Die Diät­ver­pfle­gung als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Die Kos­ten einer Diät­ver­pfle­gung kön­nen nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf in der Ein­kom­men­steu­er nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abge­zo­gen wer­den.

Die Diät­ver­pfle­gung als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

In dem jetzt in Düs­sel­dorf ent­schie­de­nen Fall strit­ten die Betei­lig­ten um die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung von Auf­wen­dun­gen für Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel. Die Klä­ge­rin lei­det an einer chro­ni­schen Stoff­wech­sel­stö­rung und nimmt aus die­sem Grund Vit­ami­ne und ande­re Mikro­nähr­stof­fe, die sie über Apo­the­ken bezieht, ein. In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für 2010 mach­te sie Auf­wen­dun­gen für ver­schie­de­ne Prä­pa­ra­te (z.B. Ben­fo­ti­amin, Vit­amin A und D, Bio­tin, Vit­amin B2 lak­to­se­frei, Ade­no­syl­co­ba­l­a­min, Kal­zi­um und Vit­amin D, Bio-C-Vit­amin) als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung gel­tend, die das Finanz­amt nicht zum Abzug zuließ. Im Rah­men des sich anschlie­ßen­den Ein­spruchs­ver­fah­rens über­sand­te die Klä­ge­rin eine ärzt­li­che Beschei­ni­gung, wonach sie unter einer chro­ni­schen Stoff­wech­sel­stö­rung lei­de, die kei­ne medi­ka­men­tö­se Behand­lung indi­zie­re, son­dern die lau­fen­de Ein­nah­me von Mikro­nähr­stof­fen erfor­der­lich mache. In der Beschei­ni­gung wur­den die ver­ord­ne­ten Prä­pa­ra­te im Ein­zel­nen auf­ge­führt

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Kla­ge abge­wie­sen. Zwar sei­en Krank­heits­kos­ten als zwangs­läu­fi­ge Auf­wen­dun­gen im Grund­satz als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abzugs­fä­hig. Dies gel­te jedoch nicht für Auf­wen­dun­gen, die durch Diät­ver­pfle­gung ent­ste­hen. Das gesetz­li­che Abzugs­ver­bot für Diät­ver­pfle­gung gel­te auch dann, wenn die­se nicht nur neben, son­dern anstel­le von Medi­ka­men­ten zur Lin­de­rung der Krank­heit benö­tigt wer­de. Glei­ches gel­te, wenn die Diät auf­grund einer ärzt­li­chen Ver­ord­nung unmit­tel­bar als Ther­pie ein­ge­setz­te wer­de und damit Medi­ka­men­ten­cha­rak­ter habe.

Die von der Klä­ge­rin gel­tend gemach­ten Auf­wen­dun­gen stell­ten Diät­kos­ten dar. Unter einer Diät sei die auf die Bedürf­nis­se des Pati­en­ten und der The­ra­pie der Erkran­kung abge­stimm­te Ernäh­rung zu ver­ste­hen; sie kön­ne in der Ein­schrän­kung der gesam­ten Ernäh­rung, in der Ver­mei­dung bestimm­ter Antei­le oder – wie im Streit­fall – in der Ver­meh­rung aller oder bestimm­ter Nah­rungs­an­tei­le bestehen. Zu den Diä­ten gehör­ten nicht nur kurz­zei­tig ange­wand­te Ein­form­diä­ten sowie lang­zei­tig ange­wand­te Grund­diä­ten, son­dern auch an stän­di­ge Lei­den (z.B. Zölia­kie) ange­pass­te lang­zei­ti­ge Son­der­diä­ten.

Nach § 33 Abs. 1 EStG wird, wenn einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stan­des erwach­sen, auf Antrag die Ein­kom­men­steu­er dadurch ermä­ßigt, dass der Teil der Auf­wen­dun­gen, der die dem Steu­er­pflich­ti­gen zumut­ba­re Belas­tung über­steigt; vom Gesamt­be­trag der Ein­künf­te abge­zo­gen wird.

