Die ein­deu­tig abgrenz­ba­re Emis­si­ons­ren­di­te einer Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung

Wird eine Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung wäh­rend ihrer Lauf­zeit mit 1 % p.a. fest ver­zinst, liegt eine von der Wert­ent­wick­lung des ein­ge­setz­ten Kapi­tals ein­deu­tig abgrenz­ba­re Emis­si­ons­ren­di­te vor. Inwie­weit die zuge­sag­te Min­dest­ren­di­te dem Kapi­tal­markt im Zeit­punkt der Emis­si­on ent­spricht, ist für das Vor­lie­gen einer Emis­si­ons­ren­di­te i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG uner­heb­lich.

Die ein­deu­tig abgrenz­ba­re Emis­si­ons­ren­di­te einer Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung

Der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid ist nicht Bezugs­punkt für eine Ände­rung der nach § 10d Abs. 4, § 23 Abs. 3 Satz 9 EStG nicht aus­gleich­ba­ren Ver­äu­ße­rungs­ver­lus­te.

Sons­ti­ge Kapi­tal­for­de­run­gen i.S. von § 20 Abs. 1 Nr. 7, Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Buchst. c EStG sind auf Geld­leis­tun­gen gerich­te­te For­de­run­gen ohne Rück­sicht auf die Dau­er der Kapi­tal­über­las­sung oder den Rechts­grund des Anspruchs. Der Anspruch auf Rück­zah­lung des über­las­se­nen Kapi­tals ist nicht Vor­aus­set­zung für die Annah­me einer Kapi­tal­for­de­rung. Der Tat­be­stand von § 20 Abs. 1 Nr. 7 Satz 1 EStG ver­langt hier­für ledig­lich, dass die Rück­zah­lung des Kapi­tal­ver­mö­gens oder ein Ent­gelt für die Über­las­sung des Kapi­tal­ver­mö­gens zur Nut­zung zuge­sagt oder gewährt wor­den ist, auch wenn die Höhe des Ent­gelts von einem unge­wis­sen Ereig­nis abhängt. Danach sind die Vor­aus­set­zun­gen des § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG erfüllt, da die Emit­ten­tin zwar nicht die vol­le Rück­zah­lung des über­las­se­nen Kapi­tals, aber die eines Teil­be­trags ver­bind­lich zuge­sagt hat [1]. Mit der IVS – II erwarb der Anle­ger eine auf Geld­leis­tung gerich­te­te For­de­rung gegen die Emit­ten­tin, näm­lich zum ver­ein­bar­ten Rück­zah­lungs­ter­min min­des­tens einen Betrag in Höhe von 37.500 € aus­ge­zahlt zu bekom­men. Die Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung II ist des Wei­te­ren als Finanz­in­no­va­ti­on i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Buchst. c Alter­na­ti­ve 2 EStG zu qua­li­fi­zie­ren, da die Höhe des Kapi­tal­ertrags aus der Sum­me von Kapi­tal­rück­zah­lung und Ent­gelt von einem unge­wis­sen Ereig­nis, der Ent­wick­lung des DAX inner­halb des Beob­ach­tungs­zeit­raums, abhing.

Der Begriff der Emis­si­ons­ren­di­te ist im Ein­kom­men­steu­er­ge­setz nicht defi­niert. Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH ist als Emis­si­ons­ren­di­te die vom Emit­ten­ten bei der Bege­bung der Anla­ge von vorn­her­ein zuge­sag­te, ein­deu­tig abgrenz- und bezif­fer­ba­re Ren­di­te zu ver­ste­hen, die bis zur Ein­lö­sung des Papiers bzw. End­fäl­lig­keit der Kapi­tal­for­de­rung mit Sicher­heit erzielt wer­den kann [2].

