Der in US-Dol­lar geführ­te Akti­en­fonds – un die Anle­ger­be­steue­rung

Nimmt eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, die Invest­ment­an­tei­le an einem in US-Dol­lar geführ­ten Akti­en­fonds erwor­ben hat, auf­grund einer ungüns­ti­gen Ent­wick­lung des Wäh­rungs­wech­sel­kur­ses eine Teil­wert­ab­schrei­bung auf die Invest­ment­an­tei­le in ihrer Steu­er­bi­lanz vor, so führt dies zu einer außer­bi­lan­zi­el­len Hin­zu­rech­nung gemäß § 8 Abs. 3 InvStG i.V.m. § 8b Abs. 3 Satz 3 KStG und damit zu einer steu­er­li­chen Neu­tra­li­sie­rung der Teil­wert­ab­schrei­bung. Die uni­ons­recht­li­chen Grund­frei­hei­ten wer­den hier­durch nicht beschränkt.

Der in US-Dol­lar geführ­te Akti­en­fonds – un die Anle­ger­be­steue­rung

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG sind nicht abnutz­ba­re Wirt­schafts­gü­ter des Betriebs­ver­mö­gens mit ihren Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten zu bilan­zie­ren. Jedoch kann gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG der Teil­wert ange­setzt wer­den, wenn die­ser auf­grund einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung nied­ri­ger ist.

In Bezug auf Antei­le an Akti­en­fonds, die bilan­zi­ell als Wert­pa­pie­re qua­li­fi­ziert wer­den1, gel­ten nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs für die Anwen­dung des § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG die Grund­sät­ze zur Teil­wert­ab­schrei­bung bör­sen­no­tier­ter Akti­en ent­spre­chend2. Danach recht­fer­ti­gen Kurs­ver­lus­te der zum Fonds gehö­ren­den bör­sen­no­tier­ten Akti­en grund­sätz­lich eine Teil­wert­ab­schrei­bung auf die Invest­ment­an­tei­le, wenn kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te für eine bal­di­ge Kurs- und damit Wert­stei­ge­rung vor­lie­gen3.

Was für Wert­ver­än­de­run­gen auf­grund des Bör­sen­kur­ses gilt, gilt auch für Wert­ver­än­de­run­gen auf­grund des Wäh­rungs­wech­sel­kur­ses.

Der Wech­sel­kurs ist ledig­lich ein unselb­stän­di­ger Fak­tor für die Bewer­tung von Wirt­schafts­gü­tern in der Bilanz. Jeder Geschäfts­vor­fall, der zunächst in aus­län­di­scher Wäh­rung aus­ge­wie­sen ist, muss für Bilan­zie­rungs­zwe­cke (§ 244 HGB)4, jede ein­zel­ne Besteue­rungs­grund­la­ge muss aber auch gene­rell für die Anwen­dung der deut­schen Steu­er­ge­set­ze in die inlän­di­sche Wäh­rung umge­rech­net wer­den. Der Wech­sel­kurs ist daher von dem zu bewer­ten­den Wirt­schafts­gut oder dem sonst für steu­er­li­che Zwe­cke zu quan­ti­fi­zie­ren­den Geschäfts­vor­fall nicht zu tren­nen5.

Bei der Bewer­tung von Invest­ment­an­tei­len ist somit nicht allein auf die Kurs­no­tie­run­gen der vom Akti­en­fonds gehal­te­nen Akti­en abzu­stel­len, son­dern auch auf den Wech­sel­kurs, wenn der aus­län­di­sche Fonds in einer Fremd­wäh­rung geführt wird und er in auf Fremd­wäh­rung lau­ten­de Akti­en inves­tiert hat. Für die Zuläs­sig­keit der Teil­wert­ab­schrei­bung kommt es damit ‑wie bei der Teil­wert­ab­schrei­bung auf­grund eines gesun­ke­nen Bör­sen­kur­ses- dar­auf an, ob die Kurs­än­de­rung als dau­er­haft zu beur­tei­len ist6.