Nach § 33 Abs. 2 EStG erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen zwangs­läu­fig, wenn er sich ihnen aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen oder sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann und soweit die Auf­wen­dun­gen den Umstän­den nach not­wen­dig sind und einen ange­mes­se­nen Betrag nicht über­stei­gen. Krank­heits­kos­ten erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen grund­sätz­lich zwangs­läu­fig, weil er sich ihnen aus tat­säch­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kann 1. Nach § 33 Abs. 2 Satz 3 EStG kön­nen aller­dings Auf­wen­dun­gen, die durch Diät­ver­pfle­gung ent­ste­hen, nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung berück­sich­tigt wer­den.

Der Gesetz­ge­ber hat das Abzugs­ver­bot für Diät­kos­ten 1974 ein­ge­führt, weil nach den Erfah­run­gen der Pra­xis die Steu­er­ermä­ßi­gung viel­fach unge­recht­fer­tigt in Anspruch genom­men wer­de, die Ein­hal­tung der Diät im all­ge­mei­nen nicht zu einer Mehr­be­las­tung, oft sogar zu Ein­spa­run­gen füh­re und zwangs­läu­fi­ge Unter­schie­de in den Lebens­hal­tungs­kos­ten ande­rer Art, die viel schwe­rer wögen (z.B. unter­schied­li­che Woh­nungs­mie­ten, Mehr­kos­ten für Klei­dung wegen Über­grö­ße)) steu­er­lich eben­falls nicht aus­ge­gli­chen wer­den könn­ten 2.

Das Abzugs­ver­bot für Diät­ver­pfle­gung gilt auch dann, wenn die­se nicht nur neben, son­dern anstel­le von Medi­ka­men­ten zur Lin­de­rung der Krank­heit benö­tigt wird 3 und auch dann, wenn die Diät auf Grund einer ärzt­li­chen Ver­ord­nung unmit­tel­bar als The­ra­pie ein­ge­setzt wird und damit Medi­ka­men­ten­cha­rak­ter auf­weist 3.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs 4 ist unter Diät die auf die Bedürf­nis­se des Pati­en­ten und der The­ra­pie der Erkran­kung abge­stimm­te Ernäh­rung zu ver­ste­hen; sie kann in der Ein­schrän­kung der gesam­ten Ernäh­rung, in der Ver­mei­dung bestimm­ter Antei­le oder in der Ver­meh­rung aller oder bestimm­ter Nah­rungs­an­tei­le bestehen 5. Zu den Diät­for­men gehör­ten nicht nur kurz­zei­tig ange­wen­de­te Ein­form­diä­ten sowie lang­zei­tig ange­wand­te Grund­diä­ten, z.B., bei Gicht und Zucker­krank­heit, son­dern auch lang­zei­ti­ge Son­der­diä­ten mit Anpas­sung an stän­di­ge Lei­den, z.B. Zölia­kie 6.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf – Urteil vom 15. Juli 2013 – 9 K 3744/​12 E

  1. Mel­ling­hoff in Kirch­hof, EStG, 12. Auf­la­ge, § 33 Rnr. 54 "Krank­heits­kos­ten"[]
  2. Kanz­ler in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 33 EStG, Rnr.208 m.w.N.[]
  3. BFH vom 21.06.2007 III R 48/​04, BSt­Bl II 2007, 880[][]
  4. vgl. BFH vom 21.06.2007 III R 48/​04, BSt­Bl II 2007, 880, Tz. 29[]
  5. Hin­weis des BFH auf Pschy­rem­bel, Kli­ni­sches Wör­ter­buch, 259. Auf­la­ge 2002, Stich­wort: Krankenkost/​Diät[]
  6. Hin­weis des BFH auf: Der Gesund­heits­brock­haus, 3. Aufl.1984, Stich­wort: Diät­for­men[]