Die end­gül­ti­ge Ein­nah­me­lo­sig­keit einer Kapi­tal­be­tei­li­gung

End­gül­tig ein­nah­me­los ist eine Kapi­tal­be­tei­li­gung erst dann, wenn fest­steht, dass Ein­nah­men oder Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen aus der näm­li­chen Betei­li­gung nie­mals als Ein­nah­men oder Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen i.S. des § 3 Nr. 40 EStG einer bestands­kräf­ti­gen Ver­an­la­gung des Steu­er­pflich­ti­gen oder einer bestands­kräf­ti­gen geson­der­ten und ggf. ein­heit­li­chen Fest­stel­lung sei­ner Ein­künf­te zugrun­de gele­gen haben.

Die end­gül­ti­ge Ein­nah­me­lo­sig­keit einer Kapi­tal­be­tei­li­gung

Fal­len kei­ne Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Ein­nah­men an, kommt eine antei­li­ge Steu­er­be­frei­ung nach § 3 Nr. 40 EStG nicht in Betracht. Es tritt die nach § 3c Abs. 2 Satz 1 EStG maß­ge­ben­de Bedin­gung dafür, ent­spre­chen­de Auf­wen­dun­gen nur antei­lig zu berück­sich­ti­gen, nicht ein. Wer­den daher aus einer (betrieb­li­chen) Kapi­tal­be­tei­li­gung kei­ne Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Ein­nah­men erzielt, ist für Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me bis 2010 das Teil­ab­zugs­ver­bot ‑vor Gel­tung des heu­ti­gen § 3c Abs. 2 Satz 7 EStG 1- nicht anzu­wen­den und der Erwerbs­auf­wand in vol­lem Umfang abzieh­bar 2.

Kei­ne Ein­nah­men i.S. des § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. c EStG erzielt u.a., wer objek­tiv wert­lo­se Antei­le zu einem sym­bo­li­schen Kauf­preis von 1 € ver­äu­ßert 3. Ent­spre­chen­des muss dann auch für den Fall gel­ten, dass im Rah­men einer Ver­äu­ße­rung/​Aufgabe i.S. des § 16 EStG objek­tiv wert­lo­se Antei­le an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, die zum Betriebs­ver­mö­gen des Ver­äu­ße­rungs-/Auf­ga­be­ob­jekts gehö­ren, bei Über­füh­rung in das Pri­vat­ver­mö­gen mit ihrem gemei­nen Wert von 1 € anzu­set­zen sind; es liegt kei­ne Ein­nah­me i.S. des § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. b EStG vor. Zu den Ein­nah­men, wel­che die Anwen­dung des Abzugs­ver­bots des § 3c Abs. 2 EStG recht­fer­ti­gen, gehö­ren jedoch vGA nach § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. d Satz 1, Nr. 40 Satz 2 EStG.

End­gül­tig ein­nah­me­los ist eine Kapi­tal­be­tei­li­gung nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs aller­dings erst dann, wenn fest­steht, dass Ein­nah­men oder Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen aus der näm­li­chen Betei­li­gung nie­mals als Ein­nah­men oder Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen i.S. des § 3 Nr. 40 EStG einer bestands­kräf­ti­gen Ver­an­la­gung des Steu­er­pflich­ti­gen oder einer bestands­kräf­ti­gen geson­der­ten und ggf. ein­heit­li­chen Fest­stel­lung sei­ner Ein­künf­te zugrun­de gele­gen haben. Ande­ren­falls käme es zur Prü­fung der näm­li­chen Fra­ge in unter­schied­li­chen Ver­an­la­gungs- bzw. Fest­stel­lungs­zeit­räu­men mit ggf. unter­schied­li­chen Ergeb­nis­sen.

Umge­kehrt bedeu­tet dies: Die Anwen­dung des § 3c Abs. 2 EStG setzt nicht vor­aus, dass die Besteue­rungs­grund­la­ge, wonach aus der näm­li­chen Betei­li­gung Ein­nah­men oder Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen i.S. des § 3 Nr. 40 EStG erzielt wur­den, selbst in Bestands­kraft erwächst. Aus­rei­chend ist bereits, dass der­ar­ti­ge Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Ein­nah­men einer bestands­kräf­ti­gen Ver­an­la­gung oder einer bestands­kräf­ti­gen geson­der­ten und ggf. ein­heit­li­chen Fest­stel­lung zugrun­de gele­gen haben.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 25. Juli 2019 – IV R 47/​16

  1. ein­ge­fügt als Satz 2 durch das Jah­res­steu­er­ge­setz 2010 vom 08.12.2010, BGBl I 2010, 1768, BSt­Bl I 2010, 1394[]
  2. z.B. BFH, Urteil in BFHE 240, 333, BSt­Bl II 2013, 802, Rz 33 ff., m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 06.04.2011 – IX R 61/​10, BFHE 233, 446, BSt­Bl II 2012, 8, Rz 11[]