Damit kann selbst bei einem posi­ti­ven Kurs­ver­lauf der Akti­en auf Fremd­wäh­rungs­ba­sis steu­er­lich eine Wert­min­de­rung zu berück­sich­ti­gen sein, wenn sich der Wech­sel­kurs aus Sicht des Steu­er­pflich­ti­gen gegen­läu­fig zu dem in Fremd­wäh­rung notier­ten Bör­sen­kurs, also ungüns­tig, ent­wi­ckelt hat.

Im Streit­fall haben sich mög­li­cher­wei­se die Bör­sen­kur­se der in Dol­lar notier­ten Akti­en des Fonds­ver­mö­gens güns­tig ent­wi­ckelt, was die in USD aus­ge­wie­se­nen Wert­stei­ge­run­gen (stei­gen­de posi­ti­ve Fonds­ak­ti­en­ge­winn­an­tei­le) und den in USD erziel­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­winn erklä­ren könn­te. Der Wech­sel­kurs des Euro zum Dol­lar ent­wi­ckel­te sich aus Sicht der Anle­ge­rin aller­dings gegen­läu­fig, also ungüns­tig. Damit waren die Invest­ment­an­tei­le "per sal­do" zum Bewer­tungs­stich­tag am 31.12 2007 und zum Ver­äu­ße­rungs­zeit­punkt weni­ger wert als zum Zeit­punkt ihrer Anschaf­fung. Da zum Bilanz­stich­tag nichts für eine Wert­stei­ge­rung, also einen sich erho­len­den Dol­lar­kurs, sprach, war von einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung der Invest­ment­an­tei­le aus­zu­ge­hen.

Da zwi­schen der Wäh­rungs­kom­po­nen­te und der Bör­sen­kurs­kom­po­nen­te als unselb­stän­di­gen Fak­to­ren für die Bewer­tung von Geschäfts­vor­fäl­len und Wirt­schafts­gü­tern nicht zu unter­schei­den ist, muss­te die in der Steu­er­bi­lanz der Anle­ge­rin zum 31.12 2007 vor­ge­nom­me­ne Teil­wert­ab­schrei­bung auf die Invest­ment­an­tei­le zu einer außer­bi­lan­zi­el­len Hin­zu­rech­nung gemäß § 8 Abs. 3 Satz 2 InvStG i.V.m. § 8b Abs. 3 Satz 3 KStG füh­ren.

Nach § 8 Abs. 3 Satz 2 InvStG ist bei Ansatz eines nied­ri­ge­ren Teil­werts der zu berück­sich­ti­gen­de Teil nach § 3c Abs. 2 EStG und § 8b KStG, vor­be­halt­lich einer Berich­ti­gung nach Satz 4, der Unter­schied zwi­schen dem Akti­en­ge­winn auf den maß­ge­ben­den Rück­nah­me­preis zum Zeit­punkt der Bewer­tung einer­seits und dem Akti­en­ge­winn auf den Rück­nah­me­preis zum Zeit­punkt der Anschaf­fung ande­rer­seits, soweit die­ser Unter­schieds­be­trag sich auf den Bilanz­an­satz aus­ge­wirkt hat.

Die­se Rege­lung stellt die Grund­la­ge für die außer­bi­lan­zi­el­le Kor­rek­tur einer Teil­wert­ab­schrei­bung dar7. Die Teil­wert­ab­schrei­bung wird inso­weit neu­tra­li­siert, als sie auf die wäh­rend der Hal­te­dau­er des Anle­gers ein­ge­tre­te­nen Wert­min­de­run­gen im Akti­en­be­stand ‑und nicht etwa auf Wert­min­de­run­gen bei Immo­bi­li­en oder fest­ver­zins­li­chen Wert­pa­pie­ren- beruht8. Somit ist für die Bestim­mung des außer­bi­lan­zi­el­len Hin­zu­rech­nungs­be­trags der sog. besitz­zeit­an­tei­li­ge Anle­ger-Akti­en­ge­winn maß­geb­lich, der sich aus der Dif­fe­renz zwi­schen dem Akti­en­ge­winn zum Bewer­tungs­stich­tag und dem Akti­en­ge­winn zum Anschaf­fungs­zeit­punkt ergibt.

