Die Kat­ze hilft beim Steu­er­spa­ren – Haus­tier­be­treu­ung als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung

Die Ver­sor­gung und Betreu­ung eines im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­nom­me­nen Haus­tie­res kann als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung nach § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG begüns­tigt sein 1.

Die Kat­ze hilft beim Steu­er­spa­ren – Haus­tier­be­treu­ung als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall ließ ein Ehe­paar wäh­rend des Urlaubs im jahr 2012 ihre Haus­kat­ze von der "Tier- und Woh­nungs­be­treu­ung A" in ihrer Woh­nung betreu­en. Hier­für wur­de ihnen ein Betrag in Höhe von 302,90 € in Rech­nung gestellt, die sie per Über­wei­sun­gen begli­chen. In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung bean­trag­ten sie sodann für die­se Auf­wen­dun­gen eine Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG. Danach ermä­ßigt sich die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er um 20 %, höchs­tens 4.000 €, der Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für die Inan­spruch­nah­me von haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen.

Das Finanz­amt ver­sag­te ihnen den bean­trag­ten Steu­er­vor­teil. Es berief sich auf eine Ver­wal­tungs­an­wei­sung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Finan­zen 2. Danach sei u.a. für Tier­be­treu­ungs­kos­ten kei­ne Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG zu gewäh­ren. Wie in der Vor­in­stanz das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf 3 ist dem nun auch der Bun­des­fi­nanz­hof ent­ge­gen getre­ten:

Die Steu­er­ermä­ßi­gung für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen nach § 35a EStG sei zu gewäh­ren, wenn die in Anspruch genom­me­ne Leis­tung eine hin­rei­chen­de Nähe zur Haus­halts­füh­rung auf­wei­se oder damit im Zusam­men­hang ste­he. Davon sei ins­be­son­de­re bei haus­wirt­schaft­li­chen Ver­rich­tun­gen, die gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts oder ent­spre­chend Beschäf­tig­te erle­digt wür­den und in regel­mä­ßi­gen Abstän­den anfie­len, aus­zu­ge­hen. Des­halb sei auch die Ver­sor­gung und Betreu­ung eines im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­nom­me­nen Haus­tie­res eine haus­halts­na­he Dienst­leis­tung. Denn Tätig­kei­ten wie das Füt­tern, die Fell­pfle­ge, das Aus­füh­ren und die sons­ti­ge Beschäf­ti­gung des Tie­res oder im Zusam­men­hang mit dem Tier erfor­der­li­che Rei­ni­gungs­ar­bei­ten fie­len regel­mä­ßig an und wer­den typi­scher­wei­se durch den Steu­er­pflich­ti­gen selbst oder ande­re Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge erle­digt.

Nach § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG 2012 ermä­ßigt sich die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er, ver­min­dert um die sons­ti­gen Steu­er­ermä­ßi­gun­gen, auf Antrag um 20 %, höchs­tens 4.000 €, der Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für die Inan­spruch­nah­me von haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen, die nicht Dienst­leis­tun­gen nach § 35a Abs. 3 EStG sind und in einem in der Euro­päi­schen Uni­on oder dem Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum lie­gen­den Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen erbracht wer­den (§ 35a Abs. 4 Satz 1 EStG).

Der Begriff "haus­halts­na­he Dienst­leis­tung" ist gesetz­lich nicht näher bestimmt. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs müs­sen die Leis­tun­gen eine hin­rei­chen­de Nähe zur Haus­halts­füh­rung auf­wei­sen oder damit im Zusam­men­hang ste­hen. Dazu gehö­ren haus­wirt­schaft­li­che Ver­rich­tun­gen, die gewöhn­lich durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts oder ent­spre­chend Beschäf­tig­te erle­digt wer­den und in regel­mä­ßi­gen Abstän­den anfal­len 4.

Der Begriff "haus­halts­nah" ist hier­bei als sinn­ver­wandt mit dem Begriff "haus­wirt­schaft­lich" anzu­se­hen. Haus­wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten sind sol­che, die übli­cher­wei­se zur Ver­sor­gung der dort leben­den Fami­lie in einem Pri­vat­haus­halt erbracht wer­den 5. Dazu gehö­ren jeden­falls das Ein­kau­fen von Ver­brauchs­gü­tern, das Kochen, die Wäsche­pfle­ge, die Rei­ni­gung und Pfle­ge der Räu­me, des Gar­tens und auch die Pfle­ge, Ver­sor­gung und Betreu­ung von Kin­dern und kran­ken Haus­halts­an­ge­hö­ri­gen 6.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on lässt sich die­ser Auf­zäh­lung nicht ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber die Ver­sor­gung und Betreu­ung von Haus­tie­ren damit von der Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG aus­ge­nom­men hat. Inso­weit ver­kennt das Finanz­amt, dass eine Geset­zes­be­grün­dung kei­ne Tat­be­stands­wir­kung ent­fal­tet. Hät­te der Gesetz­ge­ber ledig­lich bestimm­te haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen begüns­ti­gen wol­len, hät­te es einer abschlie­ßen­den Rege­lung in § 35a EStG bedurft. Auch trägt die Geset­zes­be­grün­dung nicht den von der Revi­si­on gezo­ge­nen Schluss, dass durch § 35a EStG ‑mit Aus­nah­me der Gar­ten­pfle­ge- ledig­lich per­so­nen­be­zo­ge­ne haus­wirt­schaft­li­che Leis­tun­gen steu­er­lich ent­las­tet wer­den sol­len. Für ein der­art ein­ge­schränk­tes Begriffs­ver­ständ­nis bie­tet der Wort­laut der Norm kei­nen Anhalt. So sind bei­spiels­wei­se bis ein­schließ­lich Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2005 auch (ein­fa­che, nicht aber qua­li­fi­zier­te) hand­werk­li­che Tätig­kei­ten (Aus­bes­se­rungs- und Erhal­tungs­maß­nah­men, die übli­cher­wei­se durch Mit­glie­der des pri­va­ten Haus­halts oder ent­spre­chend Beschäf­tig­te, bei­spiels­wei­se einen Haus­meis­ter, erle­digt wer­den und in regel­mä­ßi­gen Abstän­den anfal­len) in der zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­ten Woh­nung oder im Haus des Steu­er­pflich­ti­gen, etwa Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren oder klei­ne Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten, von den Finanz­be­hör­den 7 und der finanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung 8 zu den haus­halts­na­hen Dienst­leis­tun­gen i.S. von § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG in der bis ein­schließ­lich Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2005 gel­ten­den Fas­sung gezählt wor­den.

