Deut­sches Kin­der­geld bei Beschäf­ti­gung in der Schweiz

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten zur Klä­rung gemein­schafts­recht­li­cher Fra­gen ange­ru­fen, wel­che die Kon­kur­renz von Ansprü­chen auf Kin­der­geld im Beschäf­ti­gungs­land des Vaters und im Wohn­land der Mut­ter betref­fen. Kon­kret geht es um die Fra­ge, ob das Kin­der­geld im Wohn­land Deutsch­land um die im Beschäf­ti­gungs­land Schweiz vor­ge­se­he­nen, aber nicht bean­trag­ten Kin­der­zu­la­gen zu kür­zen ist.

Deut­sches Kin­der­geld bei Beschäf­ti­gung in der Schweiz

Die Klä­ge­rin leb­te mit zwei ihrer Kin­der in Deutsch­land. Der Vater der Kin­der, von dem die Klä­ge­rin geschie­den ist, arbei­te­te in der Schweiz. Die ihm nach Schwei­zer Recht zuste­hen­den Fami­li­en­leis­tun­gen von 109,75 € je Kind bean­trag­te er nicht.

Auf­grund eines Abkom­mens zwi­schen der Euro­päi­schen Gemein­schaft und der Schweiz rich­tet sich seit 1. Juni 2002 die Kon­kur­renz von Kin­der­geld­an­sprü­chen nach Gemein­schafts­recht. Danach ist der Anspruch auf Kin­der­zu­la­ge im Beschäf­ti­gungs­land Schweiz vor­ran­gig vor dem Anspruch auf Kin­der­geld im Wohn­land Deutsch­land. Kin­der­geld wird in Deutsch­land nur gewährt, soweit es höher ist als die in der Schweiz geschul­de­te Kin­der­zu­la­ge (sog. Dif­fe­renz­kin­der­geld).

Die Fami­li­en­kas­se setz­te gegen­über der Klä­ge­rin Kin­der­geld nur in Höhe eines Teil­be­tra­ges von 44,25 € je Kind fest, soweit das deut­sche Kin­der­geld von 154 € die in der Schweiz dem Vater zuste­hen­de Kin­der­zu­la­ge über­stieg. Die Klä­ge­rin ist dage­gen der Auf­fas­sung, ihr sei das deut­sche Kin­der­geld in vol­ler Höhe zu gewäh­ren, weil der Vater der Kin­der, um ihr zu scha­den, die Kin­der­zu­la­gen in der Schweiz nicht bean­tragt habe.

Der EuGH wird zu ent­schei­den haben, ob das Kin­der­geld im Wohn­land Deutsch­land nur zu min­dern ist, wenn die Kin­der­zu­la­gen im Beschäf­ti­gungs­land Schweiz tat­säch­lich gezahlt wer­den oder ob es im Ermes­sen der Fami­li­en­kas­se steht, das Kin­der­geld auch dann zu kür­zen, wenn der in der Schweiz bestehen­de Anspruch auf Kin­der­zu­la­gen gar nicht in Anspruch genom­men wird. Für den Fall, dass die Kür­zung bei Nichtin­an­spruch­nah­me im Ermes­sen der Fami­li­en­kas­se steht, hat der EuGH wei­ter zu klä­ren, ob das Ermes­sen ein­ge­schränkt sein kann, wenn der Anspruchs­be­rech­tig­te im Beschäf­ti­gungs­land die ihm zuste­hen­den Fami­li­en­leis­tun­gen bewusst nicht bean­tragt, um der Kin­der­geld­be­rech­tig­ten im Wohn­land zu scha­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 30. Okto­ber 2008 – III R 92/​07