Zu der von § 8 Abs. 3 Satz 2 InvStG vor­aus­ge­setz­ten besitz­zeit­an­tei­li­gen Wert­min­de­rung im Akti­en­be­stand ist es im Streit­fall gekom­men. Eine sol­che Wert­min­de­rung tritt nicht nur dann ein, wenn der Bör­sen­kurs der vom Invest­ment­fonds gehal­te­nen Akti­en sinkt, son­dern auch dann, wenn der Wert der Akti­en zum Bilanz­stich­tag wech­sel­kurs­be­dingt gesun­ken ist. Wie aus­ge­führt, ist steu­er­lich zwi­schen bör­sen­kurs­be­ding­ten und wech­sel­kurs­be­ding­ten Wert­ver­än­de­run­gen nicht zu dif­fe­ren­zie­ren.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on steht der Wort­laut des Geset­zes die­ser Betrach­tungs­wei­se nicht ent­ge­gen. Die Anle­ge­rin ver­misst das Vor­lie­gen eines nega­ti­ven (besitz­zeit­an­tei­li­gen) Akti­en­ge­winns, weil der Fonds­ak­ti­en­ge­winn ‑erkenn­bar an den wäh­rend der Hal­te­zeit von 3, 69 % auf schließ­lich 10 % gestie­ge­nen posi­ti­ven Akti­en­ge­winn­an­tei­len- durch­weg posi­tiv gewe­sen sei. Sie ver­kennt hier­bei aller­dings, dass die Invest­ment­ge­sell­schaft den ‑posi­ti­ven oder nega­ti­ven- Pro­zent­satz (vgl. § 5 Abs. 2 InvStG) auf der Basis des USD ermit­telt hat und sich die Wech­sel­kurs­kom­po­nen­te natur­ge­mäß auf der Ebe­ne des in USD geführ­ten Fonds nicht aus­wir­ken konn­te. Die für die Besteue­rung der Anle­ge­rin gemäß § 8 InvStG maß­geb­li­chen Grund­la­gen sind aber in Euro zu ermit­teln. So sind die in § 8 Abs. 1 und 2 InvStG legal­de­fi­nier­ten Begrif­fe des posi­ti­ven und nega­ti­ven Akti­en­ge­winns und die sich hier­aus ableit­ba­re Grö­ße des besitz­zeit­an­tei­li­gen Anle­ger-Akti­en­ge­winns i.S. des § 8 Abs. 3 Satz 1 und 2 InvStG ‑nicht anders als zahl­rei­che ähn­li­che steu­er­recht­li­che Begrif­fe (Ein­kom­men, Gewinn, Frei­be­trag u.v.a.m.)- zwin­gend als auf Euro lau­ten­de Beträ­ge zu ver­ste­hen. Dar­an ver­mag ein gemäß § 5 Abs. 2 InvStG auf Basis des USD ermit­tel­ter und ver­öf­fent­lich­ter Akti­en­ge­winn nichts zu ändern, schon des­we­gen, weil der von der Invest­ment­ge­sell­schaft ermit­tel­te und ver­öf­fent­li­che Fonds­ak­ti­en­ge­winn kei­ne Bin­dungs­wir­kung für die Anle­ger­be­steue­rung gemäß § 8 InvStG ent­fal­tet9. Ver­lie­ren des­halb die Akti­en wäh­rend der Besitz­zeit des Anle­gers wech­sel­kurs­be­dingt an Wert, liegt auf der maß­geb­li­chen Basis des Euro die von § 8 Abs. 3 Satz 2 InvStG vor­aus­ge­setz­te Wert­min­de­rung im Akti­en­be­stand vor.

Nur mit die­ser Betrach­tungs­wei­se kann auch dem Zweck des § 8 InvStG, den Invest­ment­fonds­an­le­ger (Inves­ti­ti­on in Akti­en­fonds) mit einem Direkt­an­le­ger (Inves­ti­ti­on in Akti­en) gleich­zu­stel­len10, ent­spro­chen wer­den.