Zwar wer­den seit dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2006 sämt­li­che hand­werk­li­chen Tätig­kei­ten, also auch ein­fa­che hand­werk­li­che Ver­rich­tun­gen, etwa regel­mä­ßi­ge Aus­bes­se­rungs- und Erhal­tungs­maß­nah­men, die bis­lang als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen unter § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG ange­se­hen wor­den sind, von dem neu­en § 35a Abs. 2 Satz 2 i.d.F. des Geset­zes zur steu­er­li­chen För­de­rung von Wachs­tum und Beschäf­ti­gung vom 26.04.2006 erfasst 9. Mehr als die "Aus­gren­zung" der ein­fa­chen Hand­wer­k­erleis­tun­gen aus dem Anwen­dungs­be­reich des Sat­zes 1 folgt dar­aus jedoch nicht. Denn der Gesetz­ge­ber hat mit der Neu­re­ge­lung ledig­lich die Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a EStG auf hand­werk­li­che Tätig­kei­ten, die von Mie­tern und Eigen­tü­mern für die zu eige­nen Wohn­zwe­cken genutz­te Woh­nung in Auf­trag gege­ben wer­den, z.B. das Strei­chen und Tape­zie­ren von Innen­wän­den, die Besei­ti­gung klei­ne­rer Schä­den, die Erneue­rung eines Boden­be­lags (Tep­pich­bo­den, Par­kett oder Flie­sen), die Moder­ni­sie­rung des Bade­zim­mers oder der Aus­tausch von Fens­tern sowie Reno­vie­rungs, Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­ar­bei­ten auf dem Grund­stück, z.B. Gar­ten- und Wege­bau­ar­bei­ten, aus­ge­wei­tet 10.

Unter Zugrun­de­le­gung die­ser Grund­sät­ze sind auch die Ver­sor­gung und Betreu­ung eines im Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­nom­me­nen Haus­tie­res haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen 11. Denn Tätig­kei­ten wie das Füt­tern, die Fell­pfle­ge, das Aus­füh­ren und die sons­ti­ge Beschäf­ti­gung des Tie­res oder im Zusam­men­hang mit dem Tier erfor­der­li­che Rei­ni­gungs­ar­bei­ten fal­len regel­mä­ßig an und wer­den typi­scher­wei­se durch den Steu­er­pflich­ti­gen selbst oder ande­re Haus­halts­an­ge­hö­ri­ge erle­digt 12. Dies wie auch das Vor­lie­gen der übri­gen Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG hat die Vor­in­stanz im Streit­fall zutref­fend bejaht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Sep­tem­ber 2015 – VI R 13/​15

  1. ent­ge­gen BMF, Schrei­ben vom 10.01.2014, BSt­Bl I 2014, 75, Anla­ge 1, ersetzt BMF, Schrei­ben vom 15.02.2010, BSt­Bl I 2010, 140, Anla­ge 1[]
  2. BMF, Schrei­ben vom 10.01.2014, BSt­Bl I 2014, 75[]
  3. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 04.02.2015 – 15 K 1779/​14 E[]
  4. BFH, Urteil vom 20.03.2014 – VI R 55/​12, BFHE 245, 45, BSt­Bl II 2014, 880, m.w.N.[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 245, 45, BSt­Bl II 2014, 880, m.w.N.[]
  6. BT-Drs. 15/​91, 19[]
  7. BMF, Schrei­ben vom 01.11.2004 – IV C 8‑S 2296b-16/04, BSt­Bl I 2004, 958 Rz 5[]
  8. z.B. BFH, Urtei­le vom 29.01.2009 – VI R 28/​08, BFHE 224, 255, BSt­Bl II 2010, 166; und vom 06.05.2010 – VI R 4/​09, BFHE 229, 534, BSt­Bl II 2011, 909[]
  9. BFH, Urteil in BFHE 229, 534, BSt­Bl II 2011, 909[]
  10. BT-Drs. 16/​643, 10, und BT-Drs. 16/​753, 11[]
  11. ent­ge­gen BMF, Schrei­ben in BSt­Bl I 2014, 75, Anla­ge 1, ersetzt BMF, Schrei­ben vom 15.02.2010, BSt­Bl I 2010, 140, Anla­ge 1[]
  12. FG Müns­ter, Urteil vom 25.05.2012 – 14 K 2289/​11, EFG 2012, 1674[]