Der Sprach­kurs im Aus­land und die Rei­se­kos­ten

Die mit einer beruf­li­chen Fort­bil­dung ver­bun­de­nen Rei­se­kos­ten sind als Wer­bungs­kos­ten unein­ge­schränkt abzieh­bar, wenn die Rei­se aus­schließ­lich oder nahe­zu aus­schließ­lich der beruf­li­chen Sphä­re zuzu­ord­nen ist. Ist die Rei­se auch pri­vat mit­ver­an­lasst, kann nach der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs eine Auf­tei­lung der Kos­ten und der Abzug des beruf­lich ver­an­lass­ten Teils der Rei­se­kos­ten in Betracht kom­men. Die Auf­tei­lung ist grund­sätz­lich nach dem Ver­hält­nis der beruf­li­chen und pri­va­ten Zeit­an­tei­le vor­zu­neh­men.

Der Sprach­kurs im Aus­land und die Rei­se­kos­ten

Hier­zu hat deer Bun­des­fi­nanz­hof hat nun ent­schie­den, dass ein ande­rer als der zeit­li­che Auf­tei­lungs­maß­stab in Betracht zu zie­hen sei, wenn die beruf­li­chen und pri­va­ten Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge nicht zeit­lich nach­ein­an­der son­dern gleich­zei­tig ver­wirk­licht wür­den. Das sei bei einer soge­nann­ten Sprach­rei­se der Fall, so dass es bei der Ermitt­lung des abzieh­ba­ren Kos­ten­an­teils nicht auf den zeit­li­chen Anteil des Sprach­un­ter­richts an der Dau­er des Aus­lands­auf­ent­halts ankom­me. Die Wahl eines Sprach­kur­ses im Aus­land sei im Übri­gen regel­mä­ßig pri­vat mit­ver­an­lasst.

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te der Klä­ger, im frag­li­chen Zeit­raum Zug­füh­rer­of­fi­zier bei der Bun­des­wehr, an einem Eng­lisch­sprach­kurs in Süd­afri­ka teil­ge­nom­men. Sein Finanz­amt und das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Finanz­ge­richt lie­ßen die mit der Sprach­rei­se ver­bun­de­nen Kos­ten nicht zum Wer­bungs­kos­ten­ab­zug zu. Der Bun­des­fi­nanzh­fo hob die­se Ent­schei­dung nun auf.

. Auch wenn ein aus­wär­ti­ger Sprach­kurs nur Grund­kennt­nis­se oder all­ge­mei­ne Kennt­nis­se in einer Fremd­spra­che ver­mit­telt, die­se aber für die beruf­li­che Tätig­keit aus­rei­chen, kann der Kurs beruf­lich ver­an­lasst sein und des­halb die Kurs­ge­bühr als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den.

Die Wahl, einen Sprach­kurs aus­wärts zu besu­chen, ist regel­mä­ßig pri­vat mit­ver­an­lasst. Bei der des­halb gebo­te­nen Auf­tei­lung der Rei­se­kos­ten in Wer­bungs­kos­ten und Kos­ten der pri­va­ten Lebens­füh­rung kann dann auch ein ande­rer als der zeit­li­che Auf­tei­lungs­maß­stab ange­zeigt sein.

Auf­wen­dun­gen für die beruf­li­che Fort­bil­dung[↑]

Wer­bungs­kos­ten sind Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung von Ein­nah­men (§ 9 Abs. 1 Satz 1 EStG). Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH gehö­ren hier­zu auch Bil­dungs­auf­wen­dun­gen, sofern sie beruf­lich ver­an­lasst sind 1. Eine beruf­li­che Ver­an­las­sung ist gege­ben, wenn die Auf­wen­dun­gen objek­tiv mit dem Beruf zusam­men­hän­gen und sub­jek­tiv zu des­sen För­de­rung getä­tigt wer­den 2.

Auch Auf­wen­dun­gen für der beruf­li­chen Fort­bil­dung die­nen­de Rei­sen sind dem­nach dann als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn sie durch den Beruf bzw. den Betrieb ver­an­lasst sind 3.