Erwirbt eine Kör­per­schaft direkt eine Betei­li­gung, z.B. an einer Akti­en­ge­sell­schaft (Inves­ti­ti­on in Akti­en), füh­ren wech­sel­kurs­be­ding­te Wert­ver­än­de­run­gen im Ver­äu­ße­rungs­fall zu Steu­er­bi­lanz­ge­win­nen oder ‑ver­lus­ten bzw. kön­nen im Bewer­tungs­fall eine Teil­wert­ab­schrei­bung recht­fer­ti­gen11. Außer­bi­lan­zi­el­le Kür­zun­gen oder Hin­zu­rech­nun­gen gemäß § 8b Abs. 2 und Abs. 3 Satz 3 KStG sind dann die zwin­gen­de Fol­ge. Dass die rea­li­sier­ten Wert­ver­än­de­run­gen wech­sel­kurs­be­dingt sind, recht­fer­tigt es nicht, sie vom Anwen­dungs­be­reich die­ser Rege­lun­gen aus­zu­neh­men12. Für eine iso­lier­te steu­er­li­che Behand­lung wech­sel­kurs­be­ding­ter Wert­ver­än­de­run­gen ist auch hier kein Raum.

Nichts ande­res kann für eine Inves­ti­ti­on in Akti­en­fonds gel­ten. Auch hier ist zur Sicher­stel­lung des vom Gesetz bezweck­ten Besteue­rungs­gleich­laufs mit der Direkt­an­la­ge eine außer­bi­lan­zi­el­le Hin­zu­rech­nung gebo­ten, wenn der Anle­ger sich auf­grund der Wäh­rungs­ver­lus­te für eine Teil­wert­ab­schrei­bung der Fonds­an­tei­le ent­schei­det13.

Die Ermitt­lung der Höhe der besitz­zeit­an­tei­li­gen Wert­min­de­rung durch das Finanz­ge­richt begeg­net ‑abge­se­hen von einem Rechen­feh­ler- kei­nen durch­grei­fen­den recht­li­chen Beden­ken.

Der Sache nach hat das Finanz­ge­richt die Wert­min­de­rung im Schät­zungs­we­ge fest­ge­stellt. In einem ers­ten Schritt hat es den auf den Akti­en­be­stand ent­fal­len­den Teil der Wert­ver­än­de­rung auf der Basis des USD ermit­telt. Hier­bei hat es auf die zwei gemäß § 8 Abs. 3 Satz 2 InvStG maß­geb­li­chen Stich­ta­ge (Bewer­tungs­stich­tag 31.12 2007; Anschaf­fungs­zeit­punkt) die Akti­en­ge­win­ne ermit­telt und den Unter­schieds­be­trag (besitz­zeit­an­tei­li­ger Anle­ger-Akti­en­ge­winn) errech­net. Den so auf USD-Basis fest­ge­stell­ten pro­zen­tua­len Anteil des Akti­en­ge­winns am Gesamt­ge­winn hat es sodann auf den auf Euro-Basis berech­ne­ten Gesamt­ver­lust über­tra­gen, um den auf die Wert­min­de­rung im Akti­en­be­stand ent­fal­len­den Teil der Teil­wert­ab­schrei­bung, also den außer­bi­lan­zi­el­len Hin­zu­rech­nungs­be­trag (vgl. § 8b Abs. 3 Satz 3 KStG), bestim­men zu kön­nen. Dar­aus ergab sich zum 31.12 2007 ein steu­er­lich abzugs­fä­hi­ger ‑weil nicht auf Wert­min­de­run­gen im Akti­en­be­stand ent­fal­len­der- Ver­lust­an­teil von 3, 249 % und ein steu­er­lich nicht abzugs­fä­hi­ger ‑weil auf Wert­min­de­run­gen im Akti­en­be­stand ent­fal­len­der- Ver­lust­an­teil von 96, 751 %.