Die Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung II hat­te eine Emis­si­ons­ren­di­te, denn sie war, wie das Finanz­ge­richt in sei­nem Urteil fest­ge­stellt hat, nach den Aus­ga­be­be­din­gun­gen wäh­rend ihrer Lauf­zeit mit 1 % p.a. zu ver­zin­sen. Dies war der Ertrag, der von dem Anle­ger wäh­rend der Lauf­zeit der Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung II mit Sicher­heit erzielt wer­den konn­te. Anders als in dem vom Bun­des­fi­nanz­hof im Urteil in BFH/​NV 2013, 346 ent­schie­de­nen Fall hing die Ver­zin­sung der Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung II nicht von einem an ein unkal­ku­lier­ba­res Ereig­nis gebun­de­nen, varia­blen Zins­satz ab, son­dern stand von vorn­her­ein fest. Inwie­weit die zuge­sag­te Min­dest­ren­di­te dem Kapi­tal­markt im Zeit­punkt der Emis­si­on ent­sprach, ist ‑ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Anle­gers und des Finanz­ge­richt- für das Vor­lie­gen einer Emis­si­ons­ren­di­te i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG uner­heb­lich [3]. Wäre der dies­be­züg­li­chen Argu­men­ta­ti­on des Anle­gers zu fol­gen, unter­lä­gen im Übri­gen nicht nur die Ver­lus­te aus der Rück­zah­lung der Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung II, son­dern auch der Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung der Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung I der Besteue­rung nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG.

Da nicht die Höhe der Ver­zin­sung, son­dern die an die Ent­wick­lung des DAX gekop­pel­te Höhe der Rück­zah­lung des über­las­se­nen Kapi­tals von einem unge­wis­sen Ereig­nis abhing, waren Kapi­tal­nut­zungs­ent­gelt und die Wert­ent­wick­lung des ein­ge­setz­ten Kapi­tals klar von­ein­an­der trenn­bar. Die von der Kurs­ent­wick­lung des DAX abhän­gi­ge Wert­ent­wick­lung des von der Emit­ten­tin zurück­zu­zah­len­den Kapi­tals war nicht in das Kapi­talent­gelt ein­ge­bun­den und damit nicht untrenn­bar mit die­sem ver­bun­den. Die Bewe­gung des DAX blieb ohne Aus­wir­kung auf die Ver­zin­sung. Die Inha­ber­schuld­ver­schrei­bung II wies danach eine von vorn­her­ein bezif­fer­ba­re Emis­si­ons­ren­di­te auf, so dass die Vor­aus­set­zun­gen für eine Besteue­rung nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 Satz 2 EStG nicht vor­la­gen. Auf die Fra­ge, ob der Anle­ger hin­sicht­lich der Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen mit Ein­kunfts­er­zie­lungs­ab­sicht gehan­delt hat, kommt es nicht an.

Über die Fra­ge, ob der gel­tend gemach­te Ver­lust ggf. gemäß § 23 EStG zu berück­sich­ti­gen ist [4], hat der Bun­des­fi­nanz­hof nicht zu ent­schei­den, da die geson­der­te Fest­stel­lung der nicht aus­gleich­ba­ren Ver­äu­ße­rungs­ver­lus­te nach § 10d Abs. 4, § 23 Abs. 3 Satz 9 EStG nicht Gegen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens ist und der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid nicht Bezugs­punkt für eine Ände­rung der nicht aus­gleich­ba­ren Ver­äu­ße­rungs­ver­lus­te sein kann [5].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2014 – VIII R 28/​11

  1. BFH, Urteil vom 04.12 2007 – VIII R 53/​05, BFHE 219, 339, BStBl II 2008, 563[]
  2. BFH, Urtei­le vom 24.10.2000 – VIII R 28/​99, BFHE 193, 374, BStBl II 2001, 97; vom 13.12 2006 – VIII R 79/​03, BFHE 216, 187, BStBl II 2007, 562; vom 26.06.2012 – VIII R 40/​10, BFH/​NV 2013, 346[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 242, 386, BStBl II 2013, 1021[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFHE 242, 386, BStBl II 2013, 1021[]
  5. BFH, Urteil vom 11.11.2008 – IX R 44/​07, BFHE 223, 395, BStBl II 2010, 31[]