Die Bürg­schaft des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers

Nach § 9 Abs. 1 Satz 2 EStG sind Wer­bungs­kos­ten bei der Ein­kunfts­art abzu­zie­hen, bei der sie erwach­sen sind. Ste­hen die Auf­wen­dun­gen zu meh­re­ren Ein­kunfts­ar­ten in einem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang, ent­schei­det nach stän­di­ger Recht­spre­chung der enge­re und wirt­schaft­lich vor­ran­gi­ge Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang.

Die Bürg­schaft des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers

Danach sind Auf­wen­dun­gen der Ein­kunfts­art zuzu­ord­nen, die im Vor­der­grund steht und die Bezie­hun­gen zu den ande­ren Ein­künf­ten ver­drängt. Das ent­spricht den Rechts­grund­sät­zen, die auch für die Fra­ge her­an­zu­zie­hen sind, ob eine Zuwen­dung des Arbeit­ge­bers auf dem Arbeits­ver­hält­nis oder auf ande­ren Rechts­be­zie­hun­gen grün­det 1.

Die­se Rechts­grund­sät­ze hat der beschlie­ßen­de Bun­des­fi­nanz­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung in Bezug auf die Fra­ge, ob Bürg­schafts­ver­lus­te durch das Arbeits­ver­hält­nis ver­an­lasst sind, kon­kre­ti­siert. Ist der Arbeit­neh­mer zugleich als Gesell­schaf­ter an sei­ner in Form einer Kapi­tal­ge­sell­schaft betrie­be­nen Arbeit­ge­be­rin betei­ligt, spricht umso mehr für eine inne­re wirt­schaft­li­che Ver­bin­dung zu den Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen und damit für nach­träg­li­che Anschaf­fungs­kos­ten der GmbH-Betei­li­gung, je höher die Betei­li­gung des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers ist 2. Denn ein frem­der, nicht mit dem Arbeit­ge­ber durch eine Kapi­tal­be­tei­li­gung ver­bun­de­ner Arbeit­neh­mer wird nur in Aus­nah­me­fäl­len bereit sein, zu Guns­ten sei­nes offen­bar gefähr­de­ten Arbeits­plat­zes das Risi­ko einer Bürg­schaft zu über­neh­men. Umge­kehrt bedeu­tet dies zugleich, dass bei einem an der Gesell­schaft in nur sehr gerin­gem Umfang betei­lig­ten Arbeit­neh­mer, der eine Bürg­schaft für sei­nen Arbeit­ge­ber über­nimmt, dies als Indiz dafür gilt, dass die­se Bürg­schafts­über­nah­me durch das Arbeits­ver­hält­nis ver­an­lasst ist. Dies gilt erst recht, wenn der Arbeit­neh­mer an der Gesell­schaft über­haupt nicht betei­ligt ist und durch die Bürg­schafts­über­nah­me ‑anders als etwa bei einem dem Arbeit­ge­ber gewähr­ten ver­zins­li­chen Dar­le­hen- kei­ne wei­te­ren Ein­künf­te erzielt und dem­entspre­chend damit aus­schließ­lich sei­ne Lohn­ein­künf­te zu sichern und zu erhal­ten sucht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 16. Febru­ar 2017 – VI B 65/​16

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, BFH, Urtei­le vom 07.12 2005 – I R 34/​05, BFH/​NV 2006, 1068; vom 05.04.2006 – IX R 111/​00, BFHE 213, 341, BSt­Bl II 2006, 654; BFH, Beschluss vom 28.06.2007 – VI B 23/​07, BFH/​NV 2007, 1870; BFH, Urtei­le vom 25.11.2010 – VI R 34/​08, BFHE 232, 86, BSt­Bl II 2012, 24; vom 16.11.2011 – VI R 97/​10, BFHE 236, 61, BSt­Bl II 2012, 343; und vom 10.04.2014 – VI R 57/​13, BFHE 245, 330, BSt­Bl II 2014, 850[]
  2. BFH, Urtei­le vom 17.07.1992 – VI R 125/​88, BFHE 169, 148, BSt­Bl II 1993, 111; in BFHE 236, 61, BSt­Bl II 2012, 343; und vom 03.09.2015 – VI R 58/​13, BFHE 251, 429, BSt­Bl II 2016, 305; jeweils m.w.N.[]