Die Schät­zung von Besteue­rungs­grund­la­gen gehört zu den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen i.S. des § 118 Abs. 2 FGO, an die der BFH als Revi­si­ons­ge­richt grund­sätz­lich gebun­den ist14. Revi­si­ble Feh­ler, etwa ein Ver­stoß gegen Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze, sind ‑auch unter Berück­sich­ti­gung des Vor­brin­gens der Anle­ge­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung- nicht ersicht­lich.

Das Finanz­amt hat aller­dings zutref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass dem Finanz­ge­richt bei der Ermitt­lung des Akti­en­ge­winns auf den Anschaf­fungs­zeit­punkt ein Addi­ti­ons­feh­ler unter­lau­fen ist (Akti­en­ge­winn zum Anschaf­fungs­zeit­punkt 88.813, 15 USD anstatt 83.383, 15 USD). Wird die Berech­nung um die­sen Feh­ler kor­ri­giert, so folgt dar­aus ein steu­er­lich abzugs­fä­hi­ger Anteil von ledig­lich 1, 36 %. Kor­re­spon­die­rend dazu steigt der Betrag der außer­bi­lan­zi­el­len Hin­zu­rech­nung.

Da dem Finanz­ge­richt ein rei­ner Rechen­feh­ler unter­lau­fen ist, der auf­grund über­schlä­gi­gen Nach­rech­nens ohne Wei­te­res erkenn­bar ist und somit "auf der Hand liegt", war der Bun­des­fi­nanz­hof als hier­für zustän­di­ges Gericht15 gehal­ten, das Finanz­ge­richt, Urteil gemäß § 107 Abs. 1 FGO zu berich­ti­gen.

Eine voll­stän­di­ge Neu­tra­li­sie­rung der vor­ge­nom­me­nen Teil­wert­ab­schrei­bung schei­det wegen des Ver­bots der Ver­bö­se­rung aus.

In der Lite­ra­tur wird die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass der BFH im Rah­men der Teil­wert­ab­schrei­bung eines Akti­en­fonds­an­teils16 typi­sie­rend unter­stel­le, dass die Wert­ver­än­de­rung voll­stän­dig auf die vom Fonds gehal­te­nen Akti­en ent­fal­le. Dies kön­ne es recht­fer­ti­gen, auch den Betrag der außer­bi­lan­zi­el­len Hin­zu­rech­nung ‑unge­ach­tet des Wort­lauts des § 8 Abs. 3 Satz 2 InvStG, der die Hin­zu­rech­nung auf die Höhe des nega­ti­ven besitz­zeit­an­tei­li­gen Akti­en­ge­winns begren­ze- typi­sie­rend in der (vol­len) Höhe der vor­ge­nom­me­nen Teil­wert­ab­schrei­bung anzu­set­zen17. Zu die­ser Rechts­fra­ge braucht der Bun­des­fi­nanz­hof indes nicht Stel­lung zu neh­men. Denn die voll­stän­di­ge steu­er­li­che Neu­tra­li­sie­rung der Teil­wert­ab­schrei­bung gin­ge zu Las­ten der Anle­ge­rin. Eine sol­che Ver­bö­se­rung ist in dem allein von ihr ange­streng­ten Rechts­mit­tel­ver­fah­ren aus­ge­schlos­sen.

Zu einer Beschrän­kung der uni­ons­recht­li­chen Grund­frei­hei­ten kommt es durch die außer­bi­lan­zi­el­le Hin­zu­rech­nung nicht. Zwar bewirkt die­se, dass der Wech­sel­kurs­ver­lust steu­er­lich im Ergeb­nis nicht berück­sich­tigt wird18. Aller­dings sehen die gesetz­li­chen Rege­lun­gen für den umge­kehr­ten Fall eines Wech­sel­kurs­ge­winns, der sich in einem posi­ti­ven besitz­zeit­an­tei­li­gen Akti­en­ge­winn nie­der­schlägt, eine ent­spre­chen­de Steu­er­be­frei­ung vor. Denn der in der Steu­er­bi­lanz erfass­te wech­sel­kurs­be­ding­te Ver­äu­ße­rungs­ge­winn führt gemäß § 8 Abs. 1 und Abs. 3 Satz 1 InvStG i.V.m. § 8b Abs. 2 KStG zu einer außer­bi­lan­zi­el­len Kür­zung19. Bei einer der­ar­ti­gen Rege­lungs­sym­me­trie (Befrei­ung der Gewin­ne einer­seits, Ver­lust­ab­zugs­ver­bot ande­rer­seits) ist nach dem Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on "X" vom 10.06.201520 mit dem Nicht­an­satz des Wäh­rungs­ver­lusts kein Ver­stoß gegen die uni­ons­recht­li­chen Grund­frei­hei­ten ver­bun­den21.

