführt wor­den ist und eige­ne Ergän­zun­gen und Kor­rek­tu­ren nur hand­schrift­lich mög­lich waren.

Finanz­ge­richt des Saar­lan­des, Urteil vom 14. Dezem­ber 2012 – 2 K 1675/​09

  1. vgl. BFH vom 19.03.2009 – IV R 59/​06, BFH/​NV 2009, 1617[]
  2. z.B. BFH vom 09.11.2005 – VI R 27/​05, BSt­Bl II 2006, 408; vom 16.11.2005 – VI R 64/​04, BSt­Bl II 2006, 410; vom 16.03.2006 – VI R 87/​04, BSt­Bl II 2006, 625[]
  3. vgl. BFH vom 16.03.2006 – VI R 87/​04, BSt­Bl II 2006, 625[]
  4. FG Ber­lin-Bran­den­burg vom 14.04.2010 – 12 K 12047/​09, EFG 2010, 1306, Revi­si­on ein­ge­legt[]
  5. zum Gan­zen BFH vom 10.04.2008 – VI R 38/​06, BSt­Bl. II 2008, 768, vgl. auch BFH vom 13.10.2008 – VIII B 203/​07[]