Kurs­ge­büh­ren für Fremd­spra­chen-Kur­se[↑]

Nach die­sen Grund­sät­zen sind Kurs­ge­büh­ren zum Erwerb von Kennt­nis­sen in einer Fremd­spra­che als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn ein kon­kre­ter Zusam­men­hang mit der Berufs­tä­tig­keit besteht. Ob dies zutrifft, ist durch Wür­di­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls zu beur­tei­len 4.

Auch Auf­wen­dun­gen zum Erwerb von Grund­kennt­nis­sen bzw. all­ge­mei­nen Kennt­nis­sen in einer Fremd­spra­che sind als Wer­bungs­kos­ten anzu­er­ken­nen, wenn die­se Kennt­nis­se für die beruf­li­che Tätig­keit aus­rei­chen 5.

Rei­se­kos­ten bei Sprach­rei­sen[↑]

Bei einem Fort­bil­dungs­lehr­gang zum Erwerb oder zur Ver­tie­fung von Fremd­spra­chen­kennt­nis­sen, der nicht am Wohn­ort des Steu­er­pflich­ti­gen oder in des­sen Nähe statt­fin­det (aus­wär­ti­ger Sprach­kurs), ist im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung wei­ter zu bestim­men, ob neben den rei­nen Kurs­ge­büh­ren auch die Auf­wen­dun­gen für die mit dem Sprach­kurs ver­bun­de­ne Rei­se beruf­lich ver­an­lasst und dem­zu­fol­ge als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar sind. Der voll­stän­di­ge Abzug auch die­ser Auf­wen­dun­gen setzt vor­aus, dass die Rei­se aus­schließ­lich oder nahe­zu aus­schließ­lich der beruf­li­chen Sphä­re zuzu­ord­nen ist. Das ist bei aus­wär­ti­gen Sprach­lehr­gän­gen eben­so wie bei sons­ti­gen Rei­sen vor allem dann der Fall, wenn ihnen offen­sicht­lich ein unmit­tel­ba­rer beruf­li­cher Anlass zugrun­de liegt und die Ver­fol­gung pri­va­ter Reise­in­ter­es­sen nicht den Schwer­punkt bil­det 6.

Liegt der Rei­se kein unmit­tel­ba­rer beruf­li­cher Anlass zugrun­de, sind nach den Grund­sät­zen, die der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs in sei­nem Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2009 7 auf­ge­stellt hat, die mit dem Sprach­kurs ver­bun­de­nen Rei­se­kos­ten auf­zu­tei­len, sofern der erwerbs­be­zo­ge­ne Anteil nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung ist.

Auf­tei­lungs­maß­stab für die Rei­se­kos­ten[↑]

Im Fall der Auf­tei­lung der mit dem Sprach­kurs ver­bun­de­nen Rei­se­kos­ten ist Fol­gen­des zu beach­ten:

Als sach­ge­rech­ter Auf­tei­lungs­maß­stab für dop­pel­mo­ti­vier­te Kos­ten einer Rei­se kommt grund­sätz­lich das Ver­hält­nis der beruf­li­chen und pri­va­ten Zeit­an­tei­le der Rei­se in Betracht 8. Die­ser Maß­stab hat jedoch zur Vor­aus­set­zung, dass die maß­stabs­bil­den­den, unter­schied­lich ein­deu­tig zuzu­ord­nen­den Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge nach­ein­an­der ver­wirk­licht wer­den. Unter­schied­li­che Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge, die –wie im Streit­fall– gleich­zei­tig ver­wirk­licht wer­den, kön­nen auch nach einem ande­ren als dem zeit­li­chen Auf­tei­lungs­maß­stab auf­zu­tei­len sein.

Erfor­der­lich ist, so der Bun­des­fi­nanz­hof wei­ter, eben­falls eine Wür­di­gung der Gesamt­um­stän­de des Ein­zel­falls. Dabei ist einer­seits zu berück­sich­ti­gen, dass eine Spra­che in dem Land, in dem sie –gege­be­nen­falls neben ande­ren– gespro­chen wird, im All­ge­mei­nen effi­zi­en­ter als im Inland zu erler­nen sein wird. Das gilt ins­be­son­de­re, wenn sich der Steu­er­pflich­ti­ge mit den Beson­der­hei­ten der Fremd­spra­che, der lan­des­üb­li­chen Aus­spra­che und Beto­nung ver­traut machen will 9. Es darf zudem nicht dar­auf abge­stellt wer­den, dass ein Besuch von Sprach­kur­sen im Inland den glei­chen Erfolg hät­te haben kön­nen. Glei­ches gilt auch für die Tat­sa­che, dass ein Aus­lands­auf­ent­halt erhöh­te Kos­ten ver­ur­sa­chen kann 10.