Die Ermitt­lung des Hin­zu­rech­nungs­be­trags im Zusam­men­hang mit der Ver­äu­ße­rung der Invest­ment­an­tei­le am 10.06.2008 folgt den­sel­ben Rechts­grund­sät­zen. Auch hier ist die Wäh­rungs­kom­po­nen­te bei der Ermitt­lung des besitz­zeit­an­tei­li­gen Anle­ger-Akti­en­ge­winns zu berück­sich­ti­gen. Dies führt im Streit­jahr 2008 eben­falls zu einem in der Steu­er­bi­lanz abge­bil­de­ten Ver­lust aus der Ver­äu­ße­rung der Invest­ment­an­tei­le zum 10.06.2008 und zu einer außer­bi­lan­zi­el­len Hin­zu­rech­nung in annä­hernd glei­cher Höhe.

Gemäß § 8 Abs. 3 Satz 1 InvStG ist der nach den Absät­zen 1 und 2 zu berück­sich­ti­gen­de Teil der Ein­nah­men, vor­be­halt­lich einer Berich­ti­gung nach Satz 4, der Unter­schied zwi­schen dem Akti­en­ge­winn auf den Rück­nah­me­preis zum Zeit­punkt der Ver­äu­ße­rung einer­seits und dem Akti­en­ge­winn auf den Rück­nah­me­preis zum Zeit­punkt der Anschaf­fung ande­rer­seits.

Auch die­se Rege­lung ver­langt für die Schluss­be­steue­rung des betrieb­li­chen Anle­gers die Ermitt­lung des besitz­zeit­an­tei­li­gen Anle­ger-Akti­en­ge­winns22, nur dass sich hier die Bestim­mung des Unter­schieds­be­trags aus der Gegen­über­stel­lung der Akti­en­ge­win­ne zum Anschaf­fungs­zeit­punkt und zum Ver­äu­ße­rungs­zeit­punkt ergibt, wäh­rend es bei der außer­bi­lan­zi­el­len Kor­rek­tur einer Teil­wert­ab­schrei­bung auf den Bewer­tungs­stich­tag ankommt.

Im Streit­fall kam es wäh­rend der Hal­te­dau­er der Anle­ge­rin zu ‑wech­sel­kurs­be­ding­ten- Wert­min­de­run­gen im Akti­en­be­stand und damit zu einem nega­ti­ven Anle­ger-Akti­en­ge­winn. Auch die­ser Begriff beschreibt eine in Euro aus­zu­drü­cken­de Besteue­rungs­grund­la­ge, so dass Wäh­rungs­ver­lus­te zu einem nega­ti­ven Akti­en­ge­winn füh­ren kön­nen. Bei der Berech­nung hat das Finanz­ge­richt auch die Rege­lung des § 8 Abs. 3 Satz 4 InvStG berück­sich­tigt, wonach der auf den Ver­äu­ße­rungs­zeit­punkt zu ermit­teln­de nega­ti­ve Anle­ger-Akti­en­ge­winn um den zum Schluss des vor­an­ge­gan­ge­nen Wirt­schafts­jah­res ermit­tel­ten nega­ti­ven Anle­ger-Akti­en­ge­winn zu berich­ti­gen ist, soweit sich die­ser auf den Bilanz­an­satz aus­ge­wirkt hat. Da die Anle­ge­rin zum 31.12 2007 eine sich auf den Bilanz­an­satz aus­wir­ken­de Teil­wert­ab­schrei­bung wegen der im Akti­en­be­stand ein­ge­tre­te­nen Wert­min­de­run­gen vor­ge­nom­men hat, lagen die Vor­aus­set­zun­gen für eine sol­che Berich­ti­gung vor23.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2016 – I R 63/​15