Ande­rer­seits darf bei Sprach­rei­sen der tou­ris­ti­sche Wert des Auf­ent­halts am Kurs­ort nicht unbe­ach­tet blei­ben. Anders als bei sons­ti­gen der Fort­bil­dung die­nen­den Rei­sen besteht bei Sprach­rei­sen für die Wahl des aus­wär­ti­gen Kur­sor­tes regel­mä­ßig kei­ne unmit­tel­ba­re beruf­li­che Ver­an­las­sung. Des­halb wird die Orts­wahl in die­sen Fäl­len auch von pri­va­ten, in der Regel tou­ris­ti­schen Inter­es­sen des Steu­er­pflich­ti­gen bestimmt sein. Davon ist ins­be­son­de­re auch im Streit­fall aus­zu­ge­hen. Die Teil­nah­me an einem Sprach­kurs in eng­li­scher Spra­che in Süd­afri­ka ist außer­ge­wöhn­lich und indi­ziert bereits, dass der Klä­ger die Rei­se­kos­ten auch aus pri­va­ten Erwä­gun­gen auf sich genom­men hat. Daher kann auch bei einem Inten­siv­sprach­kurs, der dem Steu­er­pflich­ti­gen –wie im Streit­fall– unter der Woche wenig Zeit für tou­ris­ti­sche Akti­vi­tä­ten belässt und die­se des­halb im Wesent­li­chen auf das Wochen­en­de beschränkt sind, eine Auf­tei­lung der mit dem aus­wär­ti­gen Auf­ent­halt ver­bun­de­nen Kos­ten gerecht­fer­tigt sein.

Soll­te kei­ner der Betei­lig­ten einen ande­ren Auf­tei­lungs­maß­stab sub­stan­ti­ell vor­tra­gen und nach­wei­sen, so bestehen kei­ne Beden­ken, von einer hälf­ti­gen Auf­tei­lung sämt­li­cher mit der Rei­se ver­bun­de­nen Kos­ten aus­zu­ge­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24.02.11 – VI R 12/​10

  1. BFH, Urteil vom 17.12.2002 – VI R 137/​01, BFHE 201, 211, BSt­Bl II 2003, 407[]
  2. BFH, Urteil vom 01.02.2007 – VI R 25/​03, BFHE 216, 522, BSt­Bl II 2007, 459, m.w.N.[]
  3. stän­di­ge Recht­spre­chung; sie­he etwa BFH, Urtei­le vom 21.04.2010 – VI R 5/​07, BFHE 229, 219, BSt­Bl II 2010, 687; vom 22.06.2006 – VI R 61/​02, BFHE 213, 566, BSt­Bl II 2006, 782; jeweils m.w.N[]
  4. BFH, Urtei­le vom 14.04.2005 – VI R 6/​03, VI R 122/​01, BFH/​NV 2005, 1544; vom 10.04.2002 – VI R 46/​01, BFHE 198, 563, BSt­Bl II 2002, 579[]
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 198, 563, BSt­Bl II 2002, 579; vom 13.06.2002 – VI R 168/​00, BFHE 199, 347, BSt­Bl II 2003, 765[]
  6. BFH, Urtei­le vom 27.08.2002 – VI R 22/​01, BFHE 200, 250, BSt­Bl II 2003, 369; vom 27.07.2004 – VI R 81/​00, BFH/​NV 2005, 42; in BFH/​NV 2005, 1544; vom 19.12.2005 – VI R 88/​02, BFH/​NV 2006, 730; und VI R 89/​02, BFH/​NV 2006, 934[]
  7. BFH, Beschluss vom 21.09.2009 – GrS 1/​06, BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672[]
  8. BFH (GrS), Beschluss in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672; BFH, Urteil in BFHE 229, 219, BSt­Bl II 2010, 687[]
  9. BFH, Urteil in BFHE 199, 347, BSt­Bl II 2003, 765[]
  10. BFH, Urteil in BFH/​NV 2006, 934[]