  1. vgl. z.B. Helios/​Gstädtner in Haisch/​Helios, Rechts­hand­buch Finanz­in­stru­men­te, 2011, § 7 Rz 138; Hoffmann/​Lüdenbach, NWB Kom­men­tar Bilan­zie­rung, 7. Aufl., § 246 HGB Rz 306; Haisch in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 5 EStG Rz 1092 []
  2. BFH, Urteil vom 21.09.2011 – I R 7/​11, BFHE 235, 273, BSt­Bl II 2014, 616 []
  3. BFH, Urteil in BFHE 235, 273, BSt­Bl II 2014, 616 []
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 16.02.1996 – I R 43/​95, BFHE 180, 286, BSt­Bl II 1997, 128; vom 13.09.1989 – I R 117/​87, BFHE 158, 340, BSt­Bl II 1990, 57 []
  5. vgl. Korn, IStR 2007, 890; Schänz­le, IStR 2009, 514 []
  6. vgl. Schänz­le, IStR 2009, 514; Schind­ler in Kirch­hof, EStG, 15. Aufl., § 6 Rz 104 zu Fremd­wäh­rungs­for­de­run­gen; vgl. auch BFH, Urteil vom 19.01.1978 – IV R 61/​73, BFHE 124, 327, BSt­Bl II 1978, 295 []
  7. Helios/​Gstädtner in Haisch/​Helios, a.a.O., § 7 Rz 173 []
  8. vgl. z.B. Engl, Erträ­ge aus Invest­ment­ver­mö­gen, 2009, S.196; Helios/​Gstädtner in Haisch/​Helios, a.a.O., § 7 Rz 148 und 173 []
  9. vgl. Neu­mann in Moritz/​Jesch, InvStG, Bd. 2, § 8 Rz 42 []
  10. vgl. BFH, Urteil vom 14.12 2011 – I R 92/​10, BFHE 236, 106, BSt­Bl II 2013, 486; Bacmeister/​Reislhuber in Haa­se, InvStG, 2. Aufl., § 8 Rz 2; Büttner/​Mücke in Berger/​Steck/​Lübbehüsen, InvG/​InvStG, § 8 InvStG Rz 1 f. []
  11. Korn, IStR 2007, 890 []
  12. Schänz­le, IStR 2009, 514 []
  13. zum dies­be­züg­li­chen Wahl­recht des Steu­er­pflich­ti­gen vgl. Helios/​Gstädtner in Haisch/​Helios, a.a.O., § 7 Rz 144 []
  14. vgl. Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 8. Aufl., § 118 Rz 31 []
  15. BFH, Urteil vom 09.05.2012 – I R 91/​10, BFH/​NV 2012, 2004, m.w.N. []
  16. BFH, Urteil in BFHE 235, 273, BSt­Bl II 2014, 616 []
  17. Grieser/​Faller, Deut­sches Steu­er­recht 2012, 727 []
  18. zur Pro­ble­ma­tik vgl. BFH, Urteil vom 02.12 2015 – I R 13/​14, BFH/​NV 2016, 961 []
  19. vgl. Korn, IStR 2007, 890 []
  20. EuGH, Urteil vom 10.06.2015 – C‑686/​13, EU:C:2015:375, IStR 2015, 557 []
  21. Eiling/​Oppel, Inter­na­tio­na­le Steu­er-Rund­schau 2015, 328, zu § 8b KStG; s.a. BFH, Urteil in BFH/​NV 2016, 961, zu einer ver­gleich­ba­ren Rege­lungs­sym­me­trie im Gewer­be­steu­er­recht []
  22. Helios/​Gstädtner in Haisch/​Helios, a.a.O., § 7 Rz 171 ff. []
  23. vgl. BMF, Schrei­ben vom 18.08.2009, BSt­Bl I 2009, 931, Rz 